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Um den Klassenerhalt zu schaffen, muss Frauenbiburg in der Rückrunde noch enger zusammenrücken.
Um den Klassenerhalt zu schaffen, muss Frauenbiburg in der Rückrunde noch enger zusammenrücken. – Foto: Werner Kroiß

»Es wäre schlimm, wenn wir nach dieser Hinrunde feiern würden«

Rückrunden-Rückblick SV Frauenbiburg: Trainer Thomas Jost und Sportlicher Leiter Lea Hochholzer im Interview...

Endet am Ende der Spielzeit eine Ära? Steigt der SV Frauenbiburg dann nach 15 Jahren wieder in die Landesliga ab? Aktuell sieht es leider danach aus. Denn Harbich, Bronheim & Co. sind nach der Hinrunde Schlusslicht der Bayernliga. Aber: Es sind gerade einmal drei Punkte bis zum rettenden Ufer. Warum Trainer Thomas Jost und Sportlicher Leiter Lea Hochholzer nicht nur deshalb zuversichtlich sind, verraten sie im FuPa-Interview...

Thomas, haderst Du in schwachen Momenten, dass Du die Bayernliga-Damen des SV Frauenbiburg übernommen hast?
Thomas Jost: Dass man sich nach so einer Negativserie auch seine Gedanken macht und viele Sachen hinterfragt, ist klar. Allerdings habe ich den Schritt nach Frauenbiburg nie bereut.

Die sportliche Lage ist prekär. Der SVF ist Schlusslicht der 4. Liga. Elf Spiele, nur ein Remis und ein Sieg. Ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft dementsprechend am Boden?
Es wäre schlimm, wenn wir nach dieser Hinrunde feiern würden. Aber, wenn ich sehe wie sich die Mannschaft die letzten zwei Wochen der Hinrunde präsentiert hat, kann ich behaupten: Die Truppe lebt! Klar, der letzte Platz mit nur vier Punkten ist sehr bitter, aber der Blick auf die Tabelle zeigt auch, dass es nur drei Punkte bis zum rettenden Platz sind. Wir haben alles noch in der eigenen Hand. Dementsprechend blicken wir positiv nach vorne.

Ja, der Kader ist enorm jung. Potenzial ist da, aber es braucht eine Entwicklung. Aber ist in Ruhe arbeiten auf diesem Niveau überhaupt möglich?
Ich sehe keine nachhaltigere Alternative, als auf unsere jungen Spielerinnen zu vertrauen. Sie verdienen auch unser Vertrauen. Übrigens sehe ich unser junges Alter positiv, meine Teenies werden sich bereits in den nächsten Monaten entwickeln. Wären wir in dieser Situation mit einem Altersschnitt von 28, 29 Jahren, hätte ich Bauchschmerzen.

Die vorherige Frage etwas weitergedacht: War es bereits im Sommer klar, dass der Klassenerhalt ein kleines Wunder wäre?
Uns war klar, dass es sehr hart wird. Natürlich hätten wir auf mehr Punkte gehofft. Die Vorbereitung lief eigentlich ganz gut, leider hatten wir zum Saisonstart immer wieder Ausfälle wegen Verletzung und Urlaub. Das soll jetzt keine Ausrede sein, aber wenn du Woche für Woche Hochkaräter wie Nadine Harbich und Lea Hochholzer ersetzen musst, trifft uns das schon extrem.

Thomas Jost steht beim SVF seit Sommer an der Linie.
Thomas Jost steht beim SVF seit Sommer an der Linie. – Foto: Werner Kroiß

Lea Hochholzer: Natürlich war es von Anfang an klar, dass diese Saison aufgrund der Abgänge im Sommer und der sehr jungen Mannschaft keine einfach Saison werden würde. Aber wir sind von Anfang an zuversichtlich in die Saison gegangen, dass wir den Klassenerhalt schaffen.

Was stimmt Dich positiv, dass am Ende doch noch die Bayernliga gehalten werden kann?
Thomas Jost: Wir hatten viele Spiele, die sehr knapp ausgingen. Oft hatten wir das Tor auf dem Fuß und im Gegenzug haben wir es bekommen. Aber Spielglück muss man sich erarbeiten. Ich bin mir sicher, dass wir in der Vorbereitung die richtigen Schlüsse ziehen, um in der Rückrunde die nötigen Punkte zu holen.

Auch wenn es nächste Spielzeit in derselben Spielklasse weitergeht: Ist die große Zeit des SV Frauenbiburg, ehemaliger Regionalligist und Niederbayerns Nummer 1, generell vorbei?
Wir sind gut beraten, auf uns zu schauen. Wir müssen uns so ausrichten, dass wir für Frauen in jedem Alter und in jeder Leistungsklasse gut aufgestellt und attraktiv sind. Aber es stimmt schon: Von der Regionalliga-Romantik müssen wir uns verabschieden und eine neue Identität schaffen. Mit Vereinen aus der dritten Liga, die sich in Sachen Etat und Staff schon fast auf Profiniveau bewegen, können wir nicht mithalten. Bei uns geht's nur mit harter Arbeit, Zusammenhalt und Identifikation zum Verein.

Lea Hochholzer: Der SV Frauenbiburg hat in den vergangenen Jahren viele Auf- und Abstiege erlebte. Aber wir spielen immer noch in der vierthöchsten Liga Deutschlands - und dies mit Einberechnung der Regionalliga bereits seit 15 Jahren. Diese spiegelt die stetig gute Arbeit im Mädchen- und Damenfußball in Frauenbiburg wider.

Kerstin Winter, Manager vom SV Kirchberg, machte in einem FuPa-Interview jüngst deutlich, dass es im ländlichen Raum schwierig ist, genügend Spíelerinnen mit Bayernliga-Niveau zu haben/zu bekommen. Siehst Du das ähnlich?
Thomas Jost: Ja, leider ist der Frauenfußball nicht mehr so flächendecken vertreten wie noch vor 7, 8 Jahren. Das wirkt sich natürlich auch auf die Qualität der Spielrinnen in der Region aus. Umso wichtiger ist es, auf die eigene Jugend zu bauen und die Mädels über eine gute Zweite Mannschaft an das Bayernliga-Niveau heranzuführen. Trotzdem halten wir die Augen offen auf der Suche nach talentierten Spielerinnen aus den unteren Ligen, die die Herausforderung Bayernliga suchen. Diesen müssen wir aber dann auch die Zeit und Vertrauen geben, sich zu entwickeln bzw. an das Tempo und Intensität der höheren Liga zu gewönnen.

Lea Hocholzer: Wir setzen bereits Jahre lang auf unsere eigene Jugend, damit wir jährlich einige Spielerinnen haben, die zu den Damen hochrutschen. Dieser Weg wird mehr und mehr alternativlos, da es im Umkreis schwieriger ist, bereits fertig ausgebildete Spielerinnen auf Bayernliga-Niveau zu bekommen.

In den Medien ist immer wieder von einem Aufwärtstrend im Frauenfußball insgesamt zu lesen. Stimmst Du dem zu?
Thomas Jost: Ja und Nein. Einen Aufwärtstrend sehe ich beim spielerischen und athletischen Niveau der Mannschaften auch im Amateurbereich. Wer technisch und spielerisch guten Fußball sehen will, ist bei den Spielen in der Frauen-Landesliga und -Bayernliga bestimmt richtig. Leider bekommen die Mannschaften immer noch zu wenig Aufmerksamkeit für das geleistete.

Lea Hochholzer (links) ist nicht nur Leistungsträgerin, sondern auch Managerin.
Lea Hochholzer (links) ist nicht nur Leistungsträgerin, sondern auch Managerin. – Foto: Christian Weih

Lea Hochholzer: Der Frauenfußball befindet sich wahrlich in einem Aufwärtstrend. Egal ob im Profibereich oder im Amateurbereich.

Thomas, Du kennst beide Geschäfte als Trainer. Den Herren- und den Frauenfußball. Mitte Juli hast Du gegenüber FuPa gesagt, bei den Mädls wäre der „Sport ehrlicher“. Hat sich dieser Eindruck erhärtet? Welche Unterschiede hast Du noch festgestellt?
Thomas Jost: Ob Herren oder Frauen: Es ist und bleibt Fußball! Und ja, der Frauenfußball ist ehrlicher Sport ohne großes Getue. Die Girls sind mega ehrgeizig und investieren sehr viel für ihren Sport. Ich glaube, dass jede Mannschaft total individuell ist. Die einen musst du streicheln, während andere immer etwas Feuer brauchen - das würde ich nicht am Geschlecht fest machen. Ähnlich sehe ich es bei uns Trainern: Ein guter Herrentrainer kann auch mit Frauen erfolgreich sein. Andersrum natürlich genauso. Ich finde die Aufgabe sollte im Vordergrund stehen.

Abschließend der Blick in die Zukunft: Individuell und kollektiv...erzähl doch mal....
Fakt ist, dass ich mich in Frauenbiburg sehr wohlfühle und das Vertrauen meiner Abteilungsleiterin und auch der Mannschaft sehr spüre. Ich hab einen riesen Spaß am Training, und denke, dass wir nach einem halben Jahr Eingewöhnung im Frühjahr voll durchstarten werden, um hier vielleicht auch langfristig was sehr Gutes aufzubauen. Dementsprechend beschäftige ich mich aktuell nicht mit Sachen die irgendwann sein könnten...

Danke für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft!

Aufrufe: 01.12.2024, 11:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor