2024-06-24T10:12:48.875Z

Spielbericht
– Foto: Jörn Kutschmann

Club Italia Berlino AdW – Hertha BSC Amateure Zwee 3:1

26. Spieltag Kreisliga A Berlin Staffel 1 Saison 2023/2024

Sonntag, 05.05.2024 13:30 Uhr

Stadion Haselhorst

Ca. 30 Zuschauer

Ich schlurfe die Daumstraße entlang und nippe am letzten Gerstensaft dieser Nacht.

An der Ecke Adickesstraße verabschiede ich mich von Matze an der Stelle, an der wir uns gestern Morgen getroffen haben.

Puh, dieses letzte Bier drückt auf die Blase. Es sind nur noch wenige hundert Meter bis zur Haustür. Aber inklusive Fahrstuhl… das schaffe ich nicht. Der Blick schweift suchend, doch das Gehirn weiß schon, wo es hinwill, und die Beine beginnen zu laufen.

Zwischen dem Parkplatz und dem großen Eingangstor des Stadions Haselhorst ist man vor Blicken geschützt und kann schnell die betrunkene Blase erleichtern.

Diese Szenerie spielte sich fast jedes zweite Wochenende ab. Immer dann, wenn ich im Alkoholnebel von Auswärtsspielen nach Hause wankte.

“Wenn Hertha doch nur hier mal ein Auswärtsspiel hätte”, denke ich bei mir, “dann wäre einiges leichter.” Und dann, nur wenige Dekaden später, stiegen die Hertha BSC Amateure Zwee in die Kreisliga A ab und kamen in dieselbe Staffel wie der Club Italia Berlino AdW.

Und die spielen, genau wie die Haselhorster Alemannia und das New Team Berlin, im Stadion Haselhorst.

Daher war dieser 5.5.24 für mich ein Sehnsuchtsdatum.

In meinem Kopf spielten sich die irrsten Szenen ab: Einfach hinlaufen, mit einem Scooter und der Hertha-Fahne in der Hand ins Stadion einfahren? Oder, oder, oder…

Am Ende fuhr ich ganz schnöde mit dem Auto auf genau jenen Parkplatz, den ich vor so vielen Jahren immer zum Erleichtern überquerte. Der Grund war genauso schlicht wie schön:

Ich hatte die Familie dabei.

Da das Spiel der Amateure Zwee in meiner alten Heimat erst um halb zwei angepfiffen werden sollte, hatte ich am Vormittag noch Zeit, meinem Hobby-Job nachzugehen.

Im Anschluss konnte ich Frauchen und Muschelpöchen einsammeln und gen Haselhorst brausen.

Ach ja - die alte Heimat. Als Haselhorster war man immer ein ganz besonderer Spandauer. Haselhorst liegt nämlich ein wenig Spandau vorgelagert und befindet sich eingeklemmt zwischen der Havel und Berlin. Allerdings gehört die Zitadelle Spandau zu Haselhorst. Das heißt, wenn die Reinickendorfer und/oder die Charlottenburger den Aufstand proben, sind die Haselhorster Spandaus erster Verteidigungswall. Allerdings werden sich alle Berliner hüten, die Spandauer anzugreifen. Dafür dürfte der Stachel des Knüppelkrieges von 1567 noch zu tief sitzen.

Aber wir Spandauer haben Berlin ja nicht nur in den folgenden Jahrhunderten die Friedenspfeife gereicht, wir haben auch zwei Brücken über die Havel gebaut, damit die Berliner sich jederzeit im Glanze ihres schönsten Bezirks sonnen können.

So konnten wir heute über die Spandauer-See-Brücke fahren und hatten das Stadion fix erreicht.

Das alte Tor des Stadions ist übrigens seit sehr langer Zeit verschlossen, und man muss vom Parkplatz ein Stück zurücklaufen, um am Sozialtrakt das Areal zu betreten.

Eigentlich ist das Stadion Haselhorst nur ein Sportplatz mit einem Kunstrasen, aber einer wirklich großen Tribüne. Diese verläuft über die gesamte Länge des Platzes und ist dreistufig. Daher würde sie schon einigen Zuschauern Platz bieten. Europlan beziffert die Kapazität mit 4.500. Heute hatten sich jedoch nur 30 Menschen eingefunden, um dieses Spiel der Kreisliga A um die goldene Ananas zu sehen.

Für beide Vereine geht es um gar nichts mehr.

Die Mannschaft der Amateure Zwee war, bei unserem Erscheinen, bereits dabei, sich warm zu machen, aber irgendwie lag eine Art Katerstimmung über dem Team. Klar, die Saison war anstrengend und, seien wir ehrlich, unbefriedigend. Und da die Klasse seit dem letzten Spieltag sicher war, wandelte sich die Anspannung in eine kleine Lethargie.

Der Club Italia hat in dieser Saison ebenfalls keine Ambitionen mehr nach oben sowie keine Sorgen mehr nach unten. Daher war das Spiel in der ersten Hälfte auch eher ein Auslaufen mit besseren Chancen für die Gastgeber. Da aber keine davon genutzt wurde, ging es torlos in die Pause.

Im zweiten Abschnitt schlug Italia mit einem Doppelschlag zu, ehe Justin vom Elfmeterpunkt den Anschluss herstellte. Der Club Italia war heute aber einfach ein Stück motivierter und stellte die zwei Tore Führung fix wieder her. Das 3:1 war am Ende gerechtfertigt, aber auch irgendwie egal.

Als ich alles abgebaut hatte, war ich auch echt müde. Genauso wie der Sohnemann, der die ganze Zeit mit dem Laufrad um den Platz gedüst war. Für ihn gab es noch ein Eis, für Papa eine Coke, und dann ging es, vorsichtshalber, nochmal aufs WC. Der Weg nach Hause ist heute weiter als damals und nüchtern und im Hellen ist das Pieseln neben dem alten Stadiontor irgendwie doof.

Ha Ho He Amateure Zwee

der Kutten König

Aufrufe: 06.5.2024, 19:12 Uhr
Jörn KutschmannAutor