2024-06-19T10:33:50.932Z

Ligavorschau
Gemütsbewegungen gehören dazu: Anja Riebesecker lebt Fußball mit Haut und Haar.
Gemütsbewegungen gehören dazu: Anja Riebesecker lebt Fußball mit Haut und Haar. – Foto: Werner Kroiß

Abschied nach 19 Jahren: »Es wird emotional werden«

21. Spieltag in der Frauen-Bayernliga: Anja Riebesecker verabschiedet sich (vorerst) vom SV Frauenbiburg +++ Derby Kirchberg vs. Ruderting +++

Ja, man kann durchaus von einer Ära sprechen, die da am Sonntag des 21. Spieltages der Frauen-Bayernliga zu Ende geht. Nach 19 Jahren beim SV Frauenbiburg - zunächst als (Jugend-)Spielerin, dann als Trainer - verabschiedet sich Anja Riebesecker (vorerst). Weil die studierte Sportwissenschaftlerin aus Seifriedswörth (Lkr. Landshut) am letzten Spieltag aus privaten Gründen fehlen wird, ist das letzte Heimspiel der Saison gleichzeitig ihre letzte Partie. Deshalb: Vorhang auf für das Abschluss-Interview mit der 32-Jährigen. Der B-Lizenz-Inhaberin gehört die Bühne...

Anja, am Samstag steht Deine (vorerst) letzte Partie in Diensten des SV Frauenbiburg an. Hast Du Dir schon mehrere Tempo-Packungen vorbereitet? Werden Tränen fließen?
Natürlich wird es für mich ein klein wenig emotional werden - oder sogar etwas mehr. Immerhin war ich ja doch einige Jahre da. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich so auch nie Tempos dabei habe - also werde ich vermutlich am Sonntag auch keine haben. (schmunzelt)

Seit der C-Jugend (2005) bist Du beim SVF aktiv. Erst als Spielerin, dann als Trainerin. Was nimmst Du generell mit aus dieser Zeit?
Es ist ja doch eine sehr lange Zeit, da gibts viel mitzunehmen. Ich bin als Jugendliche im Alter von 14 Jahren in Frauenbiburg aufgetaucht und gehe jetzt mit Anfang 30. Im Endeffekt bin ich in dieser Zeit zu dem Menschen geworden, der ich jetzt bin. Die Zeit hat mich durchaus geprägt. Ich hab Freundschaften fürs Leben geknüpft und habe Erfolge gefeiert, wie sie nur wenige bei uns im Umkreis im Frauenfußball vorweisen können. Und ich bin vor allem die vergangenen Jahre als Trainerin noch mal persönlich gewachsen.

Was bedeutet Dir der Verein inzwischen?
Der Verein ist für mich meine zweite Heimat, meine zweite Familie. Nicht nur sportlich...

Welches Ergebnis bzw. Erlebnis der vergangenen 19 Jahre würdest Du gerne streichen?
Puh, es gab viele bittere Niederlagen, auch Abstiege. Aber diese gehören zum Fußball dazu. Verletzt war ich nie wirklich. Von dem her fällt mir im ersten Moment nichts ein, was ich streichen möchte. Jedes Spiel, jedes Tor und auch jede Niederlage bringt dich in irgendeiner Weise weiter.

Was war das Highlight in diesen knapp zwei Jahrzehnten?
Natürlich die Erfolge. Besonders als der gesamte Verein - also B-Mädels, Herren und Damen - in einer Saison aufgestiegen ist. Aber auch die Bayerischen Meisterschaften, die ich als Spieler und Jugendtrainer feiern durfte, sind durchaus Highlights.

Nach der Winterpause 2023 übernahm Anja Riebesecker den SV Frauenbiburg als hautpverantwortlicher Trainer.
Nach der Winterpause 2023 übernahm Anja Riebesecker den SV Frauenbiburg als hautpverantwortlicher Trainer. – Foto: Werner Kroiß


Gemeinhin bekannt ist der Sprung vom Spielerdasein auf die Trainerbank oft nicht so einfach. Hinzu kommt in Deinem Falle noch, dass Du den Übergang in einem Verein, Deinem Verein, geschafft hast. Warum hat es bei Dir - im Gegensatz zu vielen anderen - geklappt?
Ich bin als Interimstrainer gestartet. Die Regionalliga-Saison damals war quasi im Winter schon durch für uns und wir hatten keinen Druck mehr. Das macht es vielleicht einfacher. Und ich war ja doch schon davor einige Jahre Jugendtrainer, daher war nicht alles neu. Dazu kommt noch, dass ein knappes halbes Jahr Pause dazwischen gelegen hat, in dem ich den nötigen Abstand gewonnen habe. Außerdem bin ich von Beginn gut von Lisa Wutz und Lea Hochholzer unterstützt worden. Das Team hat meiner Meinung nach im vergangenen Jahr gut funktioniert. Und vielleicht war gerade die Eingewöhnung in meinem Verein genau die richtige.

Ist es für Dich schwierig, als Trainer über Freundinnen und ehemaligen Mitspielerinnen zu stehen? Wie weh tun da manche harte Entscheidungen?
Auch hier hab ich es wieder leicht, da wir vergangenes Jahr doch einen gewaltigen Umbruch hatten und nur noch wenige meiner ehemaligen Weggefährten in der Mannschaft aktiv sind. Aber ja, es ist trotzdem schwer, wenn man sich entscheiden muss - unabhängig von Freund oder nicht. Aber so geht's doch jedem Trainer. Man möchte am liebsten jeden Spielen lassen, vor allem wenn sie fleißig trainieren. Aber das ist leider nicht immer möglich...

Wie hat sich der Frauenfußball entwickelt, seitdem Du mit dabei bist? Ausschließlich positiv - allein angesichts dessen, dass nun drei niederbayerische Teams der Bayernliga angehören? Oder gibt es auch negative Aspekte, Entwicklungen?
Grundsätzlich ist die Qualität der Spielerinnen schon enorm gestiegen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Mädchen jetzt oft bewusst von den Verantwortlichen länger bei den Jungs mitspielen dürfen. Und dass jetzt drei niederbayerische Vereine in der Bayernliga sind, finde ich für den Frauenfußball in unserer Region super. Jetzt müssen wir es nur die nächsten Jahre auch weiter beweisen - egal ob Kirchberg, Ruderting oder auch wir, der SV. Schwierig wird es erst, wenn einige Vereine anfangen, Geld zu zahlen, während andere sich das nicht leisten können. Denn das hat den Frauenfußball bisher immer geprägt: Jeder macht's aus Spaß an der Freude. Ich bin gespannt, in welche Richtung es hier in absehbarer Zeit geht...

Wie sehr haderst Du damit, dass die Frauen noch immer im Schatten der Herren stehen?
Damit hab ich mich schon lange abgefunden, wobei: Der Frauenfußball hat in den vergangenen Jahren einiges mehr an Aufmerksamkeit bekommen.

Was können die Frauen von den Herren noch lernen?
Nicht viel. Es gibt bei beiden Geschlechtern Charaktere und Aktionen, die positiv und negativ auffallen. Klar ist der Frauenfußball nicht so schnell, das ist aber rein der Athletik und der Körperstruktur geschuldet. Taktisch und technisch gibt's nicht mehr viel Unterschiede.
Als Spielerin war Anja Riebesecker (rechts) eine fest Größe in der Regional- und Bayernliga.
Als Spielerin war Anja Riebesecker (rechts) eine fest Größe in der Regional- und Bayernliga. – Foto: Redaktion Schwandorf


Und umgekehrt?
Dass es jede Fußballerin ohne Bezahlung macht. Es gibt also keine Söldner. Man wechselt nicht einfach zum Nachbarverein, weil man da 100 Euro mehr bekommt. Fußball ist bei uns Frauen reines Hobby! Jeder kickt, weil es ihm Spaß macht. Der Aufwand, den man in der Bayernliga betreibt, ist enorm. Ich glaube, das würde kein Mann für lau machen.

Welche Prognose hast Du für die Zukunft des SVF?
Schwierig, es ist alles möglich. Das aktuelle Team hat ein riesen Potenzial. Wir sind im Durchschnitt 19 Jahre alt, die zwei Ältesten verlassen den Verein - daher ist die Prognose durchaus positiv. Aber: Das Team muss auch so zusammen bleiben. Ich wünsche mir, dass sie alle am Ball bleiben, auch wenn's mal nicht so läuft. Mit einem Nachfolger Thomas Jost hat der Verein ein gutes Händchen bewiesen. Daher bin ich insgesamt positiv gestimmt.

Und Dein persönlicher Blick in die Glaskugel: Wann wird Anja Riebesecker in welcher Funktion auf die Fußball-Bühne zurückkehren? Könntest Du Dir vorstellen, auch Herren zu trainieren?
Ich will jetzt erst mal eine Pause. Aber ich weiß nicht, wie lange (schmunzelt). Fußball hat mein ganzes Leben geprägt. Ich weiß nicht, ob ich mir ein Leben ohne Fußball vorstellen kann und viele meiner Freunde glauben bis heute nicht, dass es das war (lacht). Außerdem hab ich nicht ohne Hintergedanken den B-Schein gemacht. Grundsätzlich kann mir vorstellen, wieder als Trainer zu arbeiten. Auch bei den Herren. Warum nicht?

Vielen Dank für das Interview, ein schönes letztes Spiel - und alles Gute für die Zukunft!

Die Partien des 21. Spieltages in der Übersicht:

Spielfrei: SpVgg Greuther Fürth

Aufrufe: 024.5.2024, 06:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor