Schiedsrichter werden eigentlich nur wahrgenommen, wenn sie schlecht pfeifen. Dann wird geschimpft. Sind sie gut, werden sie ignoriert. Nix g'sogd is g'lobt gnuah - ist oft das Motto. FuPa will das in der Winterpause ändern. Mit der Serie "Alte Pfeifen", in deren Rahmen altgediente Unparteiische auf Kreisebene in den Fokus rücken. Männer (und auch Frauen), die jede Woche dafür sorgen, dass die unzähligen Amateurspiele überhaupt über die Bühne gehen können. Teil 5: Siegfried Domani (73 Jahre/FC Untermitterdorf)
Bitte stelle zunächst einmal die Eckpunkte Deiner Schiedsrichter-Karriere dar.
Bereits während meiner aktiven Zeit in St. Oswald war ich Jugendtrainer. Ist kein Schiedsrichter gekommen, musste immer einer der Gastmannschaft pfeifen. Und das war meist ich. Irgendwie ist das dann immer mehr geworden, sodass ich 1977 die Schiedsrichter-Prüfung abgelegt habe. Drei, vier Spiele pro Wochenende sind noch heute normal. An einem Sonntag habe ich sogar mal vier Partien geleitet. Sechs Jahre in meiner Karriere habe ich mehr als 100 Spiele pro Jahr gemacht. Einmal waren es sogar 120 Partien. 3000 Einsätze dürften es also insgesamt locker sein.
„Nie im Leben“, ist oft zu hören, wenn eigentlich Fußballbegeisterte darauf angesprochen werden, ob sie denn nicht Unparteiischer werden möchten. Warum gilt für Dich „liebend gerne“?
Weil mich die Schiedsrichterei interessiert. Zudem ist es schön, unter Leute kommen - da erfährt man so einiges. Hinzu kommt noch, dass mir die Rolle als Aufpasser gefällt.
Das wohl gewichtigste Contra-Argument gegen eine Karriere an der Pfeife sind Anfeindungen. Wie oft wirst Du verbal angriffen? Wie gehst Du damit um? Wurdest Du sogar schon einmal körperlich angegangen?
Körperlich angegriffen: Im Leben noch nicht. Und ein paar Namen gehören einfach dazu. Die höre ich gar nicht mehr. Früher noch bin ich zu denjenigen hin, die mich beschimpft haben und habe gesagt "Bi staad, sonst gehst" oder "Bist du vom Frühschoppen übrig geblieben?". Inzwischen kann ich nur noch lachen, wenn jemand reinschreit. Meistens hilft's, ein bisschen Gaudi zu machen, dann sind sie automatisch still.
Wie würdest Du Dein Auftreten als Schiedsrichter beschreiben? Bist Du eher der autoritäre Typ, der keinen Widerspruch duldet – oder eher der Freund auf dem Feld, der vieles über Zwischenmenschlichkeit regelt?
Ich bin immer freundlich, möchte mit jedem auskommen. Reden ist das A und O. Verteilst du nur Karten, wird die Stimmung nur noch schlechter. Was ich aber gar nicht will, ist meckern. Das hat sich inzwischen rumgesprochen. Ich habe schon mehrmals Trainer gehört, die vor einem Spiel zur Mannschaft gesagt haben: "Da Domani pfeift. Seids staad."
Was hat sich im Umgang auf dem Sportplatz im Vergleich zu früheren Tagen verändert?
Es hat sich was verändert, ja. Das Spiel ist nicht mehr so grob wie früher. Insofern ist es besser geworden.
Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Welche Regel würdest Du sofort abschaffen?
Abseits ist Abseits. Ob passiv oder aktiv, ist egal!
Wann ist ein Handspiel ein Handspiel: Kannst Du das möglichst einfach erklären?
...wenn ich pfeife. So richtig und einfach zu erklären ist das Ganze nicht. Du kannst dich ja nicht auflösen, deshalb muss ein Handspiel für mich offensichtlich sein.
Gibt es das eine Spiel in Deiner Karriere, das hängengeblieben ist?
Nein, eigentlich nicht. Das ein oder andere Spiel ist sicher dabei, das in Erinnerung geblieben ist. Aber darüber schweige ich lieber
Die Schiedsrichter werden immer weniger, manche Spiele können nicht mehr besetzt werden. Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?
Das ist ganz einfach: Schreien die Zuschauer nicht mehr so viel rein, haben wir wieder mehr Schiedsrichter. Denn deshalb hören viele junge Schiedsrichter auf.
Abschließend der Blick in die Zukunft: Wie lange bleibst Du noch am Ball?
Die 50 Jahre als Schiedsrichter will ich noch unbedingt voll machen. Ich hoffe, die Gesundheit lässt - trotz zweiter Herzinfarkte - noch viele Jahre zu.
Danke für das Gespräch - und weiterhin: Guf Pfiff!