Das Urteil zugunsten des SV Niederbachem hat für Furore gesorgt.
Das Urteil zugunsten des SV Niederbachem hat für Furore gesorgt. – Foto: Andreas Santner

Ignoranz und Arroganz! - Ein Kommentar von Norbert Feder

Norbert Feder hat eine klare Meinung zur Eingruppierung des SV Niederbachem in die Bezirksliga, Staffel 4.

Wer macht denn sowas? Das fragen sich in diesen Tagen nicht nur Fußball-interessierte Leute. Es war zu lesen, dass der FVM-Verbandsspielausschuss einen Verein aus dem FVM-Kreis Bonn in die Bezirksliga Mittelrhein, Staffel 4, eingliedert.

Die für diese Entscheidung relevanten Argumente wurden von den Verbandsverantwortlichen ausführlich dargelegt. Warum wird das in der Öffentlichkeit nicht verstanden? Weil diese Entscheidung unverhältnismäßig ist. Die finanziellen Folgen für den Verein sind enorm und die klimarelevanten Auswirkungen sind nicht vermittelbar.

Im Einzelnen: Diese Entscheidung führt dazu, dass der Verein SV Niederbachem Distanzen zu Auswärtsspielen von bis zu 100 km (einfache Strecke) zurücklegen muss. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Einnahmen bei Heimspielen aufgrund der minimalen Bereitschaft der Anhängerschaft der Spielgegner diese Belastungen in Kauf zu nehmen, erheblich sinken werden.

Viele Leute fragen sich mit Recht, warum ausgerechnet ein Fußballverband die aktuellen gesamtgesellschaftlichen Probleme im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels und den explodierenden Energiepreisen ignoriert. Wie glaubhaft ist es, wenn einerseits der Präsident des größten und reichsten Sportverbandes (A.d.R. Bernd Neuendorf ist Präsident beim Deutschen Fußball-Bund) bei der Politik vorstellig wird, um für die Unterstützung von Vereinen zu werben, deren Existenz durch die explodierenden Energiepreise gefährdet ist und andererseits Landesverbände (Fußballverband Mittelrhein) hingehen und Vereine mit Maßnahmen wie im vorliegenden Fall in eine finanzielle Krise drängen. Der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass diese Maßnahmen alternativlos seien, ist äußerst fragwürdig.

Wie konnte es zu dieser Situation kommen?

War der Antrag des SV Niederbachem regelkonform? Aus heutiger Sicht war er es, was durch das Urteil des höchsten Rechtsorgans des Westdeutschen Fußball-Verbandes (WDFV) bestätigt wurde. Warum und wieso wurde die Situation von Seiten des Verbandsspielausschusses falsch eingeschätzt? Selbst wenn das oberste Rechtsorgan des FVM den Antrag des Vereins zurückgewiesen hat, konnte der Verbandsspielausschuss nicht zwingend davonausgehen, dass letztinstanzlich das WDFV-Verbandsgericht zum gleichen Urteil kommen würde.

Hier liegt ein wesentlicher Grund für die aktuelle Problematik und die Frage lautet: Warum wurde hier keine Risikoabschätzung getätigt bzw. ein Weg für ein etwaiges Worst-Case-Szenario erarbeitet. Übrigens werden vier der acht Sitze im WDFV-Verbandsgericht durch den FVM entsandt. Vielleicht hätte ein Meinungsaustausch im Vorfeld auch Sinn gemacht.

Eine weitere Frage stellt sich: Warum sind zwischen dem Zeitpunkt des Antrages und des letztinstanzlichen Urteils fast drei Monate vergangen. Hätte dieses Verfahren nicht vor Saisonbeginn abgeschlossen werden können? Diese Fragen muss der FVM beantworten.

Dem Fußball im Allgemeinen schaden solche Entwicklungen, die Amateurvereine leiden einsam vor sich hin. Solidarität zwischen den Vereinen ist ob der von vielen Vereinen befürchteten Konsequenzen eher selten. Fußballfunktionäre vor allem in Verbandsgremien sollten immer das Wohl der Vereine im Blick haben. Ist das in diesem Fall so? Viele Ehrenamtler in den Amateurvereinen leiden nicht zuletzt auch unter solchen unverständlichen Entscheidungen der Verbandsführungen. Eines sollte man in den Führungsetagen der Verbände immer beachten, wenn der letzte Ehrenamtler und der letzte Amateurverein die "Segel streicht", dann braucht man die Verbände und ihre Funktionäre nicht mehr.

Aufrufe: 018.9.2022, 23:00 Uhr
Norbert FederAutor