
Mit dem SSV Bonrheim und Verfolger 1. FC Düren stehen sich am 27. Spieltag der Mittelrheinliga zwei unmittelbare Konkurrenten im Tabellenmittelfeld gegenüber. Doch wirklich viel steht dabei nicht auf dem Spiel. Denn sowohl die Hausherren aus Bornheim als auch die Gäste aus Düren haben den Klassenverbleib schon sicher und können folglich befreit aufspielen. Im direkten Duell geht es vielmehr darum, den jeweiligen Kontrahenten hinter sich zu lassen. Während SSV-Coach Patrick Schmitz, der die Blau-Weißen in der vergangenen Saison noch zur Landesliga-Meisterschaft führte, sich mit seiner Mannschaft an der 2:4-Schlappe im Hinspiel revanchieren will, freut sich sein Gegenüber Luca Lausberg auf seinen ersten Gastauftritt in Bornheim.
Einhergehend mit der Insolvenz und dem Regionalliga-Abstieg vor einem Jahr war klar, dass der 1. FC Düren vor einer schwierigen Spielzeit stehen würde. Während sich fast der komplette Kader noch während der Abstiegssaison auflöste und die Saison nur durch ein kurzfristig ins Leben gerufenes Spieler-Casting zu Ende gespielt werden konnte, stellten sich die Dürener im vergangenen Sommer gezwungenermaßen nahezu komplett neu auf. Nicht wenige haben in Folge des großen Kaderumbruchs am Absteiger gezweifelt und mit einem erneuten Abstieg in die Landesliga gerechnet, doch die Elf von Chefcoach Luca Lausberg ließ sich davon nicht beirren. Durch den 4:0-Erfolg gegen den FC Teutonia Weiden vor zwei Wochen sicherte sich die Lausberg-Elf bereits fünf Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt. Nach dem starken Auftritt gegen Aufstiegsanwärter Siegburger SV 04 in der Vorwoche (1:2) will der 1. FC nun auch gegen den direkten Tabellennachbarn liefern und an Bornheim vorbeiziehen: „Es ist für uns das erste Mal, dass wir in Bornheim gastieren und von den Rahmenbedingungen ist es sicher kein 08/15-Spiel. In Bornheim zu bestehen ist extrem schwierig, weil es dort positiv emotional zur Sache geht - aber genau auf diese Atmosphäre freuen wir uns. Wir werden ein hohe defensive Stabilität benötigen und müssen die zweiten Bälle gewinnen“, stellt der 31-jährige Übungsleiter richtungweisend klar. Um dann am Ende auch als Sieger vom Platz gehen und am Rivalen vorbeiziehen zu können, täte die Gäste-Elf gut daran, an den 4:2-Erfolg im Hinspiel anzuknüpfen.
Das weiß auch Lausberg, der das Hinrunden-Duell der beiden Konkurrenten als „echte Werbung für die Mittelrheinliga“ beschreibt, und hat zugleich auch einiges an Lob für SSV-Trainer Patrick Schmitz übrig: „Hätte man beiden Vereinen vor der Saison gesagt, dass der Klassenerhalt bereits so frühzeitig feststeht, hätte man das wohl mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen. Daher freue ich mich auf das letzte Duell gegen meinen Kollegen Patrick Schmitz. Er hat in Bornheim einen unfassbar starken Job gemacht“, hebt der Cheftrainer anerkennend hervor.
Für Lausberg ist es deshalb das letzte Duell gegen seinen Gegenüber Schmitz, weil sowohl Ersterer als auch Letzterer nach dem Saisonende freiwillig den Posten als Chefcoach niederlegen. Demnach sind neben der tabellarischen Ausgangslage auch diesbezüglich parallelen zwischen den beiden aufeinandertreffenden Kontrahenten zu entnehmen. Auch in Bonrheim hätte wohl kaum einer damit gerechnet, dass der Klassenverbleib bereits vier Spieltage vor Schluss unter Dach und Fach sein würde. Doch weil der SSV sowohl in der Hin- als auch der bisherigen Rückrunde konstant ablieferte, waren jegliche Abstiegsängste schon durch den 3:1-Erfolg gegen Aufstiegsaspirant SV Eintracht Hohkeppel vor zwei Wochen beseitigt. Dass der Liga-Neuling allerdings noch längst nicht mit der Spielzeit abgeschlossen hat, stellt die Schmitz-Elf in der vergangenen Woche unter Beweis. Mit 3:0 fertigten die Blau-Weißen die Zweitvertretung des SC Fortuna Köln ab. Im direkten Duell mit Verfolger Düren soll nun daran angesetzt werden und die Revanche an der Hinspiel-Pleite gelingen.
„Düren ist unser direkte Tabellennachbar. Das Hinspiel ging mit 4:2 an die Elf von Luca Lausberg, aber zu Hause wird das ein ganz anderes Spiel. Damals haben wir auf einem unbespielbaren Rasenplatz gespielt, auf dem man trotz Eisenstollen wie auf Schlittschuhen unterwegs war - das war fast schon gefährlich, dort überhaupt anzutreten. Unser kleiner Kunstrasen sorgt nun für eine völlig andere Ausgangslage“, findet der 34-Jährige deutliche Worte vor dem Wiedersehen und bilanziert: „Es sind zwei Teams, die sich nahezu auf Augenhöhe befinden.“ Dass seine Mannschaft in der Premierensaison nach dem Aufstieg im vergangenen Jahr eine solch starke Spielzeit hinlegt, sei zugleich alles andere als selbstverständlich. „Ich glaube, dass wir in dieser Saison überrascht, den einen oder anderen geärgert und auch beeindruckt haben, uns den notwendigen Respekt verschafft und unterstrichen haben, dass wir zu Recht in diese Liga aufgestiegen sind“, gibt Schmitz unmissverständlich zu verstehen.
Einen kleinen Dämpfer gibt es vor der Begegnung am Sonntag dann aber doch. Sowohl Bornheim als auch Düren haben einige Ausfälle zu beklagen und gehen folglich mit einem etwas dezimierten Kader in die Partie. Doch sowohl die Hausherren als auch der Herausforderer haben mit ihren Auftritten in den Vorwoche bereits unter Beweis gestellt, dass sie trotz der Umstellungen qualitativ gut aufgestellt sind. Auf Seiten des SSV fallen mit Hossein Tasoji, Luca Reuschenbach, Atemlefeh Morfaw und Schlussmann Tom Buhl vier potenzielle Leistungsträger voraussichtlich aus. Auf der Gegenseite fehlen Ali Alawie, Jason Harding und Philipp Simon verletzungsbedingt, während die Einsätze von Marcel Olschewski, Eme Kongolo und Vinzent Zingel noch fraglich sind. Welche Mannschaft die zahlreichen Ausfälle schlussendlich besser auffangen kann, wird am Wochenende zu sehen sein. Anstoß der Begegnung ist um 15.30 Uhr.