2024-04-20T08:00:28.265Z

Allgemeines
– Foto: Verein

"Ich will im nächsten halben Jahr nicht das Wort Klassenerhalt hören"

Verbandsliga +++ Maik Aumann spricht im Interview über seine ersten Wochen und die Ziele mit Saxonia Tangermünde

Ein schwerer Autounfall hat das Leben von Maik Aumann verändert. Das war auch der maßgebliche Grund, weswegen er seinen Trainerposten bei der BSG Stahl Brandenburg abgegeben hat und im Winter sportlich in die Altmark zurückgekehrt ist. Als Chefcoach leitet der 37-Jährige nun die Geschicke des FSV Saxonia Tangermünde. Im FuPa-Interview spricht Aumann über seine ersten Eindrücke, die sportlichen Herausforderungen und die Ziele für die Zukunft.

Wie sind ihre ersten Eindrücke in Tangermünde?

Fürs Erste bin ich sehr zufrieden mit meiner Eingewöhnungszeit. Man muss natürlich den privaten Aspekt sehen: Statt über einer Stunde wie nach Brandenburg fahre ich nun höchstens 25 Minuten zum Training. Aus privater Sicht ist das Traum.

Im sportlichen Aspekt ist zunächst alles neu, man muss sich an alles gewöhnen. Mit der Mannschaft, dem Sportlichen Leiter und dem Vorstand macht es mir bisher viel Spaß und ich freue mich, immer mehr Menschen aus dem Vereinsumfeld kennenzulernen.

Sportlich gab es wahrscheinlich nicht allzu viel Eingewöhnung. Welche Veränderungen haben Sie in ihren ersten Wochen vorgenommen?

Für die Spieler gibt es sicherlich einige Umstellungen. Für mich war es zum Beispiel ganz normal, auf diesem Niveau viermal in der Woche zu trainieren. Während meiner Zeit bei Stahl Brandenburg waren drei oder vier Einheiten pro Woche auch absoluter Standard.

Dass in Tangermünde bisher nur zweimal trainiert wurde, ist in meinen Augen zu wenig gewesen. Da können gewisse Inhalte gar nicht umgesetzt werden. Deswegen ist es für mich nur normal gewesen, dass wir jetzt drei- bis viermal in der Woche trainieren. Das wurde von der Mannschaft wohlwollend aufgenommen.

Das ist aber, wie man auf Social Media schon mitbekommen hat, nicht die einzige Veränderung.

Genau, wir haben uns für die zweite Saisonhälfte auch Brustgurte zugelegt, mit denen wir die Laufwerte der Spieler tracken können. Das kam im Vorstand sehr gut an. Über Tablet, I-Pad oder Handy kann man damit die Laufleistung und Herzfrequenz sehen. Gerade bei Laufeinheiten kann man schön verfolgen, für welchen Spieler die Belastung in diesem Moment zu hoch ist. Auch für die Steuerung der nächsten Einheiten ist das von großem Wert.

Es soll aber nicht so klingen, als ob wir die absoluten Profis wären und bei jedem Training die Spieler mit einem Laptop kontrollieren. Es geht um ein bisschen mehr Steuerung und hilft bei der individuellen Gestaltung für einzelne Spieler.

Mit welchen Zielen sind Sie den Trainerposten bei Saxonia Tangermünde angetreten?

Ich will im nächsten halben Jahr nicht das Wort Klassenerhalt hören. Es ist eine Utopie. Die Mannschaft hat acht Punkte in der Hinrunde geholt - davon drei gegen eine Mannschaft, gegen die alle drei Punkte geholt haben. Jetzt über den Klassenerhalt zu reden, finde ich einfach unrealistisch.

Wir haben kein kurzfristiges Ziel. Natürlich wollen wir in dieser Saison noch alles versuchen, aber wir reden im Verein über mittel- und langfristige Ziele, was wir uns in den nächsten zwei, drei Jahren erarbeiten wollen. Dabei geht es um Strukturen, um Trainingssteuerung, um mannschafts- und individualtaktische Entwicklungen. Das hat nichts mit kurzfristigen Zielen zu tun.

Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber ich möchte nicht nach jedem Sieg oder jeder Niederlage hören: Der Klassenerhalt ist wieder näher oder weiter in die Ferne gerückt. Dafür ist es zu weit weg. Wir reden von zehn Punkten Rückstand. Es muss ja Gründe geben, dass man nur acht Punkte geholt hat.

Einer der Gründe war sicherlich auch, dass es viele Verletzungssorgen gab. Wie sieht es diesbezüglich aktuell aus?

Definitiv ist das einer der Gründe. Um meinen Vorgänger Steffen Lenz in Schutz zu nehmen: Wenn mit Alexander Klitzing, Pascal Lemke, Maurice Pascale Schmidt und Andriy Zaporoshchenko vier Unterschiedsspieler ausfallen, die in der letzten Saison an 60 Toren beteiligt waren, kann man das als Trainer nicht auffangen. Die vier Jungs kommen erst im Sommer zurück, haben für die neue Saison aber bereits zugesagt. Für mich als Trainer bedeutet das: Ich weiß, im Sommer habe ich vier Neuzugänge. Da kommen vier Spieler zurück, die eine immense Qualität mitbringen.

Sie haben die weggebrochene Torgefahr bereits angesprochen. Dieses Problem war angesichts von nur 14 Treffern in der Hinrunde deutlich zu sehen. Haben Sie bereits einen neuen Torjäger ausgemacht?

Man hat dieses Problem nicht nur in der Hinrunde gesehen, sondern auch in den Testspielen. Wir haben ausschließlich gegen Landesliga-Mannschaften gespielt und haben in vier Spielen sechs Tore geschossen. Daran sieht man, wo unsere Baustellen sind. Und: Es war auch jedes Spiel spannend. Unser Problem wird auch in der Rückrunde sein, dass wir nicht so viele Tore schießen werden.

Heißt im Umkehrschluss, dass die Abwehr stehen muss?

Genau. Das ist in den letzten Wochen auch unser absoluter Schwerpunkt gewesen: eine gute Struktur, ein klares System, eine Grundordnung zu finden, wie wir stehen. Das machen wir sehr gut, lassen wenig zu. Die drei Gegentore, die wir in den Testspielen bekommen haben, kamen alle aus individuellen Fehlern. Wir haben kein herausgespieltes Gegentor bekommen. Das ist das, was uns Mut macht. Defensiv setzen wir das schon sehr gut um und setzen immer wieder Nadelstiche nach vorne.

Nur an der Verwertung mangelt es?

Wir schießen zu wenig Tore. Was man aber auch im Auge haben muss: Alle Jungs, die vorne spielen, sind noch junge Spieler. Ob es Tim Seidel-Holland ist, ob es Mykyta Asieiev, ob es Marco Heise ist oder Tomy Pusch, der sogar noch A-Jugend spielen könnte. Diese Jungs bekommen unser Vertrauen.

Darum möchte ich auch nicht jede Woche aufs Neue hören, dass uns wichtige Offensivspieler fehlen. Das wäre ein Tritt in den Hintern für die Spieler, die auf dem Platz stehen. Die, die da sind, bekommen unser Vertrauen und dürfen auch Fehler machen. Sie haben ihre Chance und können sich entwickeln.

Heißt: Entwicklung steht für die zweite Saisonhälfte als übergeordnetes Ziel mehr im Fokus als der Klassenerhalt?

Wir sehen das realistisch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir nächste Saison in der Landesliga spielen werden. Wenn es mit dem Klassenerhalt nicht klappt, dann sind wir im Sommer gut vorbereitet und versuchen, einen Neuangriff zu starten. Punkt.

Danke für das Interview und viel Erfolg für die zweite Saisonhälfte!

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Aufrufe: 016.2.2024, 17:35 Uhr
Kevin GehringAutor