
Der Ausschluss der DSG Eintracht Gladau wegen "rechtsradikaler Tendenzen" hat in Sachsen-Anhalt hohe Wellen geschlagen. Inzwischen hat der Kreisoberliga-Vertreter aus dem Jerichower Land angekündigt, gegen diese Entscheidung juristisch vorgehen zu wollen. Bei den anderen Vereinen im Landkreis sorgte das Eingreifen des Landesverbands für geteilte Meinungen - zwischen Zuspruch, Verständnis und Ablehnung.
"Natürlich haben wir unsere Erfahrungen mit Eintracht Gladau gemacht - das hat jeder im Jerichower Land", sagte ein Vereinsvertreter in der anonymen Umfrage von FuPa Sachsen-Anhalt. "Es gab kein Spiel gegen Gladau, in dem es keine Vorkommnisse gegeben hat", sagte ein anderer. Von Einschüchterungen über Bedrohungen bis hin zu körperlichen Übergriffen - die Liste an Anschuldigungen ist lang. "Man hatte jedes Mal ein beschissenes Gefühl, wenn man wusste, am Wochenende geht es gegen Gladau", hieß es aus einem anderen Verein gepaart mit einer scharfen Kritik am zuständigen Kreisfachverband: "Jeder wusste, was dort vor sich geht, aber die Funktionäre haben weggeschaut."
Der KFV Jerichower Land selbst hatte verdutzt auf den Ausschluss der DSG Eintracht Gladau reagiert. Diese Entscheidung sei von oben herab und nicht von der Basis getroffen worden, beschwerte sich ein Funktionär gegenüber FuPa. Dabei hatte der KFV Jerichower Land ein Stimmrecht, als sich am Dienstagabend der Gesamtvorstand des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) getroffen und über die Causa Gladau votiert hatte. Man habe sich bewusst der Stimme enthalten, sagte der KFV-Funktionär und äußerte seinen Unmut über das Abstimmungsergebnis: "Es hätte auch andere Lösungen gegeben."
Dieser Meinung sind auch einige Vereinsvertreter. "In erster Linie ist es schade, dass damit wieder zwei Mannschaften aus den Ligen verschwinden. Mir tut es um die Spieler leid, die einfach nur Fußball spielen wollen", sagte ein Trainer. Der Abteilungsleiter eines anderen Clubs schimpfte über "eine überstürzte Entscheidung" und "ein Politikum, das nicht mit dem Sport zu tun" habe: "Na klar gab es Vorfälle, die nicht passieren dürfen, aber die gibt es doch immer mal wieder. Deswegen kann man doch nicht jeden Verein rausnehmen." Und einer der befragten Vereine hätte "noch nie negative Erfahrungen mit Gladau" gemacht.
In der Überzahl waren in der FuPa-Umfrage allerdings die Clubs, die den Ausschluss der DSG Eintracht befürworten. "Es gab schon einmal den Gedanken von mehreren Vereinen, gemeinsam eine Unterschriftensammlung zu starten, um nicht mehr gegen Gladau zu spielen", berichtet ein Abteilungsleiter und verdeutlicht: "Wenn irgendeiner unserer Spieler Angst hat, gegen einen Verein anzutreten, dann geht es deutlich zu weit. Das hat nichts mehr mit Kreisoberliga-Fußball zu tun." Diese Einschätzung teilt ein anderer Club-Funktionär: "Wir hatten überlegt, gegen Gladau nicht anzutreten. Weil der dritte Nichtantritt in einer Saison aber den Ausschluss aus dem Ligabetrieb bedeuten würde, haben wir uns dagegen entschieden."
Auch der Erfolg oder Misserfolg hätte stets eine Rolle gespielt, wenn es um Eskalationen auf und abseits des Fußballplatzes ging: "Einen Fehler durfte man nicht machen - gegen Gladau gewinnen", heißt es in diese Richtung. "Ich glaube, jeder Verein im Kreis wird sich über diese Entscheidung freuen." Auf etliche Clubs im Jerichower Land mag das zutreffen. Doch hat die FuPa-Umfrage auch gezeigt: Einige wenige Vereine sowie der Kreisfachverband stehen dem Ausschluss der DSG Eintracht Gladau kritisch gegenüber.
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