Die ZZ-Sportredaktion sprach mit Markus Hirte - Leiter der Talentförderung beim DFB - über zu frühe Einladungen zum Probetraining, über den Sinn von Vereinswechseln und was Eltern dabei im Auge behalten sollten.
Was halten Sie davon, wenn bereits 9- oder 10-Jährige zu einem Sichtungs- oder Probetraining eingeladen werden?
„Gar nichts. Es macht absolut keinen Sinn, Kinder in diesem Alter einem Selektions- oder Scoutingdruck zu unterwerfen. In solchen Fällen geht es nach meiner Erfahrung häufig nicht um die Kinder, sondern darum, ambitionierten Trainern gute Mannschaften zur Verfügung zu stellen. Hier werden Mechanismen aus dem Erwachsenenfußball auf den Kinderfußball übertragen.“
„Wann macht ein Vereinswechsel Sinn? Was würden Sie Eltern raten, die vor dieser Frage stehen?“
„Entscheidend ist, dass sich die Kinder in einem Verein wohlfühlen. Sie sollen mit Freude und Begeisterung kindgerecht Fußball spielen. Wenn ich einen Trainer habe, dem das gelingt, der die Sichtweise der Kinder versteht, dann ist alles gut.
Wenn diese Voraussetzungen - Spaß und Freude am Fußball - in einem Verein nicht gegeben sind, dann kann man vielleicht darüber nachdenken, den Verein zu wechseln. In diesem Fall sollte man sich aber anschauen, ob der andere Verein tatsächlich deutlich besser ist und das auch auf lange Sicht, nicht nur ein Jahr lang.“
„Was ist aus Ihrer Sicht am wichtigsten für die Entwicklung junger Talente?“
„Der Spaß, die Freude, die Begeisterung für das Spiel. Es gibt im Kinderfußball so viele verschiedene Spielformen. Alle Kinder können da mitgenommen werden. Sie erlernen gemeinsam das Spiel, entwickeln sich und - was das Wichtigste ist - sie erleben miteinander die Faszination des Fußballspiels. Die werden sie in sich tragen.“