
Die Gelbe Karte Plus stiftet immer wieder mal Verwirrung im Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV). Und das aus guten Gründen: Diese Zeitstrafe, die inzwischen ausschließlich für Disziplinlosigkeiten auf dem Platz verhängt wird, ist ziemlich einzigartig im deutschen Fußball. Zuschauern, vielleicht nicht allen, fehlt die Regelkunde, um zu verstehen, warum der Schiedsrichter sie geben musste – erst recht, wo es für schwere Fouls bei Erstvergehen zunächst „nur“ die Gelbe Karte gibt und der verwarnte Spieler weiter mitwirken kann.
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Diese Paradoxität erschließt sich nicht allen. Zudem haben auch nicht alle Schiedsrichter die Besonderheit der Gelben-Karte-plus verinnerlicht. Gerade in grenznahen Gebieten, wo es unter den Verbänden einen Austausch von Referees gibt, kam es in der Vergangenheit schon zu Fehlentscheidungen, die zu Spielwiederholungen führten. Menschlich nachzuvollziehen: ein hessischer Unparteiischer, der diese Regel nicht regelmäßig praktiziert, kann im Eifer des Gefechts auch mal einen Regelverstoß begehen.
Ganz abgesehen davon, dass die Gelbe-Karte-plus-Regel (Zeitstrafe) auch nur für Spiele des SWFV gilt, also von der Verbandsliga abwärts und im Verbandspokal, ab der Oberliga aufwärts existiert diese Regel nicht. Diese mangelnde Stringenz des Regelwerks wird hier und da seitens Funktionären und Trainern beklagt. Oft verbunden mit dem Ruf – etwa bei der Landesliga-Besprechung in Fußgönheim – die Gelbe-Karte-plus endlich auch im SWFV abzuschaffen.
Seit bald zwei Jahren gilt die Regelung im SWFV. An der Verbandsspitze, bestätigt Präsident Thomas Bergmann bei einem Pressegespräch in Edenkoben, habe man das Knirschen vernommen, das mit der Einführung der Gelben Karte plus verbunden war. Inzwischen aber sei „es ruhiger geworden“, erklärt der Alzeyer. Die Dinge spielten sich offenbar ein. Handlungsbedarf sieht er keinen.
An der Regel ändern könnte Bergmann ohnehin nichts. Selbst dann nicht, wenn er oder das Präsidium das wollten. Sie wurde im Juni 2024 vom Verbandstag von den Vereinen so beschlossen. Und außer Kraft setzen könnte sie nur der nächste Verbandstag, der erst 2028 tagt. Das aber ist an der Basis vielerorts unbekannt. Was wiederum fälschlicherweise Unmut auf das Führungspersonal des SWFV projiziert, dem Kritiker der Gelbe-Karte-plus in dieser Angelegenheit Ignoranz vorwerfen.
Damit müsse man leben, findet Bergmann. Er sehe keine Notwendigkeit dafür, in großem Stil Aufklärung zu betreiben, wie die Gegner der Gelben-Karte-plus die Regel kippen können. Dass sie verfahrenstechnisch den Anstoß dafür beim Kreistag im Vorfeld des Verbandstags geben können – oder müssen, wenn sie den Zeitstrafen-Passus aus der Spielordnung gestrichen sehen möchten.
Fehlt ein solcher Antrag oder wird er von der Mehrheit der Vereine abgelehnt, wird die Gelbe-Karte-plus wahrscheinlich für weitere vier Jahre beibehalten. Denn – Stand heute – gibt es augenscheinlich seitens des ebenfalls antragsberechtigten Präsidiums kein Interesse, am Status quo etwas zu ändern.
In der Tat gibt es nicht nur Gegner der Regelung, sondern auch Sympathisanten. Die argumentieren, wie SWFV-Geschäftsführer Michael Monath erläutert, ebenfalls überzeugend: Ballwegschlagen, unsportliches Protestieren, Vortäuschen von Fouls „sind Sachen, die keiner auf dem Fußballplatz sehen möchte“. Und eben das wird mit der Gelben Karte plus geahndet.