
Es ist fast schon kitschig - aber vor allem ein Beleg dafür, dass es im harten Fußballgeschäft doch noch menschlich zugeht. Nachdem sich der FC Eintracht Bamberg und sein langjähriger Trainer Jan Gernlein getrennt hatten und der Regionalliga-Absteiger auf der Suche nach einer Übergangslösung war, erinnerte sich Vorstandssprecher Sascha Dorsch an seinen Freund und Weggefährten Michael Hutzler. "Hutzi" hatte eigentlich seine Trainerkarriere beendet. Eigentlich. Der 56-Jährige im FuPa-Interview...
Im Herbst 2025 hast Du offiziell Dein Karriereende als Trainer verkündet. "Es kann nichts mehr kommen, was mich noch reizen würde, deshalb ist es genug!", so Deine Begrüdung damals gegenüber FuPa. Warum dann nun Dein neuerliches Engagement beim FC Eintracht Bamberg?
Mich reizt, dass ich Sascha Dorsch, einen klasse Menschen, in einer Notlage helfen kann. Und dass ich dem FC Eintracht Bamberg in einer schwierigen Situation ein bisschen zurückgeben kann. Die fünf Jahre, die ich bei den Domreitern erleben durfte, waren überragend.
Du hast bei den Domreitern mit zwei Aufstiegen mehr oder weniger Legenden-Status. Hast Du nicht Angst davor, diesen mit einer zweiten Amtszeit zunicht zu machen? Warum schmeckt eine aufgewärmte Suppe in diesem Fall?
Davor hab ich überhaupt keine Angst. Fußball ist keine Einbahnstraße und natürlich kann auch ein Rückschlag kommen. Aber darum geht’s hier auch gar nicht. Der FC und sein Trainer Jan Gernlein haben sich getrennt und dann hat Sascha Dorsch einen Trainer gesucht, der kurzfristig aushilft. Mir geht es darum, zu helfen. Und wenn's nicht optimal läuft, dann ist es halt so. Ich habe beim FC Eintrach auch keinen Legenden-Status. Im Verein gab es so viele super-klasse Trainer, die mehr geleistet haben als ich.
Deine Aushilfe ist bis Sommer beschränkt: Was muss passieren, dass Du länger an der FC-Linie stehst?
Mein letzter Arbeitstag ist der 16.. Mai. Ich versuche, bis dahin alles für den FC zu geben und die Kaderplanung für die neue Saison zu unterstützen. Ein zusätzliches Team sucht schon einen neuen Trainer für die neue Saison.
Es ging ja alles brutal schnell. Nur drei Tage nach dem offiziellen Aus von Jan Gernlein warst Du schon zurück. Was ist in dieser kurzen Zeit passiert? Wie hat die Familie darauf reagiert?
So etwas Spontanes machst du nur, wenn dich handelnde Personen wie Sascha Dorsch fragen (lacht). Ich bin am Samstag angerufen worden, am Montag haben wir uns getroffen und am Dienstag habe ich das erste Training geleitet. Meine Frau hat mich natürlich sofort unterstützt. Und meinen Kids hat's sowieso gefallen, dass ich wieder kurzzeitig beim FC was mache.
Musstest Du Dich fachlich auf Dein Comeback vorbereiten?
Klar musste ich mich in der Trainingslehre einlesen und vor allem über die Mannschaften der Bayernliga erst wieder informieren. Ich war ja doch länger raus aus dem Fußball-Geschäft. Wenn ich was mache, mache ich es mit 100 Prozent. Deswegen musste ich schon ein bisschen was nachholen.
Eine Mannschaft in welchem Zustand hast Du von Jan Gernlein übernommen?
Ich hab eine menschlich klasse Mannschaft vorgefunden, die in einem top Fitnesszustand ist. Jan Gernlein hat hier über Jahre wirklich eine super Arbeit geleistet und die Mannschaft sehr gut zusammen gestellt. Es herrscht eine klasse Stimmung in der Mannschaft - und somit habe ich dann natürlich auch eine klasse Stimmung (lacht).
Zum Einstand gab es gleich einen 2:0-Sieg gegen Stadeln. "Hutzi-Style, Vollgas", kommentierte Dorsch Deinen Comeback-Erfolg. An welchen Stellschrauben musstest Du drehen, sodass dieser Dreier möglich wurde?
Ich glaube nicht, dass ich in der Kürze der Zeit viel dazu beigetragen habe. Da waren schon eher der gute Zustand der Mannschaft, die gute Einstellung und der unbändige Wille der Spieler entscheidend. Wir arbeiten gerade sehr viel im Training, sodass ich da der Mannschaft auch mit meinen Möglichkeiten helfen will, die Saison erfolgreich zu Ende zu spielen.
Wie ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit, einem Team seinen Stempel aufzudrücken?
Durch viel Arbeit im Training und dank Spielern, die Bock drauf haben, sich ein neues System zu erarbeiten. Wir werden sicher nicht den Fußball neu erfinden, sondern einfach versuchen, ein paar Stellschrauben zu drehen, damit das Ganze funktioniert.
Nun erst einmal spielfrei. Heißt: Du hast Zeit, mit der Mannschaft zu arbeiten. Auf was darf man sich dann noch freuen? Ist der Aufstieg in die Regionalliga noch drin?
Ich bin nicht da, um über den Aufstieg zu reden. Wir wollen schönen Fußball spielen, der mir und der Mannschaft Spaß macht. Wenn er dann auch noch erfolgreich ist, umso schöner. Wir trainieren diese Woche dreimal und haben am Mittwoch gegen die U19 von Fürth gespielt. Aber am Wochenende ist frei. Das hatte Jan den Spielern zugesagt - und dabei bleibt's! Was dann möglich ist in den letzten neun Spielen dieser Saison, werden wir sehen. Ich werde Vollgas geben und die Spieler dazu motivieren, den Weg mitzugehen.
Vielen Dank für das Gespräch - und viel Erfolg bis 16. März!