
Kleine Zeitreise: Es ist Sommer 2024, die Löwen stehen kurz vor dem Saisonstart in die 3. Liga. 1860 präsentiert sich seit Wochen ideen- und torlos.
München – Geschäftsführer Christian Werner und Coach Argirios Giannikis fühlen sich von der Presse nicht fair behandelt, verteidigen ihre Mannschaft öffentlich. Heute, ein Jahr später, ist die Lage eine andere. Nach der 4:0-Gala des TSV 1860 – Tore: 2x Kevin Volland, Jesper Verlaat & Soichiro Kozuki – bei Jahn Regensburg im letzten Test vor dem Ligastart in Essen (Freitag, 19 Uhr) mahnte Werner zur Vorsicht: „Ich muss jetzt hier wieder die Spaßbremse sein. Wir müssen dieses Spiel heute richtig einordnen.“ Der tz-Check zur Löwen-Frühform:
„Wir werden sehen, wie gut wir das System mit der Dreierkette umsetzen“, betonte Trainer Patrick Glöckner noch leicht skeptisch zu Beginn der Vorbereitung. Fünf Wochen später lässt sich bilanzieren: Die neue Abwehrformation – Verlaat, Simon Voet und Sean Dulic sind gesetzt – steht enorm sicher, in neun Testspielen kassierten die Sechzger gerade einmal einen Treffer. „Unsere defensive Kompromisslosigkeit ist einfach die Basis“, zeigt sich Glöckner zufrieden mit seiner Beton-Defensive.
30 Minuten lang erlebte Volland einen durchwachsenen Nachmittag in Regensburg, hatte einige unglückliche Situationen. Dann aber zeigte der Ex-Nationalspieler, wie viel Gefühl in seinem linken Füßchen steckt. Schuss von der Mittellinie über Jahn-Keeper Felix Gebhardt hinweg ins Tor, das 1:0 für 1860. Kurz vor der Pause schnürte Volland den Doppelpack, eine Portion Selbstvertrauen rechtzeitig zum Saisonstart. Nicht nur die beiden Tore begeisterten Werner: „Ich habe mich für Kevin gefreut, weil er so viel gegen den Ball gearbeitet hat. Seine Grätschen waren super, das ist Sechzig.“
Eine Überraschung hatte Glöckner in seiner Aufstellung parat: Tunay Deniz ersetzte Max Christiansen auf der Sechserposition, verdrängte den 28-Jährigen auf die Bank. Nach seiner starken Leistung dürfte Deniz seinen Platz auch in Essen sicher haben. Bitter für Christiansen. Nach dem Aufwärmen in Regensburg folgte eine Szene, die den Teamgeist der Sechzger gut widerspiegelte. Als Deniz in Richtung Kabine lief, wurde er von Christiansen abgefangen und abgeklatscht, erhielt eine Sondermotivation. Glöckner schwärmte nach dem Spiel: „Wir leben von unserem Teamgedanken. Jeder gönnt es jedem.“
Erst nach 72 Minuten wechselte Glöckner in Regensburg, brachte Patrick Hobsch, David Philipp und Morris Schröter in die Partie. Ein Bruch im Spiel war nicht zu erkennen – im Gegenteil. Besonders Philipp wirbelte die Jahn-Defensive durcheinander, lieferte die sehenswerte Vorlage zum vierten Treffer von Kozuki – ebenfalls ein Joker. „Die Breite des Kaders ist ein Vorteil von uns. Riesenlob an David Philipp. In dieser Form gehört er zu den besten Spielern der 3. Liga“, schwärmte Werner.
Auch Sechzigs Auftaktgegner wird mit einem guten Gefühl in den Saisonauftakt gehen, gewann am Freitag überraschend gegen Bundesligist Augsburg mit 2:1 – vor den Augen von Glöckner und Werner. Der Coach unterstreicht: „Sie sind individuell super aufgestellt, ein absoluter Aufstiegsfavorit.“ Werner fügt hinzu: „Das wird eine Mammutaufgabe!“