
In der Oberliga Niederrhein scheint in dieser Saison alles möglich, denn nach acht Spieltagen ist die Ausgangslage offen wie nie. Das bedeutet automatisch auch, dass das Aushängeschild des Fußballverbands Niederrhein (FVN) unglaublich spannend ist, schließlich können fast alle Teams jeden Spieltag einen Sprung machen oder deutlich fallen. Das unterscheidet die Liga auch zu ihren Gegenstücken am Mittelrhein oder in Westfalen.
Am Freitagabend stehen gleich drei knackige Duelle in der Oberliga Niederrhein an. Sie bilden das Spektrum der Möglichkeiten ideal ab, schließlich liegen zwischen Tabellenführer Ratingen 04/19 und Schlusslicht TSV Meerbusch nur acht Punkte nach acht Spieltagen. Mit Blick auf den Saisonfortschritt scheint der Status Quo wenig besonders zu sein, doch im Vergleich zur Mittelrheinliga oder der Oberliga Westfalen wird deutlich, wie ausgeglichen das Teilnehmerfeld am Niederrhein nach dem Saisonstart ist.
Der VfL Vichttal hat in der Mittelrheinliga nach nur sechs Partien bereits zwölf Punkte Vorsprung auf die die Klubs zwischen Rang 13 und 16 (nur 16 Teams in der Liga), beim Verfolger Bergisch Gladbach sind es auch schon zehn Zähler. Noch größer ist der Unterschied in der Oberliga Westfalen, in der der SV Lippstadt schon 15 Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone hat. Die SG Wattenscheid 09 hat wie die Hälfte der Liga bislang acht von möglichen neun Partien bestritten und könnte ihr Polster als derzeitiger Zweiter sogar auf 16 Punkte noch ausbauen.
Dimensionen, die es am Niederrhein derzeit nicht gibt. Das liegt zum einen daran, dass die Aufsteiger VfL Jüchen-Garzweiler, Holzheimer SG, DJK Adler Union Frintrop und Blau-Weiß Dingden sehr gut bis solide in die Saison gestartet sind und allesamt vor der Abstiegszone stehen. Jüchen hat als Tabellenvierter drei Punkte weniger als Ratingen 04/19, aber auch nur vier Zähler mehr als der SV Biemenhorst, der auf dem ersten Abstiegsplatz steht. Zum anderen hat noch keine Mannschaft einen Lauf gestartet, wie am Beispiel Ratingen deutlich wird. Der Tabellenführer hat von 24 möglichen nämlich "nur" 16 Zähler geholt.
Am Freitag könnte die Überraschungsmannschaft des SV Sonsbeck im Topspiel in Ratingen sogar Tabellenführer werden, während der 1. FC Kleve und der TSV Meerbusch im direkten Duell die Abstiegszone verlassen wollen. Jüchen ist bei der SpVg Schonnebeck sicherlich nicht der Favorit, aber der Vizemeister gehört zu einer Reihe von Klubs, die aktuell nicht alle Pferdestärken auf die Straße bekommen. Dazu zählt auch der KFC Uerdingen, der bislang sicherlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, dank der Ausgeglichenheit als Tabellenzehnter aber auch nur fünf Punkte auf die Spitzenpositionen aufholen muss.
Und das ist das Besondere an der Oberliga Niederrhein: Fast wöchentlich gibt es Überraschungen, kein Team marschiert vorneweg und jeder hat die Chance, binnen kürzester Zeit in der Tabelle enorm zu steigen - oder zu fallen. Diese Momentaufnahme darf gern noch etwas länger die Realität sein, aber vermutlich wird das nicht mehr ewig der Fall sein, denn die Grüppchenbildung dürfte spätestens nach Ablauf des Monats konkreter werden. Lässt eine Oberliga-Mitte aber länger auf sich warten, dürften es wieder einen spannenden Auf- und Abstiegskampf bis in die Schlussminuten des 34. Spieltags geben.