
Für den SSV Bornheim ging es im Heimspiel am 25. Spieltag der Mittelrheinliga um Wiedergutmachung. Nach der 0:3-Schlappe gegen Tabellennachbar TuS Blau-Weiß Königsdorf in der Vorwoche war die Elf von Chefcoach Patrick Schmitz um eine passende Antwort bemüht. Als bester Aufsteiger wollte der SSV zugleich seine Chance nutzen, den vorzeitigen Klassenerhalt zu sichern, was am Ende auch gelang. Mit 3:1 bezwingt Bornheim den Konkurrenten aus der oberen Tabellenregion, der sich seinerseits wohl endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet. Während SSV-Coach Schmitz im Anschluss an die Partie von einer absoluten „Willensleistung“ seiner Elf spricht, sei der Spielverlauf aus Sicht seines Gegenüber Giuseppe Benedetto nur „schwer zu akzeptieren.“
Bereits vor Spielbeginn war klar, dass der SSV Bornheim als Außenseiter in die Partie gehen würde. Zum einen trennten den Aufsteiger tabellarisch ganze 18 Punkte vom Kontrahenten aus Hohkeppel, der seinerseits noch um den Aufstieg mitmischt. Zum anderen traten die Hausherren mit stark dezimierten Kader an: Während Mohamed Zaim (Zehenverletzung), Luca Reuschenbach (Muskelfaserriss) und Marius Jennes (Muskelverletzung) angeschlagen ausfielen, musste Patrick Schmitz auch auf seinen gesperrten Stürmer Julio Molongua verzichten. Die ohnehin schon angespannte Personallage spitzte sich dann eine Viertelstunde nach Spielbeginn noch weiter zu, als Aymen Gassa und Atemlefeh Morfaw in einem Zweikampf ineinander rauschten. Letzterer musste anschließend ins Krankenaus gebracht werden, während Ersterer mit einem blauen Auge weiterspielte. Alles andere als optimale Bedingungen also, umso erstaunlicher wie der SSV anschließend auftrat:
„Wir hatten leider mit massiven Ausfällen zu kämpfen. Die Personaldecke war extrem dünn. Das bedeutete für unser Gesamtkonstrukt schon ordentliche personelle Einbußen“, ordnet Schmitz die schwierige Kadersituation seiner Mannschaft vor Spielbeginn ein. Doch seine Elf lieferte dennoch einen mehr als gelungenen Auftritt: Nachdem es ohne Treffer in die Pause ging, gelang Danny Simmo mit seinem ersten Saisontreffer in Spielminute 52 zur Führung des Gastgebers. Nur wenige Minuten darauf folgte dann der Ausgleich durch Gästestürmer Mike Owusu. Doch der SSV gab sich nicht auf und markierte wieder nur kurze Zeit später durch Justin Krausa den erneuten Vorsprung, ehe 1:0-Torschütze Simmo in der Nachspielzeit den Auftritt seiner Elf krönte und zum 3:1-Endstand einschob.
Dass trotz dieser angespannten Personalsituation solch ein Ergebnis für den Underdog aus Bornheim herausspringt, hätte wohl kaum einer gedacht. Das Resultat lässt auch SSV-Coach Schmitz nicht kalt. Im Gegenteil: Nach Spielende hat der 34-Jährige eine Menge Lob für den Auftritt seiner Mannen übrig: „Jeder weiß, welche Qualität Hohkeppel hat, sie haben ganz klar noch auf den Aufstieg gehofft. Für uns geht es tabellarisch eigentlich nur noch um die goldene Ananas. Umso mehr muss man loben, wenn man gegen eine Mannschaft, die unbedingt gewinnen muss, so ein Spiel abliefert“, zeigt sich der Übungsleiter folgerichtig hocherfreut.
Insbesondere nach dem vergleichsweise schwachen Auftritt gegen Königsdorf in der Vorwoche wiegt dieser Sieg besonders viel. Gegen Hohkeppel habe der Aufsteiger wieder Moral bewiesen und Leidenschaft gezeigt, wie Schmitz hervorhebt: „Letzte Woche war ich mit der Art und Weise überhaupt nicht einverstanden. Das war nicht unser wahres Gesicht. Heute haben wir es im für uns absoluten Topspiel gegen einen Top-Gegner geschafft, 3:1 zu gewinnen. Die Mannschaft hat maximale Moral bewiesen - das war eine Top-Leistung und eine reine Willensleistung“, unterstreicht der Trainer stolz und bilanziert: „Es war die richtige Antwort auf die Vorwoche. Wir zeigen innerhalb der Saison eine stetige Entwicklung. Wenn du so häufig gegen individuelle Top-Teams punktest, hast du eine eigene Qualität, und die haben wir heute wieder auf den Platz gebracht. Das war eine Bestätigung und ein Ausrufezeichen.“
Ganz anders sieht es derweil auf der Gegenseite aus. Durch die Auswärtsniederlage in Bornheim ist das Polster auf Spitzenreiter SV Bergisch Gladbach 09 auf acht Zähler angewachsen, der erhoffte Wiederaufstieg in die Regionalliga ist in weite Ferne gerückt. Zugleich geht auch der ordentliche Lauf unter Chefcoach Giuseppe Brunetto in die Brüche, der aus seinen ersten drei Partien mit der Eintracht sieben Zähler holte. Wie bitter die Pleite wirklich ist, stellt der Übungsleiter unmissverständlich klar:
„Es ist ganz schwer zu akzeptieren, dass wir dieses Spiel wieder hergegeben haben. In der ersten Halbzeit hat Bornheim kein einziges Mal auf das Tor geschossen. Wir hatten zwar mehr vom Spiel, haben im letzten Drittel aber nicht sauber genug agiert. Aus der ganzen Dominanz heraus haben wir uns einfach zu wenige klare Torchancen erspielt“, blickt der 53-jährige Trainer auf die Begegnung zurück und schlussfolgert angesichts der nun schwindenden Aufstiegshoffnungen: „Solange es rechnerisch möglich ist, versuchen wir natürlich dranzubleiben. Aber klar ist auch: Diese Niederlage tut extrem weh.“
Sollte im kommenden Duell gegen Königsdorf ein weitere Ausrutscher hinzukommen, könnte der Titel auch rechnerisch schon nicht mehr möglich sein. Demnach steht die Eintracht in den restlichen fünf Saisonspielen unter enormen Siegesdruck. Ganz anders sieht es hingegen für Bornheim aus. Dank des Heimdreiers gegen Hohkeppel kann die Schmitz-Elf ganz gelassen zu Fortuna Köln II fahren. Der Klassenerhalt ist angesichts der deutlichen 20-Punkte-Polsters auf die Abstiegsplätze ebenfalls bereits in trockenen Tüchern.