2026-05-15T09:36:57.455Z

Allgemeines

Fall Amiri wird neu verhandelt - zwei Jahre Sperre drohen

Mutmaßlicher Schlag des Mechtersheimer Trainers kommt vor die Spruchkammer +++ Urteil aus erster Instanz aufgehoben

von Torben Schröder · 12.11.2025, 13:59 Uhr · 0 Leser
Nauwid Amiri droht eine deutlich längere Sperre.
Nauwid Amiri droht eine deutlich längere Sperre. – Foto: Foto: Dirigo (Archiv)

Der Fall Nauwid Amiri wird neu aufgerollt. Zwar hatten der Verbandsliga-Spitzenreiter TuS Mechtersheim und auch Trainer Amiri die Sperre bis zum 16. Dezember akzeptiert. Das gilt jedoch nicht für den Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) selbst. Der Verbandsrechtsbeauftragte ist in Berufung gegangen. Der Grund ist offenbar das als zu gering eingeschätzte Strafmaß.

Der Fall Nauwid Amiri wird neu aufgerollt. Zwar hatten der Spitzenreiter der Fußball-Verbandsliga, TuS Mechtersheim, und auch Trainer Amiri die Sperre bis zum 16. Dezember akzeptiert. Das gilt jedoch nicht für den Südwestdeutschen Fußball-Verband (SWFV) selbst. Der Verbandsrechtsbeauftragte ist in Berufung gegangen, wie der Verbandsspielausschuss-Vorsitzende Klaus Karl auf Anfrage mitteilt.

„Wahrscheinlich wurde mit einem höheren Strafmaß gerechnet“, sagt Karl, „aber das kann ein Einzelrichter nicht aussprechen.“ Dieser hatte in erster Instanz entschieden – und ist an ein Strafmaß von maximal sechs Wochen gebunden. Einzelrichter ist laut Verbandsstatuten bei Pflichtspielen der Staffelleiter, also im Falle der Verbandsliga Volker Schwinn.

Grundlage waren ein Video sowie Stellungnahmen beider Seiten und auch einer neutralen Stimme. Das Video zeigt, wie Amiri und Julian Malburg, Spieler von Arminia Ludwigshafen, nach dem Tor zum Mechtersheimer 4:2 unmittelbar vor Ende des Pokalspiels beider Teams aneinander geraten. Malburg wirft dem TuS-Trainer einen Schlag vor. Amiri bestreitet dies, räumt aber einen geringfügigeren Kontakt zwischen Hand und Gesicht ein (wir berichteten).

Video soll Beweis liefern

Dieser Kontakt wird vom Verband offenbar auch in Verbindung mit einem Geräusch, das im Video enthalten ist, beurteilt. Die TuS äußert den Verdacht, die Tonspur des Videos sei manipuliert. Nicht Teil der Urteilsfindung waren Stellungnahmen der Unparteiischen, die laut Karl nichts gesehen haben. „Aufgrund des Videos mussten wir tätig werden“, sagt Karl. Es habe auch Überlegungen gegeben, direkt die Spruchkammer mit der Urteilsfindung zu befassen. Dort, findet Timo Hammer seitens des Verbandsgerichts, hätte es eigentlich von Anfang an hingehört.

In der SWFV-Strafordnung sind Strafen bei Tätlichkeiten durch Trainer nicht klar geregelt. Spieler können, wenn sie andere Spieler schlagen, bis zu zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen werden, „wobei auch Antrag auf Ausschluss aus dem Verband gestellt werden kann“. Gegen Trainer sehen die Statuten Strafen wegen unsportlichen Verhaltens vor, mit Sperren von ebenfalls bis zu zwei Jahren. Hierbei gilt laut Karl: „Das Strafmaß ist in diesem Korridor nach oben offen.“

Einspruch auch von TuS

Aufgehoben hat das erste Urteil das Verbandsgericht des SWFV. „Da wir hinter unserem Trainer stehen, haben wir gegen das Urteil in erster Instanz ebenfalls Einspruch eingelegt“, sagt Heiko Magin, Sportlicher Leiter der TuS. Das hat auch strategische Gründe, um einem Urteil der Spruchkammer in zweiter Instanz nicht machtlos ausgeliefert zu sein. Ob es zu einem erneuten Urteil auf Basis schriftlicher Stellungnahmen (und des Videos) kommt, ist offen. Wahrscheinlicher erscheint eine Verhandlung mit geladenen Zeugen.

Formal ist auch die sechswöchige Sperre Amiris fürs Erste aufgehoben, wobei die Spruchkammer eine Vorsperre verhängen kann. Davon geht Magin aus. Sonst stehe Amiri beim nächsten Punktspiel wieder an der Seitenlinie. Der TuS bleibt einstweilen nichts anderes übrig, als täglich ins Postfach zu schauen. Alles an Stellungnahmen, was zu dem Urteil in erster Instanz führte, liegt nun der Spruchkammer vor.

Das Urteil hatte reichlich Diskussionen ausgelöst. Für einen Schlag scheint es niedrig, lässt sich kein Vergehen nachweisen, kann eigentlich auch keine Sperre erfolgen. In jedem Fall droht Amiri nun eine wesentlich längere Zwangspause. „Das Verfahren ist komplett genullt“, sagt Hammer.