2025-12-17T10:26:01.779Z

Interview
Nach Stationen beim VfB Stuttgart II, dem VfR Garching und dem Regionalliga-Rivalen Wacker Burghausen hat Philipp Walter in Buchbach seine sportliche Heimat gefunden.
Nach Stationen beim VfB Stuttgart II, dem VfR Garching und dem Regionalliga-Rivalen Wacker Burghausen hat Philipp Walter in Buchbach seine sportliche Heimat gefunden. – Foto: Jenni Maul

Fels in der Brandung (1): Philipp Walter, der Mann ohne Ausreden

In unserer neuen FuPa-Interview-Reihe nehmen wir die Spielführer der Regionalliga Bayern einmal etwas genauer unter die Lupe

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Sie sind das Sprachrohr auf dem Platz, der verlängerte Arm des Trainers - und diejenigen, die vorangehen, wenn es wehtut: die Kapitäne der Regionalliga Bayern. Doch: Was macht einen echten Anführer zwischen Aschaffenburg und Burghausen eigentlich aus?

In unserer neuen FuPa-Spielführerserie "Fels in der Brandung" werfen wir einen kleinen Blick hinter die Kulissen und stellen euch die Männer mit der Armbinde vor. Wir sprechen mit ihnen über Verantwortung, Kommunikation auf und neben dem Platz, Team-Moral und die Frage, wie man eine Mannschaft durch die härteste Amateurliga Deutschlands führt. Den Anfang macht Philipp Walter, Kapitän des TSV Buchbach.

Seit seinem Wechsel im September 2022 hat sich der 29-jährige Innenverteidiger nicht nur sportlich unentbehrlich gemacht, er ist zum Gesicht der Defensive beim bayerischen „Dorf-Regionalligisten“ gereift. Dass sein Herz „Rot-Weiß“ schlägt, bewies Walter nicht zuletzt durch seine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2026 – ein klares Statement für die Kontinuität innerhalb des Vereins.

Trotz eines Rückschlags im August 2025, als ihn ein Innenbandriss im Knie vorübergehend zum Zuschauen verdammte, blieb sein Einfluss auf die Mannschaft ungebrochen. Philipp Walter, der seine fußballerische Ausbildung in den Nachwuchsleistungszentren des TSV 1860 München und des FC Bayern München genoss, ist kein Lautsprecher, der nur durch Worte führt - er überzeugt beim oberbayerischen "Kult-Klub" vor allem durch seine Präsenz und Zweikampfstärke.

"Müssen wieder konstanter werden"

Philipp: Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf? Was läuft gut, was weniger gut?

Der Saisonverlauf war, was unsere Leistungen betrifft, schwankend - wir hatten gute und schlechte Phasen. Allerdings wissen wir, dass es an uns lag, wenn es nicht so lief, wie geplant. Ich denke, dass jeder in der Mannschaft anhand der guten Spiele merkt, was möglich ist. Wir müssen allerdings wieder konstanter werden und darauf achten, wieder weniger Gegentore zuzulassen.

Vorbild durch Leistung, kommunikativer Moderator, emotionaler Antreiber: Für welche Art von Führungsstil hast Du Dich entschieden?

Insbesondere 'Vorbild durch Leistung' ist bisher immer mein Ansatz gewesen. Wenn die Führungsspieler gewisse Tugenden an den Tag legen und jedes Training Vollgas geben, bildet das die Basis, um im nächsten Schritt den Jungs Hilfestellungen geben zu können und auch ein offenes Ohr zu bekommen.

Welche spezifische Aufgabe siehst Du als Kapitän auf dem Platz und in der Kabine als Deine wichtigste an, um die Team-Moral und -Einheit zu gewährleisten sowie aufrecht zu erhalten?

Jeder soll ein gutes Gefühl bekommen, damit er seine Bestleistung abrufen kann. Das können auf und neben dem Platz aufmunternde Worte sein. Ansonsten sollte man ein gewisses Gespür dafür haben, welche Themen in der Mannschaft gerade aktuell bzw. akut sind. Dafür haben wir aber nicht nur mich, sondern auch andere Spieler, die das top einschätzen können.

"... kann auch mal ein ernstes Wort sein"

Wie gehst Du als Kapitän mit denjenigen Teammitgliedern um, die im Kader eher eine Nebenrolle spielen oder unzufrieden sind, um deren Engagement für die Mannschaft aufrechtzuerhalten?

Man muss erstmal verstehen, was genau den Einzelnen beschäftigt - und wissen, dass jeder eine andere Ansprache braucht. Das muss dann aber nicht immer tröstend vonstatten gehen, sondern kann auch mal ein ernstes Wort sein, da die Unzufriedenheit nicht immer berechtigt sein muss. Den Eigenantrieb kann man dabei nur unterstützen - am Ende muss aber jeder selbst den Willen haben, etwas an der Situation zu verändern. Sobald dies sichtbar ist, kommen die Erfolgserlebnisse früher oder später wie von selbst - und der Einzelne sowie die gesamte Mannschaft profitiert.

Der 1,88 Meter große Abwehrhüne ist auch abseits des Platzes ein echter Fußballfachmann. Als  Mitarbeiter des Fachbereichs Spiel- & Taktikanalyse, Scouting und Kaderplanung beim Internationalen Fußball-Institut (IFI) in Ismaning bringt Sportwissenschaftsstudent Philipp Walter (links) ein tiefes Verständnis für Spielprozesse mit, was ihm in seiner Rolle als Kapitän zugutekommt.
Der 1,88 Meter große Abwehrhüne ist auch abseits des Platzes ein echter Fußballfachmann. Als Mitarbeiter des Fachbereichs Spiel- & Taktikanalyse, Scouting und Kaderplanung beim Internationalen Fußball-Institut (IFI) in Ismaning bringt Sportwissenschaftsstudent Philipp Walter (links) ein tiefes Verständnis für Spielprozesse mit, was ihm in seiner Rolle als Kapitän zugutekommt. – Foto: Dieter Metzler

Welchen Wert legst Du auf die Erfahrung älterer Spieler im Kader? Und wie bindest Du diese in Deine Führungsarbeit als Kapitän ein?

Wir haben einen Kreis von erfahrenen Spielern, die so gut wie immer in alle Themen eingeweiht werden, die aber auch von selbst Verantwortung übernehmen und Punkte angehen, sobald ihnen etwas auffällt. Ich selbst kann nur von den Jungs profitieren: einerseits, weil sie selbst schon viel gesehen haben - und andererseits, weil andere Perspektiven immer wertvoll sind und ich davon auch lerne.

"... dass ich immer alles gegeben habe"

Wenn es darum geht, die Mannschaft nach einem Rückschlag (z. B. eine klare Niederlage oder eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung) wieder aufzurichten: Welche Mittel nutzt Du? Welche sind Deiner Meinung nach am effektivsten?

Rückschläge sollten im besten Falle nicht viel Platz einnehmen. Wir arbeiten die ersten ein bis zwei Tage die jeweiligen Spiele für uns selbst oder in gemeinsamen Sitzungen auf. Eigentlich sollte aber ab der darauf folgenden Trainingseinheit schon wieder voller Fokus auf der nächsten Partie liegen. Da gilt es dann, wieder Intensität in die Einheiten zu bekommen - und nicht die miese Stimmung vom Wochenende durch die neue Woche hindurch zu ziehen.

Was möchtest Du als Kapitän am Ende Deiner Amtszeit hinterlassen? Welches „Erbe“ ist Dir wichtig?

'Erbe' ist ein großes Wort, das ich nicht im Fokus habe. Wenn es einmal so weit ist, wäre mir nur wichtig, dass jeder in der Mannschaft das Gefühl hat, dass ich immer alles gegeben habe; dass es keine Ausreden gab, sondern dass wir einfach gemeinsam angepackt haben.

Abschließend: Wo steht Deine Mannschaft am Ende dieser Regionalliga-Saison?

Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz.

Dafür wünschen wir Dir und den Buchbachern alles Gute. Danke fürs Interview!

Aufrufe: 06.1.2026, 12:30 Uhr
Stephan HörhammerAutor