
Eine Achterbahn der Gefühle erlebten heute am letzten Spieltag der Bayernliga Nord wohl alle Fans und Verantwortlichen, die es mit den Mannschaften aus dem Tabellenkeller halten. Am Ende setzte sich der Würzburger FV durch, doch die Unterfranken mussten selbst nach ihrem eigenen Abpfiff noch zittern.
Doch der Reihe nach: Zunächst sah es für Würzburg gut aus. Ein Zuspiel von Luis Wagner verwertete Adrian Istrefi bereits nach wenigen Minuten zur Führung. Ein Sieg gegen Regensburg wäre ohnehin gleichbedeutend mit dem sicheren Klassenerhalt gewesen, doch es kam anders. Kurz vor der Pause glich Jahns Titus Knoche zum 1:1 aus. Zeitgleich führte Erlangen noch mit 2:1 gegen Bayern Hof dank der Tore von Ott und Müller. Die Konsequenz zu diesem Zeitpunkt: Erlangen hält die Klasse, Würzburg muss in die Relegation. Quasi mit dem Pausenpfiff änderte sich das schlagartig: Johann Saalfrank besorgte in Erlangen den Ausgleich für die SpVgg Bayern Hof. Der Vorteil lag wieder beim Würzburger FV.
Die Chance für Stadeln? Hätten Würzburg und Erlangen gepatzt und Stadeln zeitgleich in Gebenbach gewonnen, wäre der FSV gerettet. Gastgeber Gebenbach spielte jedoch nicht mit: Bereits nach 13 Minuten führte die DJK mit 2:0. Kurz vor Schluss machte Salah El Berd – nach seiner Einwechslung für Gebenbach-Legende Timo Kohler bei dessen letzten Tanz – sogar noch das 3:0.
Beim Würzburger FV entwickelte sich die Begegnung indes dramatisch: Die Unterfranken drückten, bekamen aber in der 68. Minute einen Elfmeter gegen sich, den SSV-Angreifer Kelvin Onuigwe verwandelte (68.). Nur wenige Augenblicke später wurde aber wieder in Würzburg gejubelt – allerdings über ein anderes Ergebnis: Max Hertel schoss Bayern Hof gegen Erlangen in Front. Alles sprach nun für Würzburg. Doch als die Unterfranken das 1:3 kassierten, schlug Erlangen im Fernduell durch Emil Rizai zurück: 3:3 in der 92. Minute! Würzburg zitterte aus der Ferne, der ATSV wollte den Lucky Punch, der gleichbedeutend mit dem direkten Klassenerhalt gewesen wäre, doch das entscheidende Siegtor fiel nicht mehr. Damit muss neben dem FC Coburg und dem FSV Stadeln auch der ATSV Erlangen in der Bayernliga-Relegation ran. Die ersten Stimmen der Bayernliga Nord zum Saisonfinale:
Lars Müller, Sportlicher Leiter des FC Coburg: „Das Ergebnis beschreibt das Spiel eigentlich ganz gut. Es hätte am Ende auch 4:6 ausgehen können. Für die Zuschauer war das noch mal ein geiler Abschluss der regulären Saison mit Höhepunkten auf beiden Seiten, mit vielen Torabschlüssen und richtig geilen Toren. Wir haben anfangs 2:0 geführt, kriegen dann aber noch in der ersten Halbzeit zwei dumme Gegentore, bei denen wir schlecht verteidigen. In der zweiten Halbzeit hat Neumarkt dann seine Klasse aufblitzen lassen – immer wieder mit schnellen Umschaltmomenten – und die Tore zum 3:2 und 4:2 nachgelegt.
Wie gesagt: Ein geiles Spiel für die Zuschauer, das muss man schon sagen. Glückwunsch an Neumarkt zu dem Sieg und auch zu der Saison, die sie gespielt haben. Für uns gilt es jetzt: Wir müssen uns strecken, damit wir die Relegation überstehen!“
Christian Bräunig, Trainer des Würzburger FV: "Wir haben heute alles rausgehauen. Wir wussten, dass uns ein Sieg reicht für die Klasse zu halten. Dementsprechend sind wir brutal gut gestartet. Wir kamen deutlich besser ins Spiel, führen 1:0 und haben ein Chancenplus, aber als Regensburg den Ausgleich und bei uns merkt man ein bisschen die Nervosität. Auch nach dem 1:2 haben wir alles reingeschmissen. Wir wollten das Spiel unbedingt drehen, aber haben den Ball nicht über die Linie bekommen. Der Keeper von Regensburg ist zudem über sich hinausgewachsen. Ich denke, wir waren auch über 90 Minuten die bessere Mannschaft. Regensburg hatte zwar mehr Ballbesitz aber wir das Chancenplus. Am Ende verlieren wir das Spiel. Aber: Nach den Ergebnissen auf den anderen Plätzen ist es aber eine süße Niederlage. Wir werden jetzt den Abend genießen!"
Manfred Dedaj, Trainer des FSV Stadeln: "Die zwei frühen Tore waren unnötig. In einem Spiel, in dem es um alles ging, darf uns das so nicht passieren. Da hat bei einigen Spielern etwas gefehlt, während andere direkt alles gegeben haben.
In der zweiten Halbzeit sind wir dann richtig gut zurückgekommen und haben Vollgas gegeben. Auch die drei Einwechslungen haben uns extrem geholfen. Wir verschießen dann einen Elfmeter und hatten noch andere gute Chancen, aber treffen nicht. Natürlich haben wir Konter zugelassen, aber unser Torwart und die Mannschaft haben das eigentlich gut verteidigt.
Im Großen und Ganzen haben wir es heute leider nicht direkt geschafft und müssen in die Relegation. Aber wir wissen, was die Relegation bedeutet: Wir sind noch nicht abgestiegen! Es geht jetzt um alles oder nichts. Wir werden uns jetzt vorbereiten und noch einmal absolut alles daran setzen, dass wir die Klasse halten. Das ist ganz klar. Schauen wir, was rauskommt!"
Arber Morina von Fortuna Regensburg: „Ein versöhnliches Ende der Saison. Am Ende ein verdienter Sieg im Derby. Mit dem achten Platz im Endklassement können wir leben – auch wenn wir uns von der eigenen Saison mehr erhofft hatten. Durch diesen kleinen Schritt zurück es gilt es sich wieder bewusst zu machen, auf was es ankommt. Mit diesem Sieg konnten wir die Ikonen Lindi Morina, Phil Bockes und Hans Meichel gebührend verabschieden. Nach so vielen Jahren tut der Abschied auch mir weh. Das Leben ist leider so.“
Michael Riester, Trainer der SpVgg Weiden: "Eine berauschende und wirklich klasse Saison geht zu Ende. Zwar heute nicht mit dem erwartenden Ende , aber in der Gesamtbetrachtung sind wir sehr glücklich. Zum heutigen Spiel waren wir leider nicht bereit und haben zu viele Fehler gemacht die die Fortuna gnadenlos ausgenutzt hat. Erfreulich das wir trotzdem noch in der zweiten Halbzeit eine Reaktion gezeigt haben und uns mit zahlreichen Chancen hätten noch belohnen können."