2025-04-02T15:12:16.030Z 1743729547638

Ligabericht
Die "erzieherische Maßnahme", also Karten, sind für Rainer Garbas das letzte Mittel.
Die "erzieherische Maßnahme", also Karten, sind für Rainer Garbas das letzte Mittel. – Foto: Robert Geisler

Alte Pfeifen (1): Die 2.500-Spiele-Marke will er noch knacken

Schiedsrichter-Urgesteine auf Kreisebene: Rainer Garbas (FC Vilshofen) ist seit 1993 im Einsatz

Verlinkte Inhalte

Schiedsrichter werden eigentlich nur wahrgenommen, wenn sie schlecht pfeifen. Dann wird geschimpft. Sind sie gut, werden sie ignoriert. Nix g'sogd is g'lobt gnuah - ist oft das Motto. FuPa will das in der Winterpause ändern. Mit der Serie "Alte Pfeifen", in deren Rahmen altgediente Unparteiische auf Kreisebene in den Fokus rücken. Männer (und auch Frauen), die jede Woche dafür sorgen, dass die unzähligen Amateurspiele überhaupt über die Bühne gehen können. Teil 1: Rainer Garbas (62 Jahre/FC Vilshofen)

Bitte stelle zunächst einmal die Eckpunkte Deiner Schiedsrichter-Karriere dar.
Ich habe 1975 bei der SpVgg Hacklberg mit dem Fußballspielen begonnen - zuerst in der Schüler- und später in der Jugendmannschaft. Bis 1980 habe ich gespielt, dann ließ es die Arbeit zeitlich nicht mehr zu. Später bin ich noch für den FC Hundsdorf und dem FC Schalding aufgelaufen. Ich wurde aber immer nur ein- und ausgewechselt. Ich war schlicht und einfach zu schlecht für die erste Herrenmannschaft und spielte bis 1993 vorwiegend in der Reserve. Im März 1993 begann dann meine Schiedsrichter-Laufbahn - auf dem Höhepunkt durfte ich neun Jahre Kreisliga und eine Saison Bezirksliga pfeifen.

„Nie im Leben“, ist oft zu hören, wenn eigentlich Fußballbegeisterte darauf angesprochen werden, ob sie denn nicht Unparteiischer werden möchten. Warum gilt für Dich „liebend gerne“?
Weil es einfach immer wieder Spaß gemacht hat, an neue Orte und Fußballplätze zu fahren, wo man niemanden kennt und wo auch dich niemand kennt.

Das wohl gewichtigste Contra-Argument gegen eine Karriere an der Pfeife sind Anfeindungen. Wie oft wirst Du verbal angriffen? Wie gehst Du damit um? Wurdest Du sogar schon einmal körperlich angegangen?
Zwischen fünf und acht Fehler pro Spiel werden mir sicherlich unterlaufen. Ich habe meine Entscheidungen immer selbstkritisch gesehen. Körperlich wurde ich noch nie angegriffen. Angeschrien und beleidigt: Ja, das schon. Aber darüber muss man hinweghören: In das eine Ohr rein und gleich aus dem anderen Ohr wieder raus...

– Foto: Robert Geisler

Wie würdest Du Dein Auftreten als Schiedsrichter beschreiben? Bist Du eher der autoritäre Typ, der keinen Widerspruch duldet – oder eher der Freund auf dem Feld, der vieles über Zwischenmenschlichkeit regelt?
Ich bin weder Freund noch Feind. Unparteiisch und bei 0:0 bei jedem Spiel beginne ich - egal ob am Rasen, in der Halle oder am Kunstrasenplatz. Gerecht muss es bei mir zugehen, das ist wichtig. Es ist auch besser, ein kurzes, klares Gespräch mit einem aufgebrachten Spieler zu führen, als nie zu reden und gleich die erzieherische Maßnahme anzuwenden. Der Ton macht die Musik!

Was hat sich im Umgang auf dem Sportplatz im Vergleich zu früheren Tagen verändert?
Wenn ich inzwischen zu einem Spielort fahre, kenne ich teilweise die Vorstände, Trainer oder Verantwortlichen des Vereins. Einen Smalltalk vor und nach dem Spiel schätze ich bei vielen Vereinen sehr, da am Ende der Zugang zueinander mit Gesprächen wieder passen soll.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Welche Regel würdest Du sofort abschaffen?
Das Ein- und Auswechseln beim ruhenden Ball: Ich würde die Regel in den unteren Ligen wieder rückgängig machen, dass die Spieler überall den Platz verlassen können bei einem Wechsel. Vor allem wenn man alleine pfeift, ist dies sehr unübersichtlich und kostet auch viel Zeit.

Wann ist ein Handspiel ein Handspiel: Kannst Du das möglichst einfach erklären?
Das ist derzeit ein Schwerpunkt, über den jede Woche gefühlt schon wieder eine neue Schablone darübergelegt wird. Fakt ist: In den untersten Ligen, in denen ich im Einsatz bin, ist das Erkennen einer klaren Absicht des Handspieles im Vordergrund. Dann ist der Pfiff unerlässlich und muss mit einer Verwarnung abgeschlossen werden. Alle anderen Schein-Handspiele werden von mir ignoriert und es wird weitergespielt.

– Foto: Robert Geisler

Gibt es das eine Spiel in Deiner Karriere, das hängengeblieben ist?
Es gibt sehr viele Spiele, die ich nie vergessen werde. Ein Entscheidungsspiel um die Kreisklassen-Qualifikation in Simbach 2002 vor rund 800 Zuschauern, bei dem nach einem Tor zirka 30 Plastikbecher auf das Spielfeld geflogen sind. Mein 1000. Spiel als Schiedsrichter am 22. April 2012 in Straßkirchen gegen Rathsmannsdorf oder das Derby und 1500. Spiel am 28. Juli zwischen Fürstenstein und Nammering vor 350 Zuschauern. Das 2000. Spiel am 10. September 2022 zwischen Passau West II und Batavia Passau II gehört dazu. Alles prägende Einschnitte in meinem Leben als Schiedsrichter, die mir sehr geholfen haben.

Die Schiedsrichter werden immer weniger, manche Spiele können nicht mehr besetzt werden. Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?
Ja, die Schiedsrichter werden leider immer weniger im niederbayerischen Raum. Die SR-Gruppe Passau hat das große Glück, 2024 26 Teilnehmer im Neulingskurs gehabt zu haben. Da spreche ich meinem Obmann Leebmann, dem Lehrwart Thoma und dem Jugendobmann Scheungrab für die Ausbildung und Durchführung großen Respekt und ein herzliches Dankeschön aus.

Abschließend der Blick in die Zukunft: Wie lange bleibst Du noch am Ball?
Gesundheit wünsche ich allen derzeit erkrankten Schiedsrichtern und wünsche baldige Genesung, damit sie wieder an unseren Aktivitäten teilnehmen und zu den Spielen eingeteilt werden können. Weiterhin unterstütze ich jährlich die Ausbildung, Beobachtung und Förderung der Neulinge. Wir bleiben am Ball! Bei derzeit 2.260 Spielen peile ich die 2.500-Marke noch an.

Danke für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft!

Aufrufe: 01.12.2024, 08:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor