
Mittelrheinligist VfL Vichttal verliert sein Heimspiel gegen Bergisch Gladbach mit 1:3 und bleibt Tabellenletzter.
Knapp 98 Minuten Fußball bekamen die Zuschauer am Sonntag im Sportpark Dörenberg geboten. In ihren Analysen kamen beide Trainer nach getaner Arbeit am Ende nicht umhin, sich auf die knapp 120 Sekunden unmittelbar nach der Pause zu fokussieren. In diesem Zeitraum legte der SV Bergisch Gladbach nämlich den Grundstein für den 3:1-Auswärtserfolg im Duell mit dem VfL Vichttal.
„Wir kommen top aus der Halbzeit“, befand Kevin Kruth, Trainer der Gäste. Der langjährige Coach von Borussia Freialdenhoven feierte seinen zweiten Sieg im zweiten Spiel, Bergisch Gladbach verabschiedet sich aus dem Tabellenkeller der Fußball-Mittelrheinliga. Genau umgekehrt das Bild bei den Hausherren: Zweite Niederlage nach der Winterpause, der VfL hängt im Süden der Tabelle fest. „Du darfst natürlich nicht binnen zwei Minuten 0:2 in Rückstand geraten“, ärgerte sich VfL-Coach Andi Avramovic.
Gerade mal 40 Sekunden waren absolviert nach dem Wiederanpfiff, da legte sich Bergisch Gladbachs Spielgestalter Claudio Heider die Kugel rund 30 Meter vor dem Tor in halb rechter Position zurecht. VfL-Keeper Jan Strauch verzichtete auf eine Mauer, der Strafraum war gefüllt, alles erwartete eine hohe Hereingabe. Doch Heider zog ansatzlos ab, der Ball zischte an Freund und Feind vorbei ins lange Eck zum 0:1 (46.). „Ich fand die Situation, die zum Freistoß geführt hat, schon unnötig. Und so viel Druck war hinter dem Schuss nicht“, schätzte Avramovic die Szene ein. In der Tat verdiente der Freistoß das Prädikat „Unhaltbar“ sicherlich nicht.
Der Rückstand bekam den Vichttalern gar nicht. Keine zwei Minuten später liefen die Gäste plötzlich mit Tempo und viel Platz auf die VfL-Abwehr zu. Mohamed Dahas legte raus nach links auf den starken Tristan Arndt, in der Mitte lief Sturmspitze Finn Stromberg ein und erhielt den Ball so serviert, dass er nur noch den Fuß zum 2:0 hinhalten musste (48.). „Wir haben ein paar Minuten gebraucht, sind aber trotzdem stabil geblieben“, schätzte Avramovic die Reaktion seiner Mannschaft ein. Und es war ja noch genug Zeit, dem Spiel eine andere Wendung zu geben.
In den ersten 45 Minuten war die Partie vollkommen offen gewesen, wenn auch nicht auf gutem Niveau für diese Liga. „Das war sehr zerfahren, man hat gesehen, dass beide Mannschaften im Abstiegskampf etwas zu verlieren haben“, sagte Kruth. Nach 30 Sekunden hatte Vichttals Neuzugang Hajdar Kilic für erhöhte Adrenalin-Freisetzung gesorgt, sein Rückpass geriet zu kurz, Strauch musste sich sputen. Nach einer guten Kombination über die rechte Seite hatte Dogukan die erste gute Offensivszene, der Vichttaler Zehner wurde aber geblockt, Kevin Rodrigues Pires setzte den Nachschuss über das Tor (5.).
In der 21. Minute hätte Jason Seke beinahe SV-Torwart Yannik Hasenbein drei Meter vor dem Kasten den Ball geklaut. Die vermeintlich beste Gelegenheit bot sich, als die Bergisch Gladbacher Innenverteidiger mit den Köpfen aneinander rasselten und liegen blieben. Türkmen wollte den völlig freien Tugay Temel auf die Reise schicken, vermasselte aber den Pass. „Wir hatten ein paar Situationen, bei denen wir im letzten Drittel hektisch waren“, monierte Avramovic mit Blick auf die erste Hälfte.
Zurück in Halbzeit zwei: Vichttal verlor nicht den Glauben, sondern schaffte den Anschluss. Seke zog mit Tempo von links ins Zentrum, die Kugel landete bei Temel, der geblockt wurde. Apostolos Ioannidis staubte zum 1:2 ab (59.). Doch wieder verteilte Vichttal Geschenke. Arndt durfte in den Strafraum dribbeln, legte sich den Ball auf den rechten Fuß, um dann fein ins lange Eck abzuschließen (66.). Der VfL schaffte keine Schlussoffensive mehr, ein Schuss von Kapitän Jan Rother (83.) strich knapp vorbei. In der 90. Minuten sah Heider die Rote Karte nach einem gestreckten Bein gegen den eingewechselten Marvin Ailieisei.
Vichttal: Strauch - Schlösser (88. Quayson), Rother, Dollhopf, Ioannidis ((77. Ailiesei) - Kilic (57. Malekzadeh), Rodrigues Pires, Seke, Artz, Türkmen - Temel (77. Alawie)
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