Über die schriftstellerischen Fertigkeiten von Günter Abel ist bislang nichts bekannt. Sollte der Trainer des SC West aber irgendwann einmal auf die Idee kommen, ein Buch über seine Karriere zu verfassen, dürfte darin eins mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorkommen: Ein Kapitel „Der SC West und seine Torhüter“. Denn was sich in dieser Saison beim Bezirksligisten zwischen den Pfosten abspielt, würde sogar Stoff für eine Romanreihe liefern – und hat dem Klub sogar schon Punktverluste am Grünen Tisch beschert.
Aber der Reihe nach. Schon vor der Saison musste sich Abel über die Torhüterposition weitaus mehr den Kopf zerbrechen, als ihm lieb war. Mit Thorsten Pyka stand zwar ein Schlussmann parat. Doch die Suche nach einem zweiten Keeper, der auch einen vernünftigen Trainingsbetrieb gewährleisten würde, verlief lange Zeit im Sande. So besaß Berufssoldat Pyka in den ersten Wochen ein Monopolstellung im Tor. Ein Umstand, den im Verein niemand gutheißen konnte.
Umso glücklicher waren die Verantwortlichen um den ehemaligen Zweitligaprofi Abel, als sie sich Anfang September mit Timo Utecht über eine Rückkehr an die Schorlemerstraße einigen konnten. Der 30-Jährige hatte in der vergangenen Saison noch zehn Partien in der Landesliga für den SC West bestritten, war dann aber nach Differenzen mit dem alten Trainer ausgeschieden. Die Rückserie verbrachte Utecht beim Lokalrivalen Turu 80, für den er am 26. Mail 2024 das letzte Mal im Tor stand.
Mit diesem Wissen wähnte sich der SC West im Glauben, den inzwischen vereinslosen Torwart auch nach Ablauf der Wechselfrist noch sofort spielberechtigt zu bekommen und stattete Utecht mit einem Amateurvertrag aus. Dessen Debüt verlief dann auch vielversprechend. „Ohne ihn hätten wir das Spiel wahrscheinlich nicht gewonnen, sagte Abel nach dem ersten Saisonsieg, einem 6:2 über TuSpo Richrath. Das Problem: Utecht hätte erst mit Ablauf von sechs Monaten nach seinem letzten Spiel für die Turu, also Ende November, eingesetzt werden dürfen. Folgerichtig gingen die Punkte am Grünen Tisch nach Richrath, und das „Torhüter-Chaos“ in Oberkassel erst richtig los. Denn inzwischen hatte auch Thorsten Pyka erklärt, nicht mehr zur Verfügung zu stehen, sodass Günter Abel vor der Partie gegen den HSV Langenfeld schon überlegte, welchen Feldspieler er ins Tor stellen sollte.
Sein Schützling Issey Sekiguchi erinnerte sich knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff dann an seinen alten Kollegen Alexander Antonakis, der sogar auch noch einen Spielerpass besaß. Und tatsächlich hütete Antonakis nach einem kurzen Telefonat in Langenfeld das Tor, hielt den 2:1-Erfolg fest und wenige Wochen später auch den 4:2-Sieg in Gerresheim. Im Pokalspiel gegen Rhenania Hochdahl hätte Abel seinem ins kalte Wasser geworfenen Schlussmann dann gerne eine Pause gegönnt, was aber nicht ging, da keine Alternative zur Verfügung stand. Die Folge: Antonakis verletzte sich.
So gab es am vergangenen Freitag das nächste Debüt im Tor. Mit Keisuke Ishibashi zog Abel tatsächlich noch einen Hochkaräter an Land. Der 30-Jährige stand für den SV Straelen schon in der Regionalliga im Tor. Die 2:4-Niederlage gegen bärenstarke Bilker konnte der Japaner zwar nicht verhindern. Doch mit ihm hofft der SC West nun endlich Ruhe im Kasten zu haben.