
Was für eine Szene: Mitten im entscheidenden Elfmeter fällt das Licht aus und die Partie muss abgebrochen werden. Nun gibt es eine Entscheidung.
München – Elfmeterschießen gehören zu den spannendsten Momenten im Fußball: Ein Fehlschuss, eine Parade, ein Treffer kann über Freud und Leid entscheiden. Doch was passiert, wenn mitten in dieser alles entscheidenden Phase plötzlich das Licht ausgeht? Eine kuriose Szene aus einem Münchener Pokalspiel sorgt derzeit in den sozialen Medien für Diskussionen. Sie schaffte es in eine Kultsendung des WDR/ARD.
Denn: „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ wurde auf das Video unserer Redaktion aufmerksam. Der Clip landete in der aktuellen Folge der Sendung. In der Fernsehshow kommentiert Arnd Zeigler seit Jahren die Geschehnisse im Profi-Fußball. Aber eben auch Geschichten aus unteren Ligen, Geschichten „vom Bolzplatz um die Ecke“. So auch den Spielabbruch der Partie Rot-Weiss Oberföhring und dem SV Zamdorf, Toto-Pokalspiel im Kreis München.
Doch was war passiert? Im Video ist ein RWO-Spieler zu sehen, der sich in aller Seelenruhe den Ball zurechtlegt. Er geht ein paar Schritte zurück, atmet einmal tief durch, läuft los und knallt den Ball in Richtung Tor. Doch genau in dem Moment, in dem der Ball den Fuß des Spielers verlässt, geht das Flutlicht aus und es wird stockduster. Eine Sekunde früher und der Spieler wäre noch im Anlauf gewesen. Eine Sekunde später und der Ball wäre im Tor gewesen.
Die Zeitschaltuhr der Flutlichtanlage machte dem Elfmeterschießen einen Strich durch die Rechnung. Wie auf städtischen Anlagen üblich, wird das Flutlicht automatisch um 22 Uhr abgeschaltet. Der Schiedsrichter musste die Partie abbrechen. Beide Vereine tappten daraufhin lange im Dunkeln. Doch jetzt gibt es eine finale Entscheidung. Und hier wird es erneut kurios.
Ursprünglich hatte der Bayerische Fußball-Verband (BFV) das nicht zu Ende gespielte Match für den SV Zamdorf gewertet, wodurch dieser in die nächste Pokalrunde eingezogen wäre und dort auf den TSV Ebersberg getroffen hätte. Denn das Sportgericht hatte entschieden, dass der Spielabbruch von RW Oberföhring verursacht wurde. Das Spiel hätte aufgrund der Flutlicht-Thematik früher angesetzt werden sollen, als auf 20:00 Uhr.
RWO legte daraufhin Berufung gegen diese Entscheidung ein. Zamdorf unterstützte sie, da sich beide Vereine gemeinsam „im Vorhinein auf 20:00 Uhr geeinigt hatten“, wie Maximilian Krüger, Trainer des SV Zamdorf, auf Nachfrage von Fussball Vorort/FuPa Oberbayern verriet. Der Einspruch erhielt durch das Berufungsurteil des BFV Recht. Nach Verbandsangaben sollte die Partie neu angesetzt werden. Doch auch hier gibt es nun eine weitere Wendung.
Denn: Der SV Zamdorf verzichtet auf das Wiederholungsspiel, sodass Oberföhring automatisch in die nächste Runde einzieht. „Aufgrund der Fair-Play-Aktion von RWO während des Elfmeterschießens haben wir entschieden, RWO in die nächste Runde einziehen zu lassen“, erklärt Zamdorf-Trainer Krüger die Entscheidung. „Denn wir sind der Meinung, dass Fair-Play belohnt werden sollte – auch in einem Derby“.
Zur Erklärung: Der Schiedsrichter hatte das Elfmeterschießen fälschlicherweise verfrüht abgepfiffen. Der Unparteiische hatte einen „Elfmeter von Zamdorf, der drinnen war, als verschossen gewertet, weil ein Loch im Netz war“, erzählte RWO-Trainer Christian Brummer. Nach Protesten der Gäste und minutenlangen Diskussionen musste der letzte noch fehlende Elfmeter des RWO ausgeführt werden. Und das Schicksal nahm seinen Lauf. (mg)