2026-04-10T07:15:08.667Z

Vom Spielfeldrand

Der Mann mit der Pfeife im Fokus

FuPa-Interview mit Faruk Karakus

von René Diebel · Heute, 12:00 Uhr · 0 Leser

Ohne sie würde kein Spiel stattfinden. Keine Tore zählen, keine Derbys entschieden, keine Aufstiege gefeiert werden. Schiedsrichter sind ein unverzichtbarer Teil des Amateurfußballs und trotzdem bleiben ihre Geschichten oft im Hintergrund. FuPa hat mit Faruk Karakus über Leidenschaft, Druck und besondere Momente auf dem Platz gesprochen.

„Man steht mittendrin und ist doch auf sich allein gestellt“

FuPa: Stell dich doch bitte kurz vor: Wer bist du, wie alt bist du und für welchen Verein bist du als Schiedsrichter im Einsatz?

Faruk: Ich bin Faruk Karakus, 35 Jahre alt, und als Schiedsrichter für den SV Sparta 09 Nordhorn im Einsatz. Insgesamt habe ich bislang rund 1600 Spiele als Schiedsrichter sowie etwa 500 Einsätze als Schiedsrichter-Assistent geleitet.

Neben meiner Tätigkeit auf dem Platz engagiere ich mich auch abseits davon: Ich bin ehrenamtlicher Abteilungsleiter der Schiedsrichter beim SV Sparta 09 Nordhorn und zudem als Co-Trainer der A-Jugend aktiv.

Zu meinen bisherigen Auszeichnungen zählen unter anderem der Titel „Bezirkssieger Danke Schiri“ im Jahr 2020 sowie die Ehrung als „Spartaner des Jahres“ 2025.

FuPa: Wie bist du zur Schiedsrichterei gekommen?

Faruk: Ich habe mich über meinen Verein zum Lehrgang angemeldet, weil ich schon als Spieler die Aufgabe spannend fand. Die Prüfung habe ich dann am 29.11.2004 gemacht.

FuPa: Erinnerst du dich noch an dein erstes Spiel?

Faruk: Mein erstes Spiel habe ich am 22.04.2005 gepfiffen, ein D-Jugend Spiel zwischen Vorwärts und Uelsen.

FuPa: Was fasziniert dich bis heute an der Rolle des Schiedsrichters?

Faruk: Es ist dieses Gefühl, wirklich mittendrin zu sein - nicht nur dabei, sondern verantwortlich für alles, was auf dem Platz passiert.

Du hörst jeden Zuruf, spürst jede Emotion, merkst sofort, wenn das Spiel kippt. Und genau dann bist du gefragt. In Sekundenbruchteilen musst du entscheiden mit voller Überzeugung, mit klarem Kopf, aber gleichzeitig mit Herz. Dieser Moment, wenn du pfeifst und genau weißt: Jetzt zählt nur deine Wahrnehmung.

Es ist dieses Adrenalin, dieser Druck, aber auch diese unglaubliche Energie, die dich trägt. Du musst präsent sein, ruhig bleiben, auch wenn um dich herum alles explodiert. Du bist derjenige, der das Spiel lenkt, der Grenzen setzt, der Fairness durchsetzt, egal wie laut es wird.

Gleichzeitig bist du viel mehr als nur der, der pfeift. Du bist Spielleiter, Ruhepol und jemand, der dafür sorgt, dass aus Emotion kein Chaos wird und Fairness immer an erster Stelle steht. Ohne dich läuft nichts und genau das macht die Rolle so besonders.

Und am Ende ist es dieses Gefühl, ein intensives Spiel sauber über die Bühne gebracht zu haben ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.

FuPa: Was war dein bisher emotionalstes oder außergewöhnlichstes Spiel?

Faruk: Bei inzwischen mehr 1600 Spielen sind viele tolle Momente passiert. Ein besonderes Highlight war für mich die Leitung des Kreispokalfinals 2021 zwischen SV Bad Bentheim II und dem SV Borussia 08 Neuenhaus. Zudem werde ich bei vielen Derbys in der Grafschaft angesetzt, was die Wertschätzung der Ansetzer mir gegenüber zeigt. Zudem war die Ehrung des Kreisschiedsrichterausschusses als Kreissieger der Aktion Danke Schiri2019 für mich besonders, weil ich auch vom Bezirk als Sieger ernannt wurde und an einer Ehrung in Hannover teilnehmen durfte. Viele schöne Momente gab es auch in Spielen mit Daniel Fleddermann, Lukas Benen und Arne Nibbrig wo ich zahlreiche Spiele als Assistent machen durfte. Ich bin stolz, dass ich gemeinsam mit Lukas Benen die Veranstaltung. „Ey Schiri, Abseits" ins Leben gerufen habe. Diese Veranstaltung wächst jedes Jahr und wir haben viele Personen zum Entschluss gebracht, Schiedsrichter zu werden. Auch möchte ich mich bei Sparta Nordhorn für das Vertrauen bedanken, dass ich als Schiedsrichter-Obmann ein Teil des Vereinsvorstands sein darf.

FuPa: Wie gehst du mit Kritik oder hitzigen Situationen auf dem Platz um?

Faruk: Kritik und hitzige Situationen gehören im Fußball einfach dazu, gerade weil so viele Emotionen im Spiel sind. Für mich ist entscheidend, in genau diesen Momenten ruhig zu bleiben und einen klaren Kopf zu bewahren.

Ich versuche immer, eine vernünftige Kommunikation aufzubauen. Oft hilft ein kurzes, klares Wort mehr als jede Diskussion. Gleichzeitig nehme ich Kritik nicht persönlich, weil ich weiß: Auf dem Platz sprechen oft die Emotionen und nicht der Mensch.

Trotzdem gibt es klare Grenzen. Unsportlichkeiten müssen sofort unterbunden werden und wenn es nötig ist, auch konsequent mit Karten. Da dürfen wir Schiedsrichter keine Grauzonen lassen, sondern müssen geschlossen auftreten und an einem Strang ziehen.

Am Ende geht es darum, die Kontrolle zu behalten, ohne das Spiel kaputt zu machen. Diese Mischung aus Fingerspitzengefühl, Klarheit und Konsequenz ist für mich der Schlüssel gerade dann, wenn es richtig hitzig wird.

FuPa: Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor?

Faruk: Die Vorbereitung auf ein Spiel beginnt für mich nicht erst auf dem Platz, sondern schon deutlich früher. Ich versuche, mich körperlich und mental in den richtigen Modus zu bringen, denn nur wer fit und klar im Kopf ist, kann auch gute Entscheidungen treffen.

Ich gehe für mich joggen und bereite mich so gezielt auf die Spiele vor, auch, um die nötige Fitness aufzubauen, um über 90 Minuten voll da zu sein. Denn du musst nicht nur mithalten, sondern immer einen Schritt voraus sein.

Genauso wichtig ist aber auch die inhaltliche Vorbereitung. Weiterbildungen sind für alle Schiedsrichter Pflicht, bei uns gibt es jeden Monat einen Lehrabend für die Grafschafter Schiedsrichter. Da geht es um Regelauslegung, Spielsituationen und den Austausch untereinander. Das hilft enorm, um sicherer zu werden und sich ständig weiterzuentwickeln.

Am Spieltag selbst versuche ich dann, fokussiert zu bleiben, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mit einer klaren Einstellung rauszugehen: präsent sein, Entscheidungen treffen und das Spiel bestmöglich leiten.

FuPa: Was wünschen sich Schiedsrichter häufiger von Spielern oder Zuschauern?

Faruk: Was wir uns als Schiedsrichter häufiger wünschen? Ganz klar: Respekt und ein bisschen mehr Verständnis für das, was wir auf dem Platz leisten.

Viele sehen nur die einzelne Entscheidung aber nicht den ganzen Kontext, die Dynamik, den Druck und die Geschwindigkeit, in der alles passiert. Wir treffen Entscheidungen in Sekundenbruchteilen, ohne Wiederholung, ohne Zeitlupe. Da kann auch mal etwas dabei sein, was nicht jeder sofort nachvollzieht.

Was extrem helfen würde, ist ein respektvoller Umgang von Spielern, Trainern und auch von außen. Emotionen gehören dazu, das macht Fußball ja aus. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Leidenschaft und Respektlosigkeit.

Ich glaube, wenn alle ein Stück weit anerkennen würden, dass wir Schiedsrichter auch Teil des Spiels sind und unser Bestes geben, dann wäre schon viel gewonnen. Am Ende wollen wir alle dasselbe: ein faires, intensives Spiel und dafür müssen alle auf und neben dem Platz ihren Teil beitragen.

FuPa: Wie hat sich der Amateurfußball in den letzten Jahren verändert?

Faruk: Der Amateurfußball hat sich in den letzten Jahren schon deutlich verändert, vor allem ist alles schneller, intensiver geworden.

Die Spiele sind athletischer, die Spieler fitter und das Tempo höher. Dadurch werden auch die Entscheidungen für uns Schiedsrichter anspruchsvoller, weil du noch näher dran sein und Situationen schneller bewerten musst. Gleichzeitig ist auch die Erwartungshaltung gestiegen, viele diskutieren mehr, hinterfragen Entscheidungen sofort und vergleichen vieles mit dem Profibereich.

Trotzdem hat der Amateurfußball nichts von seinem besonderen Charakter verloren. Diese Leidenschaft, dieses Ehrliche, dieses „Alles geben für den Verein“ - genau das macht ihn nach wie vor aus. Und genau deshalb macht es auch so viel Spaß, Teil davon zu sein, auch als Schiedsrichter.

FuPa: Was würdest du jungen Menschen sagen, die überlegen, Schiedsrichter zu werden?

Faruk: Macht es einfach. Die Schiedsrichter sind eine große Familie, jeder ist für jeden da und es bringt viel Spaß.

FuPa-Quickcheck

FuPa: Derby oder ruhiges Ligaspiel?

Faruk: Ganz klar Derby

FuPa: Gelbe Karte oder klare Ansage?

Faruk: Klare Ansage

FuPa: Regen oder Sonnenschein?

Faruk: Sonnenschein

FuPa: Heimspiel oder Auswärtsspiel?

Faruk: Auswärtsspiel

Vielen Dank, Faruk, für deine Antworten und deinen Einsatz für den Amateurfußball!