2026-04-29T13:32:52.058Z

Allgemeines

Diese Konsequenzen hätte ein Drittliga-Abstieg für Fortuna Düsseldorf

Nach dem Sieg gegen Dresden ist die Hoffnung auf den Klassenerhalt in Düsseldorf wieder gewachsen. Trotzdem laufen hinter den Kulissen die Planungen für ein mögliches Drittliga-Szenario. Eine Übersicht über die zentralen Punkte.

von Tobias Dinkelborg · Gestern, 22:30 Uhr · 0 Leser
Fortuna Düsseldorf stemmt sich dem Abstieg entgegen.
Fortuna Düsseldorf stemmt sich dem Abstieg entgegen. – Foto: Michel Berndsen

Die Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf hatten in der vergangenen Woche noch einmal alle Register gezogen. Den Auftakt machte Alexander Jobst drei Tage vor dem elementar wichtigen Spiel gegen Dynamo Dresden: Zu Beginn einer vorgezogenen Mitarbeiterversammlung, an der sowohl die Geschäftsstelle als auch die gesamte Zweitliga-Truppe samt Trainerteam und Staff teilgenommen hatte, bat der Klubchef alle Anwesenden zunächst darum, sich auf den Boden zu setzen – und dann jeden, der an den Klassenerhalt glaubt, aufzustehen. Das Ergebnis: Innerhalb weniger Augenblicke hatten sich fast sämtliche der Beteiligten erhoben.

Auch die Ankunft der Mannschaft am Stadion lief anders ab als gewohnt. Auf Initiative von Ex-Profi Axel Bellinghausen empfingen die Angestellten das Team im Spielertunnel – gemeinsam und mit großem Applaus. Und Chefcoach Alexander Ende wurde in der Halbzeit der Partie noch einmal besonders emotional: „Jungs, es wird der Moment kommen, an dem ihr denken werdet, der Akku ist komplett leer. Genau in diesem Moment denkt ihr an meine Worte. Ihr werdet in eurem Körper etwas finden, womit der nächste Schritt trotzdem noch möglich ist.“ Am Ende feierte Fortuna einen befreienden 3:1-Sieg, und trotzdem ist der Ligaverbleib längst nicht gesichert. Zumal am Samstag (20.30 Uhr, Sky und Nitro) das schwierige Spiel beim FC Schalke 04, dem designierten Aufsteiger, ansteht.

Doch selbst wenn der Klassenerhalt das große Ziel bleibt und die Zuversicht nach der Dresden-Partie wieder gewachsen ist, planen Vorstand und Aufsichtsrat ihren Pflichten gemäß aktuell auch ein Drittliga-Szenario. Welche konkreten Konsequenzen hätte ein Abstieg für die Düsseldorfer? Unsere Redaktion gibt eine Übersicht.

Spielerverträge

Wie die „Bild“ berichtet, besitzen nur sieben Akteure aus dem aktuellen Kader einen Drittliga-Vertrag: Satoshi Tanaka, Jordi Paulina, Kilian Sauck, Hamza Anhari, Tim Oberdorf, Sima Suso und Anas Slimani. Tanaka, Paulina und Sauck hat Sven Mislintat, der neue Sportvorstand, im Winter verpflichtet, und auch für die Gestaltung des Anhari-Vertrags ist er maßgeblich verantwortlich. Klaus Allofs, sein Vorgänger, hat hingegen nur in drei Arbeitspapiere (Oberdorf, Suso, Slimani) eine Gültigkeit für die Dritte Liga hineinverhandelt. Alle anderen Spieler mit prinzipiell noch laufenden Kontrakten wären im Abstiegsfall vertragslos und könnten Fortuna nach der Saison ablösefrei verlassen.

„Fortuna für alle“

Ihren vor fast drei Jahren eingeschlagenen, im Fußballgeschäft völlig neuen Weg könnten die Düsseldorfer als Drittligist in der aktuellen Form nicht fortsetzen. Vor allem die öffentlichkeitswirksame Hülle des Projekts, Zuschauern einen kostenlosen Stadionbesuch zu ermöglichen, würde platzen. „Freispiele sind in einem Drittliga-Fall nicht vorgesehen“, hat Klubchef Jobst bereits vor einiger Zeit bestätigt.

Sponsorenverträge

Der wesentliche Kern von „Fortuna für alle“ würde in der Dritten Liga jedoch fortbestehen: Die Verträge mit der Targobank, der Metro, den Stadtwerken, Stölting, Merkur, Adidas und „11teamsports“, Vodafone sowie der Postcode Lotterie gelten – wenn auch mit Abschlägen – über einen möglichen Abstieg hinaus. Das ist ein Verdienst von Jobst und seinem Team, die jene Absicherungen in den vergangenen Monaten mit etlichen Partnern nachverhandelt haben. Das Sponsoringvolumen der Targobank würde sich nach Informationen unserer Redaktion in der Dritten Liga noch auf 1,5 Millionen Euro pro Saison belaufen.

Stadionmiete

Vor einiger Zeit hat Jobst bereits öffentlich verkündet: „Wir haben Signale von der Stadt erhalten, dass die Stadionmiete sinken könnte, wenn das Worst-Case-Szenario eintreten sollte.“ Inzwischen sollen die wichtigen kommunalen Entscheidungsträger dem Klub – vor allem aufgrund des in den vergangenen Jahren neu aufgebauten Vertrauensverhältnisses – in Gesprächen mit dessen Vorstandsvorsitzendem tatsächlich sehr weit entgegengekommen sein. In der Dritten Liga würde die Arenamiete nach Informationen unserer Redaktion deshalb deutlich sinken.

Vorstandsverträge

Aktuell besitzt nur Sportvorstand Mislintat einen Drittliga-Vertrag, wie unsere Redaktion bereits berichtet hat. Die Arbeitspapiere von Jobst und Finanzvorstand Arnd Hovemann würden zum 30. Juni auslaufen, sollte Fortuna absteigen. Zumindest der Klubchef will in einem möglichen Drittliga-Szenario aber, anders als zunächst angenommen, nicht nur für eine Übergangsphase zur Verfügung stehen, sondern weiterhin vollumfänglich. „Ich bin hier noch nicht fertig und mir liegt dieser Verein sehr am Herzen. Ich glaube an das Fundament, das wir geschaffen haben, und stehe auch in der Dritten Liga bereit, um wieder anzugreifen – wenn der Verein das möchte“, hat er vor dem Dresden-Spiel gesagt. Nach Informationen unserer Redaktion sind entsprechende Gespräche zeitnah geplant.

Mitarbeiter

Ein Abstieg hätte für die gesamte Belegschaft des Klubs weitreichende Folgen. Wie unsere Redaktion in der vergangenen Woche erfuhr, müsste sich Fortuna dann von mindestens der Hälfte ihrer Mitarbeiter trennen, wahrscheinlich sogar noch von etwas mehr. Alle Abteilungen wären von den betriebsbedingten Kündigungen betroffen; in welchem konkreten Umfang, ist Gegenstand der aktuellen Vorbereitungen auf ein mögliches Drittliga-Szenario.

TV-Geld

Im Falle eines Abstiegs würden die Düsseldorfer auf einen Schlag rund 15 Millionen Euro an Fernseheinnahmen verlieren: Statt etwa 17 Millionen Euro würden sie nur noch etwas weniger als zwei Millionen Euro kassieren. Doch selbst wenn Fortuna die Klasse halten sollte, müsste sie an dieser Stelle massive Einbußen hinnehmen. Jobst hat unlängst von einem „Erlösrückgang zwischen 2,5 und mehr als sechs Millionen Euro“ gesprochen, sollte der Klub die laufende Saison zwischen Platz neun und 15 beenden.

Zuschauer

Den besten Zuschauerschnitt der aktuellen Drittliga-Spielzeit weist Hansa Rostock vor: mit 24.817 Besuchern pro Partie. Da die Düsseldorfer in der Zweiten Liga derzeit einen treuen Stamm von rund 30.000 Fans besitzen, könnte sich ihr Mittel in einem möglichen ersten Drittliga-Jahr zwischen jener Zahl und dem aktuellen Wert der Rostocker bewegen. Zum Vergleich: Als Fortuna vor 17 Jahren zum bislang letzten Mal drittklassig war, sind durchschnittlich nur 14.868 Anhänger in die Arena gekommen.

Gegner

Was das öffentliche Interesse und die Attraktivität der Gegner anbelangt, kann die Dritte Liga mit der Zweiten nicht ansatzweise mithalten. Natürlich werden dort auch in der kommenden Saison ehemals große Vereine wie Alemannia Aachen oder 1860 München vertreten sein. Außerdem sind große Derbys gegen Rot-Weiss Essen oder den MSV Duisburg möglich, sollte mindestens einer der beiden Klubs den Aufstieg verpassen. Allerdings müsste sich Fortuna dann möglicherweise auch mit den Zweitvertretungen des VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim messen. Um auch das zu verhindern, arbeitet der gesamte Klub weiterhin eifrig am Zweitliga-Klassenerhalt.

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