2024-02-23T08:22:50.674Z

Interview
Maximilian Weber rückte im Sommer in das Trainerteam
Maximilian Weber rückte im Sommer in das Trainerteam – Foto: Mehmet „Dedepress“ Dedeoglu

„Ich musste mich an die Rolle des „Coach“ erstmal gewöhnen“

Maximilian Weber hat im Sommer Fußballschuhe gegen Taktiktafel getauscht. Über seine neuen Erfahrungen und ersten Eindrücke, sowie den Start bei Berolina Stralau

Interview von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/- regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartner: Maximilian Weber, #526

Max, am Sonntag seid ihr mit sicherlich großen Erwartungen nach Hohen Neuendorf gereist und am Ende mit leeren Händen wieder nach Hause gefahren. Geht das Ergebnis so in Ordnung? Was hat dem Team an diesem Tag gefehlt, um das Spitzenspiel auf Augenhöhe zu gestalten?
Das Ergebnis geht so in Ordnung, ja. Wir haben mutig begonnen und in den ersten 10-15 Minuten guten Druck aufbauen können inkl. Torchancen. In der Phase haben wir schon zwei, drei Fehler gemacht (Elfmeter gegen uns durch einen schlechten Rückpass und einige Ballverluste), die uns spätestens durch das 1:0 den Mut genommen haben weiter aktiv zu verteidigen und mit Überzeugung nach vorne zu spielen. Dadurch haben wir immer wieder einfache Ballverluste gehabt, die man sich gegen so einen starken Gegner nicht erlauben darf. Dadurch kam Hohen Neuendorf komplett in ihr Spiel und hat uns in den letzten 30 Minuten der 1. Halbzeit dominiert.
Nach der Halbzeit war unser Ziel die zweiten 45 Minuten zu gewinnen und zu zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und weiter an uns glauben. Das ist uns gut gelungen, wir haben die zweite Halbzeit 1:0 gewonnen und trotz der ersten Halbzeit in mannschaftlicher Geschlossenheit und Überzeugung gespielt.

Seid ihr trotz der Niederlage zufrieden mit der Entwicklung der Mannschaft im ersten Drittel der Saison?
Wir befinden uns in einem Prozess:
Wir haben seit dieser Saison ein neues Trainerteam. Wir mussten vier Abgänge von Stammspielern verkraften und haben leider noch viel zu viele verletzte Spieler.
Ich denke schon, dass wir unter den Voraussetzungen zufrieden sein können. Ich sehe aber noch viel mehr Potenzial in dieser Mannschaft, als sie aktuell zeigt, daher erhoffe ich mir noch eine deutliche Entwicklung in den nächsten Jahren.

Mit welcher Zielsetzung seid ihr in die Saison gestartet?
Wir hatten anfangs keine Zielsetzung was wir als Tabellenplatz ausgegeben haben.
Wir haben mit der Mannschaft eine bestimmte Punktzahl festgelegt, die wir bis zum Ende der Saison erreichen wollen. An diesem Ziel halten wir nach wie vor fest.

Wie konntet ihr die Abgänge der Stammkräfte ersetzen / kompensieren?
Wir haben für unsere Verhältnisse vielen Neuzugänge gehabt. Unser neuer Sportdirektor Robert Kleßny hat tolle Arbeit geleistet.
Wir haben in allen Mannschaftsteilen neue, größtenteils junge Gesichter dazubekommen. Davon haben vier Spieler mit Brand, Pötting, Wegerich und Hufnagel bereits eine Stralau-Vergangenheit. Alle Neuzugänge sind super Jungs und geben ihr Bestes.
Wir haben somit einen breiten Kader der auf allen Positionen für Konkurrenz sorgen sollte - leider schaffen wir es nicht von Verletzungen oder Krankheiten verschont zu bleiben, wodurch meistens nur die Hälfte des Kaders zur Verfügung steht. Da mit den Abgängen auch Verantwortungsträger gegangen sind muss die Mannschaft gerade lernen wie sie damit umzugehen hat, Spieler die vorher noch keine Wortführer waren oder Verantwortung übernommen haben müssen jetzt gezwungenermaßen in diese Rolle reinwachsen.

Worin besteht deine, beziehungsweise eure Arbeit im Trainerteam, den Jungs zum nächsten Schritt zu verhelfen?
Das ist eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist, da es ein Mix aus vielen Sachen ist. Ich denke grundlegend geht es darum - um wenige Worte zu nutzen - dass alle wissen, was sie zu tun haben.
Wenn alle wissen, wie die Abläufe sind, ob im Training oder im Spiel, auf wen zu hören ist, wie sie sich als Mannschaft in verschiedenen Situationen selbst zu organisieren haben, dann schaffen sie es einfacher gute gemeinsame Entscheidungen zu treffen und diese auch klar zu kommunizieren. Unsere Jungs haben viele Ideen, manchmal auch etwas wilde Ideen, dabei ist Fußball relativ simpel und kann mit einem klaren Faden von allen verstanden und umgesetzt werden. Daran arbeiten wir. Ansonsten ist es meine Aufgabe als Co-Trainer unseren Headcoach Alvi so gut es geht zu supporten, den Rücken freizuhalten und immer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Warum hast im Sommer den Sprung vom Spieler zum (Co-)Trainer gewagt? War die Zeit gekommen?
Ich habe Anfang letzter Saison gesagt, dass es meine letzte sein wird, außer wir sollten (wie auch immer) nochmal in die Berlin-Liga aufsteigen. Das ist natürlich nicht passiert und somit war die Entscheidung getroffen.
Ich hatte das große Glück keine schwere Verletzung während meiner Karriere zu haben. Letzte Saison fingen bei mir aber dann doch ein paar Knieprobleme an wodurch ich drei oder vier Spiele verpasst habe. Somit war es auch körperlich die richtige Entscheidung die Belastung runterzufahren und es nicht zu riskieren etwas Schwereres oder etwas mit Nachwirkungen bis ins spätere Lebensalter zu bekommen.
Anfangs ist es mir schwer gefallen, ich habe es geliebt oft auf dem Platz zu stehen und mich körperlich zu verausgaben. Mich sportlich so intensiv zu fordern fehlt mir schon sehr. Dadurch, dass ich viermal die Woche auf dem Platz als Trainer stehe, ist es nicht so easy neben all den anderen Alltagsbeschäftigungen Zeit für dieselbe Auslastung zu finden, die ich vorher hatte.

War es eine große Umstellung für dich? Und wie ist die Hierarchie, mache der Spieler waren vorher deine „Mitspieler“, jetzt bist du ihr Trainer?
Die Umstellung hat zwei Gesichter. Nicht mehr als Spieler auf dem Feld zu unterstützen war anfangs schwierig für mich. Ich musste mich an die Rolle des an der Seite stehenden und nur durch Worte einflussnehmenden „Coach“ erstmal gewöhnen. Das hat etwas gedauert.
Das andere Gesicht ist die des Trainers, der Inhalt und die Rolle im Team. Ich denke das ist mir bisher ordentlich gelungen. Ich habe meine Lizenz gemacht in der ich viel guten Input erhalten habe. Dadurch habe ich mich schnell noch sicherer in meiner Rolle als Trainer gefühlt.
Ich habe schon das Gefühl, dass die Jungs mich als Trainer akzeptieren und sehen. Sie hören auf uns, wenn wir ihnen Sachen mitgeben und ich habe nicht das Gefühl, dass ich durch den Status des ehemaligen Mitspielers viel anders behandelt werde, als unser Headcoach. Mir geht es hauptsächlich darum, dass die Jungs etwas lernen, damit sie zusammen erfolgreich sein können und eine gute Zeit haben - das habe ich aber auch schon als Spieler und einer der Wortführenden gelebt, vllcht war die Umstellung daher nicht ganz so groß für alle Beteiligten.

Wie läuft das Zusammenspiel mit eurem Headcoach Alvi?
Aus meiner Perspektive super. Ich bin Alvi super dankbar, er hat mir von Anfang an vertrauen gegeben und mich gefragt was ich machen will. Er lässt mich meine Ideen einbringen und man kann super über alle Sachen mit ihm sprechen.
Er ist sehr klar in seiner Ansprache, was er will, trotzdem auch sehr reflektiert und hat sehr ähnliche Werte wie ich. Er passt super zum Verein und ich bin sehr dankbar für die Zusammenarbeit und die Möglichkeiten, die er mir gibt, das sehe ich nicht als selbstverständlich an. Bei den Jungs kommt er auch sehr gut an und hat keine lange Eingewöhnungszeit gebraucht, was sehr für ihn spricht.

Möchtest du selber einmal Cheftrainer werden?
Was ich vorher als Spieler wirklich komplett unterschätzt habe ist, wie viel Aufwand es bedeuten kann Trainer zu sein. Das war mir vorher nicht so bewusst.
Deswegen müsste die Entscheidung Cheftrainer zu werden schon sehr gut überlegt sein und mit all meinen anderen Commitments zusammenpassen. Denn wenn ich etwas mache, dann eigentlich immer mit voller Überzeugung. Generell traue ich mir immer relativ viel zu, ob ich es dann aber irgendwann mal machen werde weiß ich wirklich noch nicht.

Aufrufe: 029.11.2023, 12:33 Uhr
Marcel PetersAutor