2024-02-28T09:51:25.667Z

Spielbericht
– Foto: Jörn Kutschmann

Berlino e banco azzurra!

Hertha BSC Amateure Zwee – Club Italia Berlin AdW 6:4

11. Spieltag Berliner Kreisliga A Staffel 1 Saison 2023/2024

Sonntag, 12.11.2023 10:30 Uhr

Lüderitze

85 Zuschauer

Sonntagmorgens: Nach gefühlt ein paar Minuten Schlaf geht der Wecker. Aufstehen, die Zähne grob überputzen und sich kurz wundern, wer sich da letzte Nacht schon wieder im Badezimmer übergeben hat. Da die Toilette entsprechend aussieht, schnell in die Spüle gepinkelt und los. Der Hertha-Schal ist ja noch vom gestrigen Abend um den Hals gebunden. Den müden Kadaver zum Bus schleppen und im selbigen 20 Minuten schlafen. An der U6 Wechsel in die U-Bahn. Kurze Zeit später die Frage: laufen oder Straßenbahn. Meistens wurde dem müden Körper die Straßenbahn gegönnt. Dann rein in eine kleine unauffällige Straße, die die Seestraße kreuzt, und kurz vor dem Anstoß der Ama Zwee um 11 Uhr das Kontra-Bier in den Hals kippen. So sah das damals oft sonntags aus. Jedenfalls bei Heimspielen der Ama Zwee, damals noch an der Ungarnstraße. Auswärts torkelte man meistens durch die Gegend, bis man den Platz gefunden hatte. So verbrachte ich diverse Sonntage im Jahr 2007. Ich habe das seinerzeit schon nicht gut weggesteckt, und heute fühlt sich mein Schädel an, als ob er platzen würde. Dabei war es nicht mal viel Alkohol, nur einfach viel zu wenig Schlaf. Und das Ratzen im Bus fällt auch weg, denn ich steuere, teilweise aus Bequemlichkeit, teilweise wegen des Schienenersatzverkehrs, mein Auto in Richtung Wedding. Auf dem Sportplatz Lüderitz herrscht generell auch etwas Katerstimmung. Viele scheinen gestern länger und tiefer ins Glas geschaut zu haben. Trotzdem sind es am Ende 85 Zuschauer, die die Kasse passieren. Das dürfte ein Saisonrekord sein. Ob das am guten Marketing liegt? Ein bisschen Selbstlob mit Augenzwinkern sei an der Stelle erlaubt. Zu Gast war heute der Club Italia. Ein Team aus dem Mittelfeld und nach der Leistungssteigerung der Herthaner in den letzten Wochen ein, hoffentlich, auch schlagbarer Gegner. Ein Kontra-Bier gab es für mich heute nicht. Dafür wurde bereits nach fünf Spielminuten Dopamin durch meine Synapsen gedonnert. Justin hatte zum 1:0 getroffen. Kaum hatte ich die Glücksgefühle wieder im Griff, wiederholte er seine Tat und traf zum 2:0. 2:0 nach nicht mal 20 Minuten. Das ist doch zu schön, um wahr zu sein, oder? Richtig! Der Club Italia, der seine Heimat im Stadion Haselhorst hat, dachte gar nicht daran, sich hier kampflos die Oliven von der Pizza nehmen zu lassen. Zwischen der 19. und 29. Minute drehten sie das Spiel auf 2:3. Unser Kapitän und Herthas aktuelle Lebensversicherung Justin übte sich nach 35 Minuten als Gefühlsachterbahnfahrer und stellte das Ergebnis wieder auf Remis. Kurz nach dem Jubel über den Ausgleich folgte wieder eine Ernüchterung: Keeper Niki kam zu spät in einen Zweikampf. Zuerst flog sein Gegenspieler durch die Luft und kurz danach er mit Rot vom Platz. Wenigstens passierte das Foul außerhalb des Strafraums und der Freistoß schlug nur gegen den Fangzaun hinter dem Tor. Was nun geschah, ist, mal wieder, nicht rational zu erklären: Hertha BSC agierte plötzlich voller Disziplin und Einsatz. Als hätte jemand auf einen Knopf gedrückt, strahlte die ganze Mannschaft plötzlich einen selbstverständlichen Siegeswillen aus. Und als wäre es das Normalste von der Welt, gingen sie kurz vor der Pause mit 4:3 in Führung. Die Halbzeit reichte gerade so aus, um sich etwas zu beruhigen und eine Bratwurst zu frühstücken. Kaum hatte die schmackhafte Wurstware ihren Gang in den Verdauungstrakt angetreten, wurde sie ordentlich durchgeschüttelt. Ich machte nämlich in der 54. Minute vor Freude einen Sprung in die Luft, als Award, der auch schon zum 4:3 getroffen hatte, das 5:3 erzielte. Wer sich jetzt auf der Siegerstraße sah, hatte die Rechnung ohne den Grappa-Wirt gemacht. Italia kam durch einen strammen Distanzschuss nach 57 Minuten auf 5:4 ran und witterte plötzlich die Chance, uns hier doch noch die Tomate vom Bruschetta zu klauen. Doch Hertha erkannte den Ernst der Lage und ließ kaum noch etwas anbrennen. Und wenn der Ball doch mal durch die Abwehr kam, angelte Micha im Kasten die Pizzen immer noch rechtzeitig aus dem Ofen. Als Ahmad eine viertel Stunde vor dem Abpfiff das 6:4 erzielte, war die Penne endgültig auf die Gabel gewickelt. Auf beiden Seiten gab es zwar je noch eine große Chance auf einen Treffer, aber Savas nagelte die Pille vom Elfmeterpunkt über den Kasten und ein Italia-Freistoß blieb in der Berliner Mauer hängen. Das Spiel war aus und der Autor kann jetzt mit den schlechten Wortwitzen aufhören. Total kaputt aufgrund des ungenügenden Schlafs und des aufregenden Spiels, ging es nach einer Sieges-Cola nach Hause, und dort unfassbar früh ins Bett.

Ha Ho He Amateure Zwee

der Kutten König

Aufrufe: 014.11.2023, 19:34 Uhr
Jörn KutschmannAutor