
Vor 25 Jahren gewann Unterhaching sensationell den DFB-Hallencup. Der Titel wurde nie wieder vergeben. Fünf Monate später folgte der Abstieg.
Die größten Erfolge der SpVgg Unterhaching? Klar, 1999 der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga und 2000 der Klassenerhalt. Aber da fehlt noch ein ganz großer Triumph, ja sogar ein „Titel für die Ewigkeit“ – errungen am 14. Januar 2001, heute vor 25 Jahren.
Es ist eine Frage, die sogar Fußball-Experten regelmäßig ratlos macht – und meist ein ungläubiges Staunen hervorruft. Dabei scheint sie auf den ersten Blick ganz einfach zu beantworten zu sein: Wer ist amtierender Deutscher Hallenfußball-Meister? „Die Bayern wahrscheinlich“, lautet meist die Antwort – „oder doch Borussia Dortmund?“ Beides falsch! Der FC Bayern, deutscher Rekordmeister auf dem Rasen (34 Titel), belegte als bestes Ergebnis 1997 beim DFB-Hallenmasters Rang zwei (1:3-Final-Niederlage gegen Kaiserslautern). Und Rekordsieger Dortmund holte seine vier Turniersiege 1990, 1991, 1992 und 1999.
Und wer ist jetzt amtierender Meister? Kaum zu glauben, aber wahr: Es ist die SpVgg Unterhaching, die, damals noch als Bundesligist, am 14. Januar 2001 sensationell das Turnier in der Dortmunder Westfalenhalle gewann und sich damit den ersten (und einzigen) nationalen Titel sicherte. Den hat der Regionalligist heute noch – denn der DFB-Hallencup, die offizielle deutsche Meisterschaft, wurde vor 25 Jahren zum letzten Mal durchgeführt. So blieb den Rot-Blauen dieser Titel seit nunmehr 25 Jahren. Und wohl für immer.
Es war ein Wochenende, an dem der bayerische Underdog den Großen aus dem deutschen Oberhaus, und da sogar den Bayern, das Fürchten lehrte. „Da waren wir richtig gut drauf“, erinnert sich Stürmer Altin Rraklli, der mit drei Treffern auch auf dem Hallen-Parkett seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellte. Mit einem Tor mehr wurde André Breitenreiter erfolgreichster Schütze der Hachinger, deren Trainer das Turnier mit dick bandagiertem, rechten Knöchel verfolgte.
Lorenz Köstner war beim morgendlichen Waldlauf mit der Mannschaft auf die Stoppuhr getreten, die ihm aus der Hand gefallen war, und umgeknickt. Dabei zog sich der Fußball-Lehrer einen Bänderriss zu – und wurde zum Gesprächsthema Nummer zwei in der Dortmunder Halle. Thema Nummer eins war natürlich das engagierte Auftreten seiner Mannschaft, die ungeschlagen durch den Hallencup marschierte. Platz eins am Samstag in der Vorrunde nach dem 3:1 gegen den VfL Bochum (Tore: Djoni Novak, Alex Strehmel und Rraklli) und dem 3:2 gegen die Bayern (Tore: Miro Spizak, Alex Bugera und Fonsi Garcia) – Viertelfinale geschafft!
Da ging’s tags darauf vor 10 000 Zuschauern gegen Mainz 05, das Breitenreiter beim 2:1 mit zwei Toren im Alleingang bezwang. Auch beim 5:2 im Halbfinale gegen Energie Cottbus traf „Breite“ doppelt, dazu trugen sich Marin Cizek, Oli Straube und Rraklli in die Torschützenliste ein – Haching stand im Endspiel.
Da hieß der Gegner Werder Bremen, der Sieger von 1989. Werder-Legende Ailton brachte die Hanseaten in Führung, Haching-Legende Garcia glich zum 1:1-Endstand aus. Ein Neunmeterschießen musste entscheiden. Erst trafen Breitenreiter, erneut Garcia, Bugera und Straube. Im fünften Durchgang scheiterte erst Torsten Frings an SpVgg-Keeper Gerhard Tremmel, dann traf Rraklli – und damit sicherte der albanische Nationalspieler der SpVgg am Tag vor der Abreise ins Trainingslager in La Manga (Spanien) den Titel DFB-Hallenpokalsieger. „Das gibt Selbstvertrauen für draußen“, freute sich Vierfach-Torschütze Breitenreiter.
Aber: Dem ersten deutschen Meistertitel folgte nur fünf Monate später, im Mai 2001, der Abstieg der „Hallenkönige“ in die 2. Liga.