
Hattersheim. Mit dem Sichern der Vizemeisterschaft in der Hessenliga hat der FC Eddersheim rein sportlich gesehen die Kriterien erfüllt. Doch obwohl der FCE seit der Schützenhilfe aus Marburg vom vergangenen Sonntag nun auch rechnerisch nicht mehr von Platz 2 der Hessenliga verdrängt werden kann, ist die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga noch nicht 100 Prozent sicher. Denn: Der Verein hat zwar fristgerecht seine Lizenz für die Viertklassigkeit beantragt, muss aber in zwei zentralen Punkten nachbessern. Sollte das bis zur Deadline am 27. Mai nicht passieren, kann dem FCE noch die Teilnahme an der Aufstiegsrunde verweigert werden.
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"Man merkt bei dem Lizenzierungsverfahren an manchen Stellen schon, dass es für Profivereine ausgerichtet ist, bei denen sich vier, fünf Hauptamtliche um den Verein kümmern. Aber wir sind dran, ich bin da guter Dinge", sagt der stellvertretende Vorsitzende des FCE, Christopher Reuter über die noch abzuarbeitenden Themen im Hinblick auf die Regionalliga-Zulassung.
FCE könnte bald "am Schönbusch" spielen
Zum einen geht es für den Verein um eine Kaution in Höhe von 50.000 Euro, die der Verein hinterlegen muss. "Wir sind mit der Bank in Kontakt", sagt Reuter. Zweiter Punkt, mit dem sich die Verantwortlichen seit Wochen befassen, ist eine mögliche Ausweichspielstätte für FCE-Heimspiele.
Nach langer Suche scheint der Club noch rechtzeitig ein ausreichend großes, regionalligataugliches Zweit-Stadion gefunden zu haben, das innerhalb von 50 Kilometern Luftlinie liegt - und zwar in einem anderen Bundesland. Denn am Montag will der Verein mit der Stadt Aschaffenburg einen Vertrag unterschreiben, um künftig als Ausweich-Arena das "Stadion am Schönbusch" nutzen zu können. Dort trägt derzeit Viktoria Aschaffenburg seine Partien in der Regionalliga Bayern aus, zudem wird die bis zu 6.620 Zuschauer fassende Arena in dieser Saison von Bayern Alzenau als Ausweichstadion genutzt. "Wir haben da eine sehr gute Kooperation gefunden", ist sich Reuter sicher.
Künftig 65 Kilometer Anreise zum Ausweich-Heimspiel
Für ein Ausweich-"Heimspiel" müsste der FCE also künftig mit dem Auto eine knapp einstündige Anreise auf sich nehmen. Doch in Aschaffenburg scheint das Paket aus Größe und Zustand des Stadions sowie der Finanzierbarkeit zu passen. Und die Stadt liegt auch am Main. "Wir können mit dem Schiff anreisen", sagt Reuter lachend.
Näher gelegene Standorte wurden zwar von den FCE-Verantwortlichen angefragt, waren aber entweder viel zu teuer (Brita-Arena Wiesbaden, Bieberer Berg Offenbach, psd-Bank Arena Frankfurt), baulich nicht (mehr) auf einem regionalliga-tauglichen Niveau (Eschborn, Rüsselsheim), nicht für andere Clubs nutzbar (Dreieich) oder hatten keinen abgetrennten Gästeblock (Brentanobad Frankfurt). Wobei der Verein die Ausweich-Spielstätte im Laufe der Saison noch ändern könnte.
Ausweichen bei Risikospielen und am Saisonbeginn nötig
Die Ausweichspielstätte in Aschaffenburg würde der Verein voraussichtlich bei Risikospielen gegen Teams mit hohem Zuschaueraufkommen (wie zum Beispiel Kickers Offenbach) ansteuern müssen. Oder gleich zu Saisonbeginn da der FCE die heimische Sportanlage an der Staustufe für die Regionalliga erst noch ertüchtigen müsste. Die dafür nötigen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Errichtung von mobilen Tribünen, um die Mindest-Zuschauer-Kapazität von 2.500 Zuschauern zu erreichen oder das Aufstellen von Zäunen für einen abgetrennten Gästeblock würden nach Reuters Schätzung "rund sechs bis acht Wochen" in Anspruch nehmen. Im Falle des Aufstiegs wäre der direkt am Main gelegene Sportplatz also erst wenige Wochen nach Saisonstart wirklich regionalliga-tauglich, zumindest wenn es nach den Regularien der Betreibergesellschaft geht.
"Langfristig wollen wir natürlich alle solche Spiele in Eddersheim spielen", sagt Reuter. Wohlwissend, dass die Regionalliga eigentlich schon über das hinausgeht, was ein Amateurverein infrastrukturell zu leisten imstande ist. Doch in Eddersheim machen die Manpower und Herzblut der Ehrenamtler vieles wett. "Wir haben immer erträumt und erhofft, in diese Sphären hineinzukommen", sagt Reuter, der seit 1992 im Verein ist und in vielen Funktionen im Club gewirkt hat. Nun ist der Verein so nahe wie nie zuvor am Profifußball.