Der 1. FC Kleve hat in den vergangenen Wochen in der Oberliga ordentlich gute Haltungsnoten gesammelt. Schließlich hat sich die Mannschaft zuletzt trotz erheblicher Personalsorgen zum Beispiel in den Heimpartien gegen den Spitzenreiter SpVg Schonnebeck (0:0) und den 1. FC Monheim (3:3 nach 1:3-Rückstand) sehr gut verkauft, obwohl teilweise verletzte oder erkrankte Akteure in Mannschaftsstärke als Zuschauer auf der Tribüne saßen.
Dafür gab es nicht nur freundlichen Applaus vom geneigten Publikum auf den Rängen, das honorierte, mit wie viel Leidenschaft und Einsatzwillen das Team versuchte, die personellen Probleme zu kompensieren. Auch Trainer Umut Akpinar lobte seine Schützlinge für couragierte Auftritte und stellte anerkennend fest, dass die vor der Saison erheblich verjüngte Mannschaft „große Fortschritte“ mache.
Doch jetzt beginnen Wochen mit drei Aufgaben, in denen es für den 1. FC Kleve nicht reichen wird, eine gute Figur auf dem Platz abzugeben und so Punkte in der B-Note für den technischen Wert zu sammeln. Es sind Wochen der Wahrheit für die Mannschaft, in der nur nackte Ergebnisse für den 1. FC Kleve zählen, der derzeit mit zwölf Punkten auf dem viertletzten Rang steht.
Der ist aktuell ein Abstiegsplatz, weil eben der Wuppertaler SV in der Regionalliga derzeit einen der vier Abstiegsplätze einnimmt. Das ist von Bedeutung: Denn wenn ein Team aus dem Bereich des Fußball-Verbandes Niederrhein aus der vierthöchsten Klasse runter in die Oberliga muss, dann gibt es dort vier Absteiger, ansonsten wären es nur drei.
Die Wochen der Wahrheit beginnen für den 1. FC Kleve am Freitag, 29. November, 20 Uhr, mit Partie beim Schlusslicht TVD Velbert. Es folgen vor der Winterpause Heimpartien gegen den Neuling SV Biemenhorst (Sonntag, 8. Dezember, 14.15 Uhr)) und den Mülheimer FC 97 (Samstag, 14 Dezember, 16 Uhr). „Jetzt kommt es drauf an. In diesen drei Spielen müssen wir richtig etwas holen“, bringt es Georg Mewes, der seinen Vertrag als Sportlicher Leiter vor kurzem erst verlängert hat, auf den Punkt.
Trainer Umut Akpinar drückt sich, wie es seine Art ist, da schon etwas diplomatischer aus, um auch nicht zu viel Druck auf das Team mit vielen jungen Kräften auszuüben. „Punkten wollen wir natürlich in jedem Spiel. Und wenn man auf direkte Konkurrenten im Abstiegskampf trifft, ist das selbstverständlich besonders wichtig“, sagt Akpinar.
Der 1. FC Kleve hat am Dienstag die Gelegenheit genutzt, sich noch einmal ganz frische Erkenntnisse über den Gegner zu verschaffen. Co-Trainer Lars van Rens beobachtete den TVD Velbert bei seiner 3:4-Heimniederlage in der Nachholpartie gegen Ratingen 04/19. „Diese Partie hat gezeigt, dass eine sehr schwere Aufgabe auf uns wartet. Velbert hat Ratingen vor erhebliche Probleme gestellt, obwohl die Mannschaft nach einer Roten Karte fast die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl war“, sagt Akpinar. Trotzdem ist das Klever Ziel natürlich ein Erfolg.
Da passt es, dass sich das Lazarett nach und nach lichtet, weil einige Akteure, die zuletzt beim 1:4 bei ETB Schwarz-Weiß Essen noch zuschauen mussten, wieder insTraining eingestiegen sind. Innenverteidiger Philipp Divis und Mittelfeldakteur Luka Grlic sind auf jeden Fall wieder eine Option für die Startelf. Auch Kapitän Fabio Forster und Nathnael Scheffler waren bei den Übungseinheiten dabei. Akpinar hofft, auf sie setzen zu können. Schließlich sind auch Niklas Klein-Wiele, der am 20. Oktober Bänderrisse im linken Fuß erlitten hat, und Tim Haal (Schambeinentzündung) wieder ins Training eingestiegen. Zudem haben Diwan Duyar (Knieverletzung) und Henry Heynen (Schlüsselbeinbruch) am Dienstag ein Lauftraining absolviert. So langsam nähert sich der Oberligist somit wieder seiner Sollstärke.
Welche Rekonvaleszenten am Freitag wirklich den Sprung in das Spieltagsaufgebot schaffen, wird sich erst kurzfristig entscheiden. „Wir müssen abwarten, wie die Akteure, die angheschlagen waren, das Training verkraften. Wir werden dann am Freitag sehen, für wen es schon zu einem Einsatz reicht und für wen nicht“, sagt Akpinar.
Der Coach wird dabei sicherlich kein großes Risiko eingehen. Denn diesmal werden, wie gesagt, keine Haltungsnoten verteilt, sondern enorm wichtige Punkte im Abstiegskampf. Und die sind nur mit Spielern zu gewinnen, die hundertprozentig fit sind.