
Das Waldstadion in Wegberg-Beeck gleicht im Jahr 2026 einer Festung – erst zwei Gegentore ließen die Hausherren in diesem Kalenderjahr auf eigenem Grün zu. Doch am Sonntag rückt eine Truppe an, die gerade erst den Tabellenführer mit 4:1 demontiert hat: der SSV Merten. Was nach einem Spitzenspiel klingt, ist jedoch auch ein Duell der personellen Sorgenfalten. Während Wegberg-Beeck seit Wochen mit einem „Mini-Kader“ jongliert, muss Merten nach dem Coup gegen Gladbach gleich mehrere Säulen ersetzen.
Beim FC Wegberg-Beeck gibt es keine zwei Meinungen: Die weiße Weste zu Hause soll bleiben. Trotz der unglücklichen 0:1-Niederlage in Hennef strotzt das Team von Mark Zeh vor allem im eigenen Waldstadion vor Selbstvertrauen. Die Bilanz im Jahr 2026 ist makellos – jeder Gast reiste bisher ohne Punkte ab. Dass nun Merten kommt, wertet Zeh als ultimative Reifeprüfung für seine Mannschaft, die Woche für Woche am Limit agiert.
„Auf uns wartet mit Merten die für mich körperlich stärkste Mannschaft der Mittelrheinliga auf uns. Der Kader ist gespickt mit erfahrenen Akteuren und gehört definitiv zu den Top-3 der Liga. Allein was die Breite und Größe des Kaders angeht, trennen uns momentan Welten: Wir arbeiten seit Wochen mit einem Mini-Kader von regelmäßig nur 14 Feldspielern. Die Jungs machen das zwar sehr gut, aber am Sonntag sind wir auch deshalb der klare Außenseiter. Dennoch wollen wir unsere Heimserie weiter ausbauen und die letzten Wochen der Saison erfolgreich abschließen“, ordnet Zeh die Favoritenrolle trotz der Heimstärke dem Gegner zu.
Beim SSV Merten herrschte nach dem furiosen 4:1 gegen Bergisch Gladbach eigentlich kollektive Ekstase. Doch der Kater folgte auf dem Fuße: Für das „Sechs-Punkte-Spiel“ um die Top-Platzierungen bricht Trainer Bünyamin Kilic das defensive Herzstück weg. Eliot Albert und Jerome Propheter fehlen gesperrt, dazu kommen Verletzungen und Abwesenheiten durch Kleinfeldturniere. Kilic stellt sich deshalb auf eine völlig andere Partie als gegen den Spitzenreiter ein – weg vom Glanz, hin zu alten Tugenden.
„Das war ein verdienter Sieg gegen Gladbach, vor allem, weil wir nahezu alle Mann an Bord hatten. Jetzt folgt allerdings das große ‚Aber‘. Personell müssen wir ordentlich Federn lassen: Eliot Albert und Jerome Propheter fehlen beide gelbgesperrt. Bilal El-Morabiti steht wegen eines Kleinfeldturniers nicht zur Verfügung, und der Ausfall von Farid Bacevac tut uns ganz besonders weh. Damit gehen wir mit einem klaren Engpass in die Partie, denn diese Spieler sind eigentlich nicht eins zu eins zu ersetzen", blickt Bünyamin Kilic mit Sorgen auf das Personal-Puzzle.
Doch gegen Beeck erwartet der 39-Jährige ohnehin eine ganz andere Partie: "Auswärts auf Rasen, ein tiefer Boden und viel Regen – das wird ein echtes Kampfspiel. Dennoch haben wir sehr gute Leute in der Hinterhand. Wir fahren dorthin, um auch dieses Spiel zu gewinnen.“
In der Hinrunde behielt Wegberg-Beeck mit 2:1 die Oberhand. Da Merten seit sieben Spielen ungeschlagen ist und Beeck im eigenen Stadion eine Mauer hochgezogen hat, dürfte die Entscheidung am Sonntag knapp ausfallen. Wer kompensiert die fehlenden Kräfte auf dem tiefen Boden besser?