
Fünf Spieltage vor dem Ende der Mittelrheinliga biegt die Saison endgültig auf die Zielgerade ein. Wenn der SSV Merten am Sonntag den Spitzenreiter SV Bergisch Gladbach 09 empfängt, hat der Titelanwärter die wohl größte Hürde im Endspurt vor sich. Mit nur 21 (Merten) beziehungsweise 22 Gegentoren (Gladbach) stehen sich die beiden besten Defensivreihen der Liga gegenüber. Während Gladbach den Vier-Punkte-Vorsprung auf Verfolger Siegburg mit aller Macht verteidigen will, wittert Merten die Chance, den dritten Tabellenplatz zu erobern.
Für Mertens Trainer Bünyamin Kilic ist die Ausgangslage ein Spiel mit der psychologischen Freiheit. Während der Druck des „Gewinnen-Müssens“ schwer auf den Schultern der Gäste lastet, kann seine Elf befreit aufspielen. Dennoch wurmt den Coach die mangelnde Effizienz der letzten Wochen, die seiner Meinung nach eine noch bessere Platzierung verhindert hat.
„Wir freuen uns auf das Top-Spiel. Während es für Gladbach um immens viel geht, können wir befreit aufspielen. Unsere Defensive bleibt zwar weiterhin stabil, aber nach vorne fehlt uns momentan die nötige Kaltschnäuzigkeit in der Box. Ich hätte mir gewünscht, dass wir in dieser Saison eine bessere Chancenverwertung gehabt hätten – ich glaube, dann hätte die Tabellenkonstellation noch mehr hergegeben. Aber wie heißt es so schön: ‚Es kann nur einen geben.‘ Wir wollen dieses Spiel gewinnen, um selbst die bestmögliche Platzierung zu erreichen, und werden uns definitiv nicht verstecken. Ein wichtiger Faktor ist, dass wir personell wieder nahezu aus dem Vollen schöpfen können“, blickt Kilic mit gesundem Ehrgeiz auf die Partie.
Auf der Gegenseite herrscht beim SV Bergisch Gladbach 09 ein Tunnelblick auf das große Ziel. Nach dem souveränen 5:1 gegen Hennef ist die Brust breit, doch Trainer Kevin Kruth weiß um die körperliche Wucht, die ihn in Merten erwartet. Er fordert von seinen Schützlingen eine Reifeprüfung, die über das rein Taktische hinausgeht.
„Merten ist aus meiner Sicht eine absolute Top-5-Mannschaft, wenn nicht sogar Top-3, was die personelle Besetzung angeht. Ich bin davon überzeugt, dass uns eine sehr körperbetonte Partie erwartet, in der wir erwachsen auftreten müssen. Darauf bereiten wir die Jungs vor. Für uns gilt es nun, die Zielgerade erfolgreich zu bestreiten, was für mich untrennbar mit den Attributen Wille, Leidenschaft und Mut verbunden ist. Wir schauen nicht auf den Spielplan, sondern konzentrieren uns darauf, genau diese Tugenden auf den Platz zu bringen. In so einem engen 50-50-Spiel entscheiden oft die Tagesform und die Nuancen“, stellt Kruth seine Mannschaft auf einen intensiven Schlagabtausch ein.
Die personellen Voraussetzungen sehen beim Merten pünktlich zum Spitzenspiel deutlich besser aus und Kilic kann wieder aus dem Vollen schöpfen. Beim Primus fallen mit Ervin Cindrak und Luca Bugenhagen zwei weitere Akteure für den Rest der Saison aus und ergänzen das Lazarett um Eray Sariaydin und Claudio Heider.
Das Hinspiel endete mit einem leistungsgerechten 1:1. Am Sonntag wird sich zeigen, ob eine der beiden Abwehr-Mauern nachgibt oder ob die Punkteteilung am Ende nur dem lachenden Dritten aus Siegburg in die Karten spielt.