2024-06-17T07:46:28.129Z

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Führungsfigur bei den Römern: Daniel Seidl.
Führungsfigur bei den Römern: Daniel Seidl. – Foto: Karl-Heinz Hönl

Der Schattenmann

Wie geht's Künzings Kapitän Daniel Seidl (28) damit, dass fast immer nur von seinem Bruder die Rede ist?

Ist die Rede vom FC Künzing, dann ist zumeist die personifizierte Tormaschine gemeint. Sein Bruder Daniel Seidl steht im Schatten. Zu Unrecht, denn der 28-Jährige ist die Führungsfigur bei den "Römern", seit acht Jahren trägt er die Kapitänsbinde. Wie geht er damit um, dass er meistens im Hintergrund steht?

"Das stört mich überhaupt nicht, dass Chris mehr im Fokus ist", versichert Daniel Seidl und gibt offen zu: "Ich kann mich gut einschätzen und muss einfach sagen: Er ist der Bessere. Und mehr Qualität zieht eben auch mehr Aufmerksamkeit auf sich." Der ältere der Seidl-Brüder sticht selten heraus - das will er aber auch gar nicht. Ganz Teamplayer lässt er wissen: "Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben und stelle mich in den Dienst der Mannschaft." Dass er seinem Bruder die Aufmerksamkeiten und Schmeicheleien nicht gönnen würde, ja dass er sogar neidisch auf ihn wäre, davon kann wahrlich nicht die Rede sein: "Wir verstehen uns super, leben sogar unter einem Dach. Wir unternehmen sehr viel zusammen. Unser Verhältnis ist super."

Klatsch ab Bruder: Daniel Seidl (mi.) feiert einen Treffer.
Klatsch ab Bruder: Daniel Seidl (mi.) feiert einen Treffer. – Foto: Robert Geisler


Der Kapitän und der Goalgetter, sie geben zusammen mit Stefan Zitzelsperger und Vincenz Heringlehner die Richtung bei den "Römern" vor. "Dabei bin ich eher nicht der Lautsprecher, der ständig auf dem Platz oder in der Kabine rumschreien muss", beteuert Daniel Seidl. Durch Leistung auf dem Platz gelte es zu überzeugen. Und nicht nur da: "Für mich heißt Kapitän sein auch, dass ich abseits des Rasens für den Verein Aufgaben übernehme. Sei es im Ausschuss oder bei der Organisation von Ausflügen. Die Stimmung muss passen, das ist ganz wichtig bei uns und hebt uns auch von anderen Klubs ab."

Der Papa als Trainer: »Bei uns daheim gab`s immer nur Fußball.«

Die Anfänge im Seniorenbereich wurden noch vom Papa begleitet. Alois Seidl coachte den FCK Anfang des vergangenen Jahrzehnts vier Spielzeiten lang. Ein Problem für Filius Daniel? Schließlich lässt man sich gerade mit Anfang 20 ungern etwas vom Vater sagen: "Leicht war das nicht", muss der Sohn lachen, fügt dann aber schmunzelnd an: "Nein, im Ernst, es hat mir - und ich denke da kann ich auch für Chris sprechen - nichts ausgemacht. Wir waren es ja schon aus dem Jugendbereich gewohnt, da war er auch unser Trainer. Bei uns daheim gab`s immer nur Fußball, andere Interessen hatten wir nicht." Eine Einschränkung fällt ihm aber dann doch noch ein und er lacht erneut: "Vom eigenen Papa wird man natürlich immer etwas kritischer gesehen."

Daniel Seidl ist im Abwehrzentrum zuhause.
Daniel Seidl ist im Abwehrzentrum zuhause. – Foto: Karl-Heinz Hönl


In dieser Spielzeit hatten sich Seidl jun. und Co. ein wenig mehr erhofft, das ist kein Geheimnis. Sollte der Spielbetrieb wann auch immer wieder aufgenommen werden, dürfte es wohl nur noch um Rang drei gehen. Das Top-Duo ist schon enteilt. "Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht und in den Schlussminuten viele Gegentore hergeschenkt." Warum sich immer wieder Richtung Ende des Spiels diese Schludrigkeiten einschleichen, darauf kann sich der Kapitän auch nicht so recht einen Reim machen: "Vielleicht ist es eine Kopfsache. Ein Fitnessproblem haben wir nicht." Freilich wäre es ein Traum, mit seinen Künzinger Jungs in die Landesliga aufzusteigen - aber nicht um jeden Preis: "Das würde schwierig für uns werden, weil das Niveau doch noch einmal ungleich höher ist. Auf Teufel komm raus muss das nicht sein, vielleicht ist die Konstellation im Moment günstiger."

Nicht mehr das FCK-Trikot tragen? Sehr schwer vorstellbar.

Seinen Heimatverein eines Tages zu verlassen, das kann sich Daniel Seidl im Moment nicht vorstellen. Eines fernen Tages würde ihn schon mal eine Trainertätigkeit reizen, aber: "Ich kann hier mit meinen Freunden spielen, komme mit dem Fahrrad ins Training", listet der 28-Jährige, der beruflich bei der Firma Zillinger in Osterhofen im Außendienst tätig ist, die Vorteile bei den "Römern" auf. "Und dass ich weggehe, um vielleicht in der Kreisklasse ein paar Euros zu verdienen, das ist es mir nicht wert." Dafür steht er auch gerne im Schatten seines kleinen Bruders.

Aufrufe: 09.4.2020, 11:05 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor