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Interview

Fels in der Brandung (7): Benjamin Baier ist »keine One-Man-Show«

In unserer FuPa-Serie rücken die unangefochtenen Leitwölfe der Regionalliga Bayern in den Fokus – Kapitäne, die mit ihrer Erfahrung, Vereinstreue und Charakterstärke das sportliche Fundament ihrer Clubs bilden

von Stephan Hörhammer · 30.01.2026, 18:00 Uhr · 0 Leser
Benjamin Baier musste zuletzt immer wieder kleinere Rückschläge wie einen Muskelfaserriss oder Sperren wegstecken, blieb aber als Leitwolf (auch von der Seitenlinie aus) präsent.
Benjamin Baier musste zuletzt immer wieder kleinere Rückschläge wie einen Muskelfaserriss oder Sperren wegstecken, blieb aber als Leitwolf (auch von der Seitenlinie aus) präsent. – Foto: Julien Christ / sportfotografi

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Als gebürtiger Aschaffenburger, der seine fußballerische Ausbildung am Schönbusch begann, kehrte Benjamin „Benni“ Baier 2019 nach erfolgreichen Stationen im Profifußball – unter anderem bei Kickers Offenbach, RB Leipzig, dem SV Darmstadt 98 und als langjähriger Spielführer von Rot-Weiss Essen – zu seinen Wurzeln zurück. Seit der Saison 2024/25 trägt der erfahrene Mittelfeldstratege nun auch offiziell die Kapitänsbinde der Viktoria - und führt die Mannschaft als absoluter Leitwolf durch aktuell turbulente Zeiten in der Regionalliga Bayern.

Seine Bedeutung für das Team geht dabei über die rein sportliche Leistung hinaus. Mit der Erfahrung aus über 500 Pflichtspielen, darunter Einsätze in der 2. Bundesliga und der 3. Liga, ist der 37-Jährige der unangefochtene Strippenzieher im Zentrum. Baier ist dabei nicht nur als Taktgeber auf dem Platz unverzichtbar, sondern übernimmt als spielender Co-Trainer auch zunehmend Verantwortung in der sportlichen Leitung.

Trotz kleinerer verletzungsbedingter Rückschläge in der aktuellen Spielzeit bleibt er die zentrale Aschaffenburger Identifikationsfigur, die vorangeht, wenn es brenzlig wird. Für die jungen Talente im Kader dient er als Vorbild an Bodenständigkeit und Vereinstreue – ein echter Anführer, der am Schönbusch zu Hause ist und die Werte der Viktoria mit jeder Faser vorlebt.

"Vorangehen, wenn es schlecht läuft"

Benjamin: Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf? Was läuft gut, was weniger gut?

Ich bin natürlich nicht zufrieden mit dem aktuellen Saisonverlauf. Das sieht man ja auch an der Tabellensituation. Wir müssen uns nach der Winterpause gewaltig steigern, um unser Ziel vom Klassenerhalt zu erreichen.

Vorbild durch Leistung, kommunikativer Moderator, emotionaler Antreiber: Für welche Art von Führungsstil hast Du Dich entschieden?

Es sollte ein gesunder Mix sein. Und natürlich muss als erstes die Leistung stimmen. Doch ich bin auch ein emotionaler Spieler - und dann kommt eben auch das Emotionale zum Vorschein. Ich versuche alles zu verkörpern.

Welche spezifische Aufgabe siehst Du als Kapitän auf dem Platz und in der Kabine als Deine wichtigste an, um die Team-Moral und -Einheit zu gewährleisten und aufrecht zu erhalten?

In erster Linie bin ich Ansprechpartner für alle Spieler. Und besonders dann, wenn es schlecht läuft, muss man auf dem Platz als Kapitän vorangehen.

"Dinge klar, offen und kritisch ansprechen"

Wie gehst Du als Kapitän mit Spielern um, die im Kader eher eine Nebenrolle spielen oder unzufrieden sind, um deren Engagement für die Mannschaft aufrechtzuerhalten?

Ganz einfach: mit den betreffenden Spielern sprechen, ihnen Tipps geben, für sie als Ansprechpartner bereitstehen.

Welchen Wert legst Du auf die Erfahrung älterer Spieler im Kader? Und wie bindest Du diese in Deine Führungsarbeit als Kapitän ein?

Da ich mit mittlerweile mit Abstand der älteste Spieler bin, kann ich nicht auf die Erfahrung von noch älteren Teamkameraden zurückgreifen. Aber man bespricht sich natürlich mit den erfahrenen Mannschaftskollegen, genauso aber auch mit den jüngeren. Man ist als Kapitän ja keine One-Man-Show, sondern versucht gemeinsam ans Ziel zu kommen.

Der Fußball liegt ihm im Blut. Sein Vater Jürgen Baier ist eine Trainer-Legende in der Region, sein Bruder Daniel Baier war langjähriger Bundesliga-Kapitän beim FC Augsburg.
Der Fußball liegt ihm im Blut. Sein Vater Jürgen Baier ist eine Trainer-Legende in der Region, sein Bruder Daniel Baier war langjähriger Bundesliga-Kapitän beim FC Augsburg. – Foto: Julien Christ/Scheuring

Wenn es darum geht, die Mannschaft nach einem Rückschlag (z. B. eine klare Niederlage oder eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung) wieder aufzurichten: Welche Mittel nutzt Du? Welche sind Deiner Meinung nach am effektivsten?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten. Je nachdem, wie hoch eine hohe Niederlage ausfällt, bespricht man die ein oder anderen Themen mal lauter, mal weniger laut. Es gilt, die Dinge klar, offen und kritisch anzusprechen - und gleichzeitig versucht man auch, wieder nach vorne zu schauen und einen Ausblick zu geben, um die Laune wieder ins Positive zu rücken.

"Hoffentlich überm rettenden Strich..."

Was möchtest Du als Kapitän am Ende Deiner Amtszeit hinterlassen? Welches „Erbe“ ist Dir wichtig?

Ich möchte ein guter Kapitän sein, bei dem jeder weiß, dass er mit seinen Problemen und Anliegen auf ihn zukommen kann.

Abschließend: Wo steht Deine Mannschaft am Ende dieser Regionalliga-Saison?

Hoffentlich überm rettenden Strich - und nächste Saison weiterhin in der Regionalliga.

Wir drücken die Daumen, dass der Viktoria dieses Vorhaben gelingt. Danke fürs Interview!