"Energie Cottbus ist ein typischer Traditionsverein mit einer enormen Wucht - auf beide Seiten", sagt Fabian Adelmann über seinen derzeitigen Arbeitgeber.
"Energie Cottbus ist ein typischer Traditionsverein mit einer enormen Wucht - auf beide Seiten", sagt Fabian Adelmann über seinen derzeitigen Arbeitgeber. – Foto: Reinhard Czichy

Fabian Adelmann - im Norden viel Neues

Nach einem Rücktritt beim FC Memmingen ist es scheinbar ruhig geworden um Fabian Adelmann. Das liegt aber daran, dass er nun im hohen Norden aktiv ist. Und nicht nur auf der Deutschlandkarte strebt er nach oben...

Seit Montag befindet sich Fabian Adelmann bereits am neuen DFB-Campus in Frankfurt am Main. Dort absolviert er von nun an die einjährige Ausbildung in Sachen Pro-Lizenz. Gemeinsam mit klangvollen Namen wie dem ehemaligen polnischen Nationalspieler Eugen Polanski, Oliver Kirch und Moritz Volz. Läuft alles nach Plan gehört der 31-Jährige im Jahr 2024 zum elitären Kreis der Fußballlehrer. Der gebürtige Franke ist dann also einen weiteren großen Schritt auf der Karriereleiter nach oben gestiegen. Und das etwas außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung in seiner bayerischen Heimat.

Das liegt aber nicht daran, dass Adelmann derzeit vielleicht bei keinem Verein in der Verantwortung steht. Er ist vielmehr "nur" etwas weiter entfernt aktiv. Seit Saisonbeginn ist er U19-Trainer des FC Energie Cottbus, zudem als NLZ-Cheftrainer der Lausitzer für alle Übungsleiter im Nachwuchsbereich des ehemaligen Bundesligisten verantwortlich. Eine Aufgabe, die anders ist als die Herausforderungen zuvor. Eine Tätigkeit, die dem - immer noch - jungen Coach vollends zusagt. "Wir waren auf der Suche nach einem jungen, innovativen und bestensfalls dennoch schon erfahrenen Trainer. Dabei sind wir auf Fabian Adelmann gestoßen", sagt NLZ-Leiter Matthias Rahn. Hinzu komme, dass der Bayer ein feiner Kerl sei - bodenständig, ehrgeizig und zielorientiert.

"Zuvorderst ist es kein großer Unterschied, ob ich eine Herren- oder Jugendmannschaft trainiere", erklärt Fabian Adelmann. Inhaltlich würde sich eine Herangehensweise nicht unterscheiden. Nur in Sachen Zwischenmenschlichkeit ist es etwas anders. "Es ist doch logisch, dass ich einen jungen Spieler noch mehr Werte vermitteln muss als einen Haudegen." Auch das Niveau in der U19-Bundesliga ("Auch wenn es schwierig wird: Der Klassenerhalt ist das Ziel") sei ähnlich dem der Regionalliga Bayern, in der der 31-Jährige vor seiner Zeit in Cottbus heimisch war.

Nicht nur beim ATSV Erlangen, seiner vorletzten Station, hält man große Stücke auf den 31-jährigen Trainer.
Nicht nur beim ATSV Erlangen, seiner vorletzten Station, hält man große Stücke auf den 31-jährigen Trainer. – Foto: Ernst Blank

Nicht nur bei Energie hat der hauptberufliche Übungsleiter das Große und Ganze stetig im Blick. Er ist generell ein Mensch, der sich über allgemeine Entwicklungen Gedanken macht. Geht es um Fußball, ist er natürlich als Experte zu sehen. "Im Jugendbereich müssen wir vom Ansatz wegkommen, dass die Ergebnisse im Vordergrund stehen. Denn das ist einer der Gründe, warum der deutsche Fußball derzeit krankt. Gott sei Dank bin ich mit dieser Meinung beim FC Energie Cottbus nicht alleine – der NLZ-Leiter, mein Chef also, denkt da ähnlich."

Nur wer Fehler macht, kann daraus lernen – und sich allgemein weiterentwickeln. Das gilt für Edgar Kaizer & Co. in der Cottbuser U19 genauso wie für deren Chefcoach selber. Wobei Fehler vielleicht etwas zu krass formuliert ist. Erfahrungen ist wohl eher das richtige Wort. Und von diesen konnte Fabian Adelmann trotz seiner jungen Jahre bereits genug sammeln - positive wie negative.

Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende stieg er bereits mit Anfang 20 so richtig in dieses Geschäft ein - bei seinem Heimatverein in Ottensoos in der zweiuntersten Spielklasse. Zunächst als, so ehrlich muss man sein, Lückenbüßer für die eigene verpasste Spielerkarriere. Nach und nach wurde aber das Trainerdasein genau sein Ding, seine Leidenschaft. "Ich liebe es, Teams zu führen, mit Menschen zu arbeiten und einen gemeinsamen Weg mit diesen zu bestreiten", spricht er über den Reiz seiner Aufgabe.

Fabian Adelmann wirkt im Gespräch sehr sachlich, souverän und nüchtern. Sein Herzblut für das runde Leder ist aber gleichzeitig immer zu spüren. Die richtigen Zutaten also für einen Trainer, den man als erfolgreich bezeichnen darf. Das bestätigen sie auch in Memmingen und Erlangen.

Irgendwie liegt es auf der Hand, dass beim ATSV nur positive über den 31-Jährigen gesprochen wird. Dort erlebte Adelmann eine überaus erfolgreiche, wenn auch nur kurze Zeit. Jörg Markert, Manager des ATSV Erlangen: "Es gibt nur wenige Trainer, die eine Mischung aus modernem Laptoptrainer und der alten Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode sind. Fabian ist so einer. Er hat – auch wegen seiner guten Ausbildung – eine hervorragende Qualität, gleichzeitig ist er ein toller Typ. Ich bin mir sicher, dass wir ihm irgendwann in der Bundesliga sehen werden."

Das Symbolbild zur Zeit des 31-Jährigen beim FC Memmingen.
Das Symbolbild zur Zeit des 31-Jährigen beim FC Memmingen. – Foto: Sven Leifer

Worte, die runtergehen wie Öl - und die man von Seiten des FC Memmingen nicht so erwartet. Für sein Engagement bei den Schwaben verließ Fabian Adelmann den ATSV Erlangen überraschend. Seine Tätigkeit beim damaligen Regionalligisten war dann aber nicht unbedingt das, was sich beide Seiten vorgestellt hatten. Nach nur sieben Punkten in zwölf Spielen bot der 31-Jährige seinen Rücktritt an – der FCM nahm an. Obwohl die Zusammenarbeit also unter keinem guten Stern stand, ist Memmingen-Manager Thomas Reinhardt nach wie vor von den Qualitäten seines einstigen Trainers überzeugt: "Fabian wird ein sehr guter Trainer werden. Ich halte persönlich viel von ihm. Regionalliga-Abstiegskampf ist auch sicherlich nicht einfach. Solche Situationen hatte er natürlich auch aufgrund seines Alters noch nicht gehabt." Und er wird daraus lernen - möchte man ergänzen.

Denn: In seiner für ihn typischen reflektieren Art blickt der Franke auf Erlangen und Memmingen nicht mit einem lachenden und einen weinenden Auge zurück. Er geht, wie er betont, gleichermaßen gestärkt aus den nach außen als erfolgreich und eher nicht so erfolgreich dargestellten Stationen hervor. "Ich habe überall nette Leute kennengelernt. Das bleibt", blickt er zurück. Und all diese Eindrücke haben ihm zu dem werden lassen, der er ist: Aller Voraussicht nach ein Fußballlehrer, der dann nicht nur in sportrechtlicher Hinsicht nach oben keine Grenzen hat...

Aufrufe: 022.1.2023, 06:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor