2026-04-23T13:43:33.969Z

Allgemeines

Eskalation nach Elfmeter: Spieler jagen Schiedsrichter in die Kabine

Wieder schreibt die Bezirksliga 9 Negativ-Schlagzeilen.

von red · Heute, 15:25 Uhr · 0 Leser
– Foto: David Zimmer

Unschöne Szenen in der Stausee-Kampfbahn in Haltern am See: Das Bezirksliga-Spiel zwischen dem TuS Haltern und dem FC Marokko Herne ist am Sonntagnachmittag abgebrochen worden. Eine Viertelstunde vor Spielende lief die Situation so aus dem Ruder, dass der Schiedsrichter in seiner Kabine Schutz suchen musste.

Streitpunkt des Ganzen war ein gepfiffener Handelfmeter, den Halterns Dominik Pollmann in der 74. Minute zur 1:0-Führung verwandelte, beziehungsweise dessen Entstehung. Die Seestädter spielten einen Freistoß schnell aus, der letztlich in einem Handspiel eines Hernes im eigenen Strafraum mündete. Die Gäste seien eigenen Angaben nach aber von einer Unterbrechung wegen einer gelben Karte gegen einen ihrer Spieler ausgegangen.

Marokko Hernes Trainer Mustafa Mokhtari schildert der "WAZ", dass das Spiel nach dem Elfmetertor "eskaliert" sei. "Natürlich haben sich alle Spieler beschwert. Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass es so nicht geht und dafür die Gelb-Rote Karte gesehen, wie auch einer meiner Spieler."

Bereits vor und während des Spiel soll es zu Verzögerungen und Nickligkeiten gekommen sein. Wie die "Halterner Zeitung", die selbst mit einem Reporter vor Ort war, berichtet, kam Marokko Herne mit einem anderen Trikotsatz als vorher abgesprochen aus der Kabine, zudem habe das Stellen eines Linienrichters und Kinder auf der Auswechselbank der Herner den Spielbeginn verzögert. Mehrere Diskussionen ließen keinen geregelten Spielfluss zu. So soll der Schiedsrichter während des Spiels auch immer wieder als "Betrüger" und "Rassist" beleidigt worden sein.

Spielabbruch in der Stausee-Kampfbahn. (Archivfoto)
Spielabbruch in der Stausee-Kampfbahn. (Archivfoto) – Foto: Boris Hempel

Dass das Spiel zunehmend hitziger wurde, kam vor allem durch Einflüsse von außen, berichtet Halterns Trainer Dave Marnold der Lokalzeitung. "Auf dem Platz war das untereinander in Ordnung." Es habe aufgrund der Umstände aber "kein richtiges Spiel" stattgefunden. Zur besagter Freistoß-Elfmeter-Szene sieht sich Marnold im Recht: "Der Ball lag, der Freistoß wurde normal ausgeführt." Eine Regelwidrigkeit habe er nicht erkennen können. "Selbst wenn es eine Fehlentscheidung gewesen wäre – das erklärt nicht, was danach passiert ist."

Nach dem Elfmeterpfiff versuchte der von der Bank verwiesene Mustafa Mokhtari deshalb noch auf Marnold einzureden: "Wenn ihr fair seid, schießt euer Spieler den Ball daneben." Doch Dominik Pollmann verwandelte. Kurz darauf bekam der TuS eine Ecke zugesprochen und der Schiedsrichter brach die Partie ab.
Warum? Ein Herner Zuschauer beleidigte den Referee mit "Du Nazi!" – was sowohl Mokhtari als auch Marnold bestätigen. Mehrere Herner Spieler sollen den Schiedsrichter dann verbal angegangen haben, schreibt die "Halterner Zeitung" weiter. So sehr, dass er in die Kabine gesprintet und "von einer Handvoll" Hernern dabei verfolgt worden sein soll.

Eine Bedrohungslage für den Schiedsrichter soll es Mokhtari zufolge aber nicht gegeben haben. Dass ein Schiedsrichter nur wegen einer Beleidigung ein ganzes Spiel abbricht, habe er noch nie erlebt. Seine Mannschaft soll immer wieder negative Erfahrung mit den Schiedsrichtern gehabt haben. Diesmal sogar, dass der Referee selbst "unnötige Kommentare" in Richtung Marokko Herne abgegeben habe. "Er wollte, dass wir verlieren", ist sich Mokhtari sicher, der zudem bemängelt, dass das DFB-Stopp-Konzept nicht angewendet wurde.

Schiedsrichter auf Social Media "exposed"

Schmutzig wurde es im Nachhinein noch in den sozialen Medien, als der reichweitenstarke Instagram-Account des FC Marokko Herne (über 79.000 Follower) noch am selben Abend zwei Stories hochlud: Dort zu sehen waren Fotos des Schiedsrichters, sein Name und sein Wohnort – versehen mit dem Text: "Wer kennt diesen Schiedsrichter? Alle Vereine bitte schreiben, wie eure Erfahrung war." In einer weiteren Story hieß es, der Schiedsrichter habe den Platz nach einer Beleidigung durch einen Zuschauer "einfach verlassen". Wenige Augenblicke später wurden die Inhalte wieder gelöscht, machten aber in hiesigen Gruppen die Runde. Der Redaktion der "Halterner Zeitung" sollen Screenshots vorliegen.

Für Dave Marnold und den TuS Haltern war es in dieser Saison nicht die erste unschöne Erfahrung in der Bezirksliga 9. Bereits im Oktober 2025 beim 2:2 gegen die SF Bulmke war es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Der Gelsenkirchener Club stand im März ein weiteres Mal im Mittelpunkt, als die Partie gegen die SG Herne 70 nach Angriffen gegen die Schiedsrichter abgebrochen wurde. Dass die Seestädter die drei Punkte über den "grünen Tisch" erhalten, gilt als wahrscheinlich. Marnold hätte sie aber lieber sportlich, auf dem Platz errungen.