Gau-Odernheim. Das Verbandsligaspiel gegen den FSV Offenbach (3:1) war gewonnen, der Jubel verklungen. Da hatte Jonathan Maier noch eine Bitte an seinen Trainer Florian Diel. „Ich habe ihm gesagt: Ich versuche gern, immer so zu spielen. Aber bitte nicht mehr in den Kreis. Im Mittelpunkt zu stehen, gefällt mir nicht so.“ Diel hatte Maier, als Anerkennung für seine tolle Leistung, zum Jubel-Ansager inmitten der Kollegen bestimmt. Aber der 23-Jährige fühlt sich in der Rolle des stillen Arbeiters am wohlsten.
Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.
„Er ist genau der Spieler, den man als Trainer gern hat und für den unser Verein auch steht“, sagt Diel: „In der eigenen Jugend groß geworden, ein ganz demütiger Junge, der das Team immer in den Vordergrund stellt.“ Der Name Maier und der TSV sind eng verbunden. Sein älterer Bruder Philipp war einst im Sichtungstraining, zu dem Jonathan und Zwillingsbruder Timon spontan zugeladen wurden. Bald spielten sie alle am Petersberg, auch die drei weiteren Geschwister. „Unsere Mutter ist an manchen Tagen fünf Mal gefahren, weil wir alle unterschiedliche Trainingszeiten hatten“, erzählt der Mittelfeld-Kämpfer, „den Weg zwischen Undenheim und Gau-Odernheim kennen wir alle blind.“
Michael Maier, der Vater, stand oft stolz am Spielfeldrand. Als Abteilungsleiter war er einer der Architekten des Jugend-Aufschwungs. Trainer sollten Lizenzen haben, die eigenen Aktiven wurden dabei unterstützt, sie abzulegen. Ein wahrer Marathon an Aufstiegen folgte. Weitere Protagonisten: der damalige Jugendleiter Kai Preuß – und Florian Diel. „Das Ganze hatte enorm an Dynamik gewonnen, ein Domino-Stein nach dem anderen fiel um“, erinnert sich der 34-Jährige.
Stetig kamen eigene Talente in den Aktivenbereich, Umfeld und Identifikation wuchsen parallel. In Hannes Zimmer, Ruben Ullrich, Hannes Zundel, Ben Völker und Lennart Bickel standen schon die nächsten Protagonisten eines, so Diel, „qualitativ sehr interessanten älteren U19-Jahrgangs“ auf der Matte.
Gut möglich, dass Jonathan Maier auch gegen den SV Steinwenden (Sonntag, 15.30 Uhr) auf dem Platz steht. Im Zuge des Wechsels auf den kleinen Kunstrasen baute Diel sein System um, die bisherige Doppelsechs Noah Juricinec und Luca Dietrich rückte auf die Halbspuren und der 23-Jährige dahinter vor die neue Viererkette. „Natürlich ist Joni mit seiner Rolle nicht zu 100 Prozent zufrieden, aber immer, wenn er gespielt hat, hat er es sehr gut gemacht“, betont Diel.
Mit in Summe 20 Torvorlagen sicherten sich Dietrich und Juricinec ihre Stammplätze. „Sie machen ihren Job gut“, betont Maier, „aber natürlich will man häufiger spielen.“ Dafür nimmt der 1,93-Meter-Mann einiges in Kauf. Sein Job im Gala-Bau verschlug ihn vorige Woche nach Hanau, doch Diel bat um zumindest eine Trainingseinheit. Also fuhr Maier mit der Bahn nach Mainz, seine Freundin holte ihn ab und fuhr ihn spätabends nach Hanau zurück. „Ich denke, es hat sich gelohnt“, grinst der Fußballer.
Dass Diel nun Trainer ist, gab ihm einen Schub. Die Kommunikation laufe gut, Maier fühlt sich als fester Bestandteil der Mannschaft. „Ich finde, gerade in der Jugendarbeit gibt es im Kreis kaum einen Verein, der so viel leistet wie wir“, sagt er. Für zweieinhalb Jahre ging Maier in der Jugend zur Wormatia – und kehrte zu seinem TSV zurück, wo er gern noch lange Fußball spielen möchte. Nur bitte ohne Jubel-Ansagen im Kreis.