
Überschattet wurde der 18. Spieltag der Bezirksliga Staffel 9 von unschönen Ereignissen in Gelsenkirchen: Die Partie zwischen den Sportfreunden Bulmke und der SG Herne 70 wurde in der Nachspielzeit beim Stand von 1:1 abgebrochen. Die Vorwürfe gegen Zuschauer der Gastgeber wiegen schwer. Der Schiedsrichter soll gejagt, körperlich angegriffen und angespuckt worden sein, sodass er sich am Ende gezwungen sah, sich in seiner Kabine einsperren und die Polizei anrufen zu müssen.
Bereits in der ersten Hälfte soll es nach Angaben der SG Herne 70 zum Beispiel zu Beleidigungen seitens eines Bulmker Funktionärs gegen Cheftrainer Tim Janktowski gekommen sein. Dieser sei schon im Hinspiel im Herner Süden negativ aufgefallen und habe damals die Rote Karte erhalten. Nach Wiederanpfiff folgten dann auch auf dem Platz die Platzverweise: In Minute 55 gegen Hernes Kevin Englich (Gelb-Rot), schließlich auch gegen einen SF-Akteur (70.) und einen weiteren in der dritten Minute der Nachspielzeit.
Dass es schließlich ausgehend von den Zuschauerrängen im Stadtteil Ückendorf hitzig wurde, bestätigten die 70er in einem Social Media-Post sowie Bulmkes Trainer Jan Ramadan (47) auf FuPa-Nachfrage. Der Schiedsrichter sei bereits im Vorfeld auf beide zugekommen und habe ihn informiert aufgrund der Bedrohungslage von außen einen Abbruch in Erwägung zu ziehen, sollten sich die Zuschauer nicht beruhigen. "Ich habe ihm gesagt: Ich stehe voll zu dir, wenn es so weit kommt", so Ramadan. Die Platzverweise seien "ganz normal" gewesen. Es habe auch mehrere Fehlentscheidungen gegeben. So einen "tätlichen Angriff" des gegnerischen Torhüters, der übersehen wurden, oder überharte Fouls. Dem Schiedsrichter mache Ramadan aber keine Vorwürfe. "Wir sind alle Menschen und es kann immer vorkommen. Die Spieler waren sehr ruhig und fair gegenüber dem Schiedsrichter."

Die Sportfreunde setzten Ordner ein, um die Lage zu deeskalieren – vergebens. In der 94. Minute, also kurz nach der zweiten Gelb-Roten Karte gegen einen Bulmker, sah der Referee keinen anderen Ausweg mehr als das Spiel gänzlich abzubrechen. "In der Schlussphase war es von hinten hitziger geworden, als irgendeiner aus der kleinen Tribüne etwas gesagt hat, wobei ich gar nichts mitbekommen oder verstanden habe. Der Schiri hat das Spiel dann abgebrochen", schildert Ramadan. Daraufhin eskalierte die Situation.
Wie die "WAZ" auf Basis von Augenzeugen berichtet, soll der Schiedsrichter von Zuschauern seine Kabine gejagt worden sein, in die er sich schließlich einschloss. "Ich war selber sprachlos, dass das so weit gekommen ist, und ich habe nachgefragt, wer das war", sagt Jan Ramadan. "Er sagte: Du kennst ihn. Ich habe gesagt: Mein Herr, ich bin selber hier neu und erst vor kurzem hier. Es sind viele, die mich grüßen und die ich nicht kenne, und ich weiß nicht, um wen es sich handelt."
Der Schiedsrichter rief die Polizei, die mit drei Fahrzeugen und sieben Personen eintraf und die Lage schnell beruhigen konnte, wird eine Polizeisprecherin in der "WAZ" zitiert. In der Pressemitteilung der Polizei Gelsenkirchen wird die Situation wie folgt geschildert: "Der zuständige Schiedsrichter wurde nach der 90. Spielminute von einem bislang unbekannten Mann bedroht, woraufhin der 29-Jährige die Partie vorzeitig beendete. Auf dem Weg zur Kabine griff der Unbekannte den Schiedsrichter auch körperlich an, indem er ihn mehrfach schlug und anspuckte. Eine unbeteiligte Person griff ein und trennte die beiden Männer, woraufhin der Angreifer abließ. Bei Eintreffen der Einsatzkräfte mussten zunächst Angehörige der beiden Fußballmannschaften voneinander getrennt werden, um weitere körperliche Übergriffe zu verhindern."
Die Polizei nahm eine Anzeige wegen Bedrohung, Beleidigung und Körperverletzung auf. Die SG Herne 70 rechnet sich aufgrund der Umstände gute Chancen auf die drei Punkte am "grünen Tisch" aus. "Wichtig ist uns aber zu sagen, dass diese Dinge bei aller Rivalität in keinster Weise passieren dürfen und wir hoffen, dass die Vorfälle entsprechend aufgearbeitet werden", heißt es in der Stellungnahme des Tabellenzehnten. "Wir hoffen, dass der Schiedsrichter den Mut fasst, weiter zu pfeifen, denn er hat eine gute Leistung gezeigt und ist in keinster Weise verantwortlich für die Geschehnisse."
Keine 17 Kilometer entfernt war am selben Nachmittag bereits das Landesliga-Spiel zwischen dem BV Herne-Süd und dem VfL Kamen beim Stand von 0:2 nach 20 Minuten abgebrochen worden.