
Das stark beachtete Kleinfeld-Hallenfußballformat wird in Deutschland (vorerst) nicht fortgesetzt. Die Akteure aus der Region bedauern die Entscheidung.
Die Nachricht sorgte für ein heftiges Beben in der Fußballszene: Die stark beachtete Baller League stellt ihren Spielbetrieb in Deutschland nach nur zwei Jahren vorerst ein.
Die 2024 gegründete Hallenfußball-Liga, initiiert von den Ex-Weltmeistern Mats Hummels und Lukas Podolski, hatte sich zum Ziel gesetzt, mit innovativen Regeln und prominent besetzten Teams ein junges Publikum zu erreichen. Trotz ordentlicher Zuschauerzahlen – unter anderem über die Online-Plattform Twitch und den Fernsehsender ProSieben Maxx – sahen die Verantwortlichen den deutschen Markt jedoch nicht mehr als tragfähig für die langfristigen Pläne.
Der hiesige Markt verfüge „momentan nicht über die Größe und strukturellen Bedingungen“, um das Projekt nachhaltig zu unterstützen, teilten die Macher dem Medienmagazin DWDL mit. Der ursprünglich für November 2025 geplante Start der vierten Saison war zuvor mehrfach verschoben worden. Die Season 4 sollte wieder in Köln stattfinden, nachdem zuletzt in Berlin gekickt worden war.
Stattdessen richtet die Baller League ihren Blick nun verstärkt auf Großbritannien und die USA, wo sich aus Sicht der Verantwortlichen bessere Wachstumschancen bieten. Eine Rückkehr nach Deutschland schließen die Organisatoren allerdings nicht aus, sollte sich die Marktsituation ändern.
Das Aus der Baller League in Deutschland trifft vor allem die Spieler, die sich durch ihre Teilnahme nicht nur ein ordentliches Taschengeld sichern, sondern auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangen konnten.
„Ich finde es sehr schade, weil mir dieses Format unheimlich viel Spaß gemacht hat. Es war eine überragende Zeit, ich habe so viele schöne Erinnerungen gesammelt und bin der Baller League dankbar, dass sie mir so eine Plattform geboten hat“, sagt Mustapha Chahrour, der nach der zweiten Baller-League-Saison als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Der 22-Jährige, der bis Ende Januar für den Mittelrheinligisten VfL Vichttal aufgelaufen ist und bis Sommer eine Amateurfußballpause einlegen will, wird voraussichtlich ab März in der Icon League unterwegs sein.
Auch Meik Kühnel vom Mittelrheinligisten Teutonia Weiden reagiert ernüchtert. Der Dauerbrenner der Baller League sagt: „Dadurch, dass der Start der vierten Saison immer wieder verschoben wurde, kam einem das Ganze schon etwas spanisch vor.“ Die Entscheidung überrasche ihn dennoch: „Ich habe eine Zukunft in dem Format gesehen, weil die ersten drei Seasons sehr erfolgreich waren und es viel Spaß gemacht hat.“ Über die Hintergründe wisse er nur wenig: „Ich habe gelesen, dass es sich angeblich nicht rentieren soll. Wenn man dem Glauben schenken will, dann gut.“
Eine Zukunft in den konkurrierenden Kleinfeld‑Formaten wie der Icon League von Toni Kroos oder der Kings League von Gerard Piqué sieht der 31‑Jährige aktuell nicht. „Die Icon League zieht nach Berlin und die Kings League hat bislang immer sonntags gespielt. Da ich aktuell noch in der Mittelrheinliga aktiv bin, ist eine Teilnahme eher schwierig. Was in Zukunft passieren wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Das Thema Kleinfeldliga ist aber erst einmal für mich gegessen.“
„Ich finde es sehr schade, da es ein Projekt war, dass es in dieser Form noch nicht gab“, sagt Marcel Reisgies, Stürmer des Mittelrheinligisten Sportfreunde Düren, der bislang bei allen Baller-League-Seasons dabei war. Wenn er einige Jahre zurückdenke, habe es diese Option nicht gegeben, sich als Amateurfußballer auf so einer Bühne zeigen zu können. Das Niveau sei in der Baller League von Season zu Season gestiegen. „Ich glaube, dass diese Art von Fußball definitiv eine Zukunft haben wird“, sagt Reisgies. Er denkt, dass künftig Fußballverbände und Organisatoren der Hallenligen bessere Absprachen treffen müssen. Viele Spieler befänden sich in Konfliktsituationen, da die Spieltermine mitunter kollidieren.
„Für mich kam das Aus der Baller League sehr überraschend. Wir hatten einen fertigen Kader, hatten schon eine Trainingseinheit“, sagt Yassine Ali Gnondi, der für den VfL Vichttal stürmt und ebenfalls fester Bestandteil der Baller League war. Er habe sehr viele tolle Leute kennengelernt und neue Freundschaften geknüpft, so der 27-Jährige. Das Hallenformat sei eine große Chance für Spieler gewesen, sich auf großer Bühne zu beweisen. „Aber vielleicht geht es ja in Zukunft doch nochmal weiter“, hofft Ali Gnondi.
Philipp Simon, Spieler und Sportlicher Leiter des Mittelrheinligisten 1. FC Düren, bedauert das Aus ebenfalls: „Ich finde es sehr schade, sehr traurig, weil ich dort immer gerne gespielt habe. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich dort verbringen durfte.“ Kritik übt er auch: „Man hätte es den Spielern gegenüber früher kommunizieren können.“
Marcel Demircan, Trainer der Sportfreunde Düren, war in den ersten drei Seasons als Trainer der Baller League dabei. Und obwohl sein Abschied bereits feststand, bedauert er das Aus des Formats in Deutschland. „Die ersten drei Seasons waren außergewöhnlich. Jeder Montag hatte etwas Magisches.“ Das fußballerische Niveau habe sich von Season 1 zu 3 deutlich gesteigert. „Die Resonanz war überragend, die Fans sind sofort mit auf das Boot aufgestiegen. Mehr Resonanz kannst du in so kurzer Zeit gar nicht erwarten.“ Aus diesem Grund sei das Aus des Formats eine Schande.
Demircan lobt ausdrücklich die Organisatoren und Organisatorinnen sowie Moderatorinnen und Moderatoren, die die Baller League in Deutschland mit „viel Herzblut“ auf die Beine gestellt hätten. Der Sportfreunde-Trainer weiß selbstredend, dass es „gute Gründe“ für die Entscheidung gibt. Und er hofft, „dass die Baller League irgendwann zurückkommt“. Abschließend sagt er: „Deutschland braucht diese Kleinfeldligen.“
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