
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: am späten Donnerstagnachmittag landete ein Presseschreiben der FLF in den Mailboxen verschiedener Sportredaktionen, in dem man die sofortige Entlassung von Dan Santos, Cheftrainer der Frauen-Nationalmannschaft, bekanntgab. Die Gründe waren schwerwiegend, von unangemessenen Nachrichten an Spielerinnen war die Rede, die den ethischen Werten des Verbandes widersprachen.
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Wie wort.lu am Freitag unter Berufung auf FLF-Jurist und Pressesprecher Marc Diederich berichtete, sei eine „hohe einstellige Zahl“ von Spielerinnen betroffen – was im Prinzip mehr oder weniger einem Drittel eines Spielaufgebots entspricht. Manche Nachrichten würden, ebenfalls laut wort.lu, aus mehreren Jahren stammen. Minderjährige seien nicht betroffen. Radio 100,7 bestätigte am Freitag auf seiner Website, dass manche von Santos' Nachrichten in der Tat bis 2022 zurückreichen würden.
Laut lessentiel.lu, unter Berufung auf Marc Diederich, habe Santos „regelmäßig rund zehn Spielerinnen Komplimente gemacht“ und zitiert ein Beispiel, in dem Santos auf schöne Augen hinwies. Diese und andere Nachrichten sollen dem Nachrichtenportal zufolge per Messenger oder Whatsapp verschickt worden sein.
Auf tageblatt.lu ist zu lesen, dass es schon 2023 Gerüchte gegeben hätte, aber keine Beweise. Damals hätten Vereinsverantwortliche die FLF auf mögliche Probleme hingewiesen. Warum das Ganze erst dieser Tage bekannt wurde, konnte Marc Diederich sich nicht erklären. Verschiedene Medien berichteten übereinstimmend, dass Spielerinnen erst jetzt an die Verantwortliche für den Frauenfußball im Verwaltungsrat der FLF, Carine Nardecchia, herangetreten seien, um auf die Missstände hinzuweisen.
Präziser wurde bis zum Redaktionsschluss unseres Artikels am Samstag um 11 Uhr Radio 100,7. Dort wurde berichtet, dass es sich um die vier Kapitäninnen der Mannschaft gehandelt habe, die Nardecchia in Kenntnis setzten. Le Quotidien schrieb am Freitag, dass Kapitänin Laura Miller Alarm geschlagen hätte. Am Mittwoch hatte eine außerordentliche Sitzung des Verwaltungsrats stattgefunden, in der Bildschirmfotos von Nachrichten vorgelegt worden seien, aufgrund derer eine Entscheidung getroffen wurde. Neben verschiedenen Medienberichten bestätigte dies auch eine Quelle gegenüber FuPa.
Ebenfalls unter Berufung auf Marc Diederich erklärte rtl.lu am Freitag, dass es nach dem zweiten Schottland-Spiel zu Spannungen gekommen sei. Die FLF hätte, wie eingangs erwähnt, konkrete Beweise erhalten, dass die Gerüchte stimmen würden. Für den Fußballverband sei die Geschichte laut Diederich damit abgeschlossen.
Wiederum von Radio 100,7 berichtet sei dagegen für diesen Samstag, den 14.März ein Meeting zwischen dem Verband, den Spielerinnen und dem verbleibenden Trainerstab geplant, bei dem es den Angaben zufolge aber darum gehen würde, eine Lösung auf sportlichem Plan für die kommenden Spiele in der Nations League zu finden. Auch dieses Treffen konnte die zuvor zitierte Quelle FuPa gegenüber bestätigen. Lessentiel.lu schreibt davon, dass dieses Treffen ebenfalls genutzt werden soll, um zu erörtern, weshalb so lange gewartet wurde, um das Verhalten von Santos zu melden.
FuPa hatte am Donnerstag ebenfalls versucht, Kontakt zur Mannschaft und ihrem jetzigen Ex-Trainer aufzunehmen. Die beiden angeschriebenen Führungsspielerinnen baten um Verständnis, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt nichts zu dieser Angelegenheit sagen wollten. Eine Anfrage an Santos blieb bis Samstagmorgen unbeantwortet.
Unsere Quelle wollte FuPa gegenüber keinen offiziellen Kommentar abgeben, deutete aber an, dass es wohl Auffälligkeiten im Rahmen der Schottland-Spiele gegeben haben könnte. FuPa fiel in der Tat eine solche auf, nämlich die außergewöhnlich kurzen Einsatzzeiten einer eigentlichen Stammspielerin in besagten Partien. Diese Spielerin stand in den vergangenen Jahren bei rund sechzig Prozent der Spiele, in denen sie zum Einsatz kam, über siebzig Minuten auf dem Platz. Gegen Schottland kam sie als Einwechselspielerin nur zu zwei Kurzeinsätzen. Doch es bleibt dabei, dass dies höchstens ein Indiz auf Unstimmigkeiten ist und genauso gut taktisch bedingt gewesen sein könnte.
FuPa konnte, wie andere Medien auch, FLF-Präsident Paul Philipp und Verwaltungsratsmitglied Carine Nardecchia bislang nicht für eine Stellungnahme erreichen.