2024-07-22T11:49:03.802Z

Ligabericht
Der im Umbruch steckende TSV Neutraubling, hier mit Markus Tihl (Rot, links) und Benny Eckert, kämpft in der Bezirksliga ums Überleben.
Der im Umbruch steckende TSV Neutraubling, hier mit Markus Tihl (Rot, links) und Benny Eckert, kämpft in der Bezirksliga ums Überleben. – Foto: Florian Würthele

»Das positive Reden bringt uns nicht mehr weiter«

Auch in der Bezirksliga steckt Neutraubling unten fest – Trainer nehmen ihre Spieler in die Pflicht

Am Ende ging die Luft aus: In einem „Finale furioso“ um den Liga-Erhalt in der Fußball-Landesliga Mitte zog der TSV Neutraubling gegenüber der Konkurrenz den Kürzeren und stieg im Mai auf direktem Wege ab. Was folgte, war ein Stühlerücken – mit vielen frisch-rekrutierten Spielern, neuen Trainern und Fragezeichen über Fragezeichen. Zurück in der Gegenwart, steht Neutraubling inzwischen auch in der Bezirksliga auf einem Abstiegsplatz. Vieles stimmt hoffnungsfroh, dass das nicht so bleibt.

Die im Sommer bunt zusammengestellte Truppe brauchte und braucht ihre Zeit, das steht außer Frage. Doch wie weit ist der Entwicklungsprozess seit dem Startschuss vor knapp vier Monaten fortgeschritten? „Es ist ein Riesensprung passiert, wenn man das Gesamtpaket betrachtet“, findet der neue Coach Marc Müller. Stolz auf die bisherige Entwicklung – „ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft in der Bezirksliga bestehen kann“ – weiß Müller auch, dass noch viel Arbeit wartet. „Wir sind jetzt bei 70 Prozent. Um die letzten sechs Spiele des Jahres so positiv wie möglich zu gestalten, brauchen wir noch 30 Prozent mehr.“

Noch passen die Ergebnisse nicht. Nur drei von 14 Spielen in der Bezirksliga Süd wurden siegreich gestaltet, demgegenüber stehen sieben Niederlagen bei vier Remis. Der jüngste Trend ging leicht nach oben (1/2/1). Viele Duelle standen „Spitz auf Knopf“, konnten jedoch nicht gewonnen werden. Lobende Worte der Gegner nützen da wenig. „Wir müssen momentan noch mehr Aufwand betreiben als der Gegner. Das kostet uns in der Schlussphase gewisse Körner“, analysiert der TSV-Trainer, der früher viele Jahre beim SV Mitterteich in der Landesliga kickte. Überdies schaffe man es nicht, den ersten Punch in Form des Führungstores zu setzen. Stattdessen kassiere man oftmals früh das erste Gegentor. Als größte Baustelle macht Müller jedoch das Verhalten im Angriffsdrittel aus. Es fehle die nötige Cleverness und „Geilheit“, Tore zu erzielen. „Da haben andere Mannschaften mit ihren ausgebufften Stürmern die Nase vorn.“

Drei Aspekte machen Mut

Doch es wird besser. Die Abstimmung zwischen den einzelnen Ketten, sprich von der Abwehr übers Mittelfeld zu den Stürmern, verbesserte sich merklich. Genau so das Grundverständnis auf dem Platz: wie laufe ich an, wo muss ich hinlaufen und allem Pipapo. Die Stärken jedes einzelnen kristallisieren sich mehr und mehr heraus. Neutraublings Spieler – die Hälfte hatte überhaupt noch nicht Bezirksliga gespielt – geben sich nicht zufrieden mit ihrem jetzigen Stand, sie können und wollen sich zeigen.

Positiv sticht auch die Comeback-Mentalität der Neutraublinger Mannschaft ins Auge. So gelingen immer wieder späte Torerfolge. Das in Erinnerung bleibende Heimspiel gegen Prüfening, in dem Wacker einen 0:2-Rückstand dank drei (!) Tore in der Nachspielzeit noch zu seinen Gunsten drehte, bezeichnet Müller als „i-Tüpfelchen“. Aber so etwas hintenraus bewerkstelligen zu müssen, heiße im Umkehrschluss eben auch, dass es vielleicht in der vorausgegangenen Spielzeit nicht so gut gelaufen sei.

Insgesamt müsse man den Fokus laut Marc Müller mittlerweile darauf legen, selbst das Spiel zu gestalten – egal wie der Gegner heißt. Müller und sein spielender Co-Trainer Marcel Scherl nehmen die Spieler von nun an in die Pflicht. „Das positive Reden bringt uns irgendwann nicht mehr weiter. Jetzt gilt es abzuliefern!“, formuliert es Müller klipp und klar. Denn in der Mannschaft stecke weit mehr, als es die Tabelle aussage. In der Winterpause dann gelte es, auf „mehreren Positionen“ personell nachzujustieren! Froh ist Müller, den acht Jahre jüngeren Trainerpartner an seiner Seite zu wissen: „Ich kann mir keinen besseren Spielertrainer vorstellen, zumal Marcel auch ein Leader auf dem Feld ist. Das harmoniert.“

Ein Duell auf Augenhöhe

Im Wacker-Tor kämpfen mit Edis Rahimić und Gani Sopaj zwei junge, großgewachsene Torhüter um die Gunst der Stunde. Ein Konkurrenzdenken gibt es gar nicht so sehr. Jeder bekommt seine Chance auf einen Einsatz am Wochenende. Das Duo ist froh, sich vom jeweils anderen etwas abgucken zu können. „Wir pushen, kritisieren und helfen uns. Am Ende des Tages entscheidet die Tagesform und der Trainer, wer in die Startelf kommt“, sagt Sopaj.

Edis Rahimić, ehemaliger Zweitligaspieler in Bosnien, kämpft um die Nummer eins im Neutraublinger Tor.
Edis Rahimić, ehemaliger Zweitligaspieler in Bosnien, kämpft um die Nummer eins im Neutraublinger Tor. – Foto: Florian Würthele


Die Liga ist eng umkämpft. Alle lassen Federn und die hinteren Teams kommen zu manch überraschendem Punktgewinn. Ob das Fluch oder Segen für die Seinen ist? „Es kann eine Chance sein, kann aber auch ins Negative umschlagen“, findet Müller, der guter Dinge ist, denn: „Wir können gegen so gut wie jede Mannschaft mithalten, müssen uns vor niemandem verstecken.“

Die ausstehenden sechs Spiele in diesem Jahr betitelt der Coach ohne Umschweife als Endspiele. Um ein sportlich einigermaßen harmonisches Weihnachtsfest zu haben, müssen Siege her. Der Turnaround soll schleunigst gelingen! Es liegt nun an Marc Müller und Marcel Scherl, die Mannschaft entsprechend auf den Spätherbst einzustellen. Allerdings haben es die kommenden Aufgaben gegen Thalmassing, Bad Abbach, Kosova und Parsberg in sich...

Aufrufe: 019.10.2022, 13:30 Uhr
Florian WürtheleAutor