
Es war ein denkwürdiges wie unrühmliches Ende einer umkämpften Oberliga-Partie: Die Begegnung des 33. Spieltags zwischen dem SV Schermbeck und der SG Wattenscheid 09 wurde in der Nachspielzeit beim Stand von 3:2 für die Gäste abgebrochen, nachdem zwei Böller aus dem Gästeblock aufs Feld geflogen und explodiert waren. Zwei Schermbecker Spieler schienen unmittelbar danach Verletzungen davon getragen zu haben, Rudelbildungen zwischen beiden Teams entstanden. Schiedsrichter Ben Gödde brach die Partie daraufhin ab.
Am Montag veröffentlichte die SG Wattenscheid 09 ein Statement zu den Vorfällen in Schermbeck. "Auch knapp 24 Stunden nach dem gestrigen Spiel sind wir noch immer fassungslos und wütend", heißt es dort. "Unsere Mannschaft war auf dem besten Weg und nur wenige Sekunden davon entfernt, einen wichtigen Auswärtssieg gemeinsam mit zahlreichen mitgereisten Fans zu feiern. Was dann allerdings in der Nachspielzeit folgte – nur Wochen nach dem denkwürdigen Auswärtsspiel in Ahlen – verurteilen wir aufs Schärfste."
Die SGW arbeite "eng mit den Ermittlungsbehörden und dem Verband zusammen". Nach Angaben der Polizei Wesel konnte kurz nach Abpfiff ein Tatverdächtiger ermittelt werden. Dabei soll es sich um einen 25 Jahre alten Mann aus Gelsenkirchen handeln, den laut "NRZ" die Wattenscheider Fans den Beamten übergaben. Schermbecks Vorsitzender Günther Beck zufolge soll es sich beim Verdächtigen um einen "landesweit bekannten Chaoten" handeln, gegen den ein generelles Stadionverbot vorliege. Der Böllerwurf könnte daher mehr als vermeidbar gewesen sei. Vor der Partie hatte Schermbeck um die Entsendung eines Fan- und Sicherheitsbeauftragten gebeten. Dieser sei allerdings "erst deutlich nach Anpfiff", also viel zu spät, erschienen.

Auch beim FLVW laufen die Ermittlungen bereits, schließlich steckt die Saison mitten im Schlussspurt und die SG Wattenscheid mitten im Aufstiegskampf. Zwar gebe es auch zum Saisonende keine außergewöhnliche Fristen oder Eilverfahren, teilt der Verband auf "WAZ"-Anfrage mit, dennoch habe man "aufgrund der möglichen sportlichen Auswirkungen ein erhebliches Interesse daran, dass das Verfahren zeitnah durchgeführt werden sollte". Nach dem Abbruch habe Staffelleiter Reinhold Spohn das Verfahren ans Verbandssportgericht gegeben. Der Verband verurteile den Vorfall in jedem Falle "aufs Schärfste".
Auch die Verantwortlichen des SV Schermbeck haben sich in der Lokalpresse zum Böllerwurf und besonders zu den Vorwürfen aus Richtung der Wattenscheider geäußert. Man vermutete, dass Schermbecker Spieler auf dem Boden liegen geblieben sind, um so einen Abbruch zu erwirken. Die zwei verletzen Spieler seien zu weit weg von den Böllern gewesen, um eine ernsthafte Verletzung davon getragen zu haben. Sportvorstand Ertan Ilce sprach gar von einem "oscarreifen Auftritt" der Gastgeber, insbesondere Spieler Kingsley Marcinek, der sich in Folge des Böllerknalls auf dem Boden liegen blieb und sich medizinisch behandeln ließ.
Günther Beck entgegnet dem in der "NRZ": "Sowohl der uns vorliegende Bericht aus dem Krankenwagen als auch der Befund im Duisburger Krankenhaus bestätigen die Folgen dieses Böllerwurfes. Bei unserem Spieler wurde ein Knalltrauma mit einem beständigen Pfeifen im Ohr diagnostiziert." Zu werden Sachen rund um die Vorfälle wolle man sich vorerst als Verein nicht äußern, sondern abwarten.
Wie es in der Mitteilung der Wattenscheider weiter heißt, sei man im Moment dabei, "die Videoaufnahmen vom Spiel auszuwerten. Selbstverständlich stellen wir diese den Behörden zur Verfügung." Man wolle zunächst die weiteren Ermittlungen und den Sonderbericht des Schiedsrichters abwarten, bevor man detailliert zu weiteren Einzelheiten Stellung nehmen wird.
Und weiter: "Fakt ist: Während unzählige 09-Fans unsere Mannschaft friedlich anfeuerten und ein positives Bild bei den Gastgebern hinterließen, schaden einzelne Personen dem Verein massiv – und das im Endspurt der Saison. Ein solches Verhalten ist nicht zu tolerieren. Auch die Geschehnisse nach der Unterbrechung, die letztendlich in den Abbruch der Partie mündeten, werden wir noch auswerten. Nach Abschluss der Ermittlungen werden wir als Verein die nötigen Konsequenzen beraten und ziehen."
Das letzte Wort in dieser Causa ist auf alle Fälle noch nicht gesprochen.