
Man darf das in aller Sachlichkeit einmal festhalten: Diese Oberliga Niederrhein ist in dieser Saison ein Geschenk. Nicht, weil alles immer schön sortiert wäre, nicht, weil Favoriten zuverlässig liefern oder Kellerkinder brav verlieren. Sondern genau deshalb, weil Woche für Woche etwas passiert. Weil sich Gewissheiten auflösen, weil Serien kippen, weil ein vermeintlicher Aufstiegsfavorit plötzlich 1:6 untergeht und weil im Tabellenkeller selbst Mannschaften, die vor kurzem noch durchzuatmen schienen, wieder nervös nach unten schauen müssen.
Der SV Biemenhorst ist am Sonntag zwar abgestiegen, doch diese Entscheidung hatte sich über Wochen angekündigt. Der Rest der Liga aber lebt mehr denn je - und das nach dem 31. Spieltag! Der 1. FC Kleve war gefühlt schon fast abgehängt, ist nach dem 3:1 gegen den FC Büderich aber wieder dran und könnte die Abstiegszone schon am nächsten Spieltag verlassen. Büderich, der 1. FC Monheim und vor allem der VfB Homberg müssen zittern, wobei auch der VfL Jüchen-Garzweiler längst nicht mehr sorglos sein kann. Jüchen steht nur noch auf Rang 13, weil die direkten Vergleiche im Dreier-Split gegen die Sportfreunde Baumberg und die DJK Adler Union Frintrop verloren gehen. So schnell kann sich eine eigentlich ordentliche Saison plötzlich bedrohlich anfühlen.
Gleichzeitig haben andere Mannschaften große Schritte gemacht. Der SV Sonsbeck hat sich mit wichtigen Ergebnissen Luft verschafft, SV Blau-Weiß Dingden dürfte als Aufsteiger nach dem jüngsten Lauf endgültig durch sein. Trotzdem bleibt die nackte Tabelle spektakulär: Rechnerisch können sogar noch Teams bis Rang neun absteigen. Das ist keine künstlich aufgeblasene Spannung, sondern die Folge einer Liga, in der zwischen Mittelfeld und Abstiegszone nur wenige Punkte liegen.
Und als wäre der Keller nicht schon genug, hat auch der Aufstiegskampf seine eigene Dramaturgie. Der KFC Uerdingen fühlte sich nach seiner Gala bei Ratingen 04/19 für einen Moment wie der große Favorit an. Doch zwei Wochen später kam Schonnebeck. Beim 1:6 gegen die SpVg Schonnebeck wurde Uerdingen nicht nur gestoppt, sondern beinahe gedemütigt. Ausgerechnet in einer Phase, in der jeder Punkt zählt, kassiert der Traditionsverein eine Niederlage, die nicht nur in der Tabelle, sondern auch im Kopf Spuren hinterlassen kann.
Ratingen dagegen hat nach der KFC-Pleite wieder geliefert, wichtige Punkte gesammelt und die Spitze verteidigt. Dahinter lässt der VfB 03 Hilden nicht locker. Hilden ist wieder Zweiter, liegt nur einen Punkt hinter Ratingen und darf mehr denn je träumen. Drei Spieltage vor dem Ende ist oben nichts entschieden: Ratingen hat 63 Punkte, Hilden 62, Uerdingen 59. Das ist kein komfortabler Zieleinlauf, das ist ein Titelrennen mit maximaler Fallhöhe.
Selbst dahinter bleibt die Liga reizvoll. Die SpVg Schonnebeck zeigt trotz einer eher sorgenfreien Tabellenlage, wie viel Qualität in dieser Staffel steckt. Der SC St. Tönis 1911/20 steht als Vierter stark da und darf zusätzlich vom Niederrheinpokal-Sieg träumen - und damit vom DFB-Pokal. Sollte der MSV Duisburg in der 3. Liga mindestens Vierter werden, wäre St. Tönis sogar ohne Sieg im Finale durch. Auch das gehört zu dieser Saison: Es gibt nicht nur oben und unten Geschichten, sondern überall.
Was den Tabellenkeller eint, ist derzeit ein ungewöhnlicher gemeinsamer Nenner: Daumen drücken für Fortuna Düsseldorf. Denn die Lage in der Regionalliga West kann direkte Folgen für die Oberliga haben. Wuppertaler SV und SSVg Velbert stehen dort aktuell auf den Plätzen 17 und 18, nachdem der SC Wiedenbrück vorbeigezogen ist. Sollte Fortuna in der 2. Bundesliga noch absteigen, würde auch die U23 der Düsseldorfer aus der Regionalliga in die Oberliga zurückfallen. Bei der aktuellen Konstellation wären es dann gleich drei Regionalliga-Absteiger vom Niederrhein - und damit vier Absteiger aus der Oberliga.
Genau deshalb ist diese Schlussphase so besonders. Es geht nicht nur um die eigene Partie am Wochenende, sondern auch um Ergebnisse in anderen Stadien, in anderen Ligen, in anderen Tabellen. Die Oberliga Niederrhein ist gerade ein sportliches Nervenspiel, in dem fast jeder Klub noch etwas zu gewinnen oder zu verlieren hat. Ob Aufstieg, Pokaltraum, Klassenerhalt oder nacktes Überleben - diese Liga ist so spannend wie lange nicht. Vielleicht sogar wie nie.
📰 Alle aktuellen Nachrichten: https://www.fupa.net/region/niederrhein/news
📝 Alle aktuellen Transfers: https://www.fupa.net/region/niederrhein/transfer
⚽ Die Spiele des Tages: https://www.fupa.net/region/niederrhein/matches
Dein Kontakt zur FuPa-Redaktion: