2026-06-03T09:07:03.210Z

Allgemeines

1860-Zwangsabstieg: TSV Havelse will in 3. Liga bleiben

Der finanzielle Kollaps beim TSV 1860 München hat Folgen für die 3. Liga und den Norden: TSV Havelse darf nach dem sportlichen Abstieg plötzlich wieder vom Klassenerhalt träumen.

von red · Heute, 21:48 Uhr · 0 Leser
1860 am Boden - TSV Havelse grätscht dazwischen?
1860 am Boden - TSV Havelse grätscht dazwischen? – Foto: Sven Leifer

Der nächste Tiefpunkt in der Geschichte des TSV 1860 München ist offiziell. Der Traditionsverein erhält für die kommende Saison keine Zulassung für die 3. Liga und muss nachträglich in die Regionalliga absteigen. Hintergrund ist ein nicht fristgerecht erbrachter Liquiditätsnachweis. Nach Vereinsangaben hängt die Entscheidung mit einer nicht erfüllten Finanzierungszusage von Investor Hasan Ismaik und den mit ihm verbundenen Unternehmen zusammen.

>>> Hier geht es zum WhatsApp-Kanal der 3. Liga

Damit wiederholt sich für die Löwen ein Szenario, das den Klub schon 2017 hart getroffen hatte. Damals stürzte 1860 ebenfalls aus finanziellen Gründen in die Regionalliga ab. Nun folgt, exakt 60 Jahre nach dem deutschen Meistertitel, der nächste Zwangsabstieg. Für den TSV Havelse könnte diese Entscheidung dagegen zur unverhofften Rettung werden.

2,7 Millionen Euro fehlen - 1860 muss runter

Schon vor der endgültigen Entscheidung hatten sich die Hinweise auf massive Probleme verdichtet. Medienberichte sprachen von einer Finanzierungslücke in Höhe von 2,7 Millionen Euro, die der Verein gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund nachweisen musste. Über Wochen wurde in München verhandelt, diskutiert und gehofft. Anwälte und Insolvenzexperten wurden eingeschaltet, Fans verfolgten die Entwicklung bis zuletzt mit großer Sorge.

Am Ende reichte es nicht. Die notwendigen Unterlagen konnten aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel nicht vollständig erbracht werden. Damit ist klar: Statt Duellen mit Klubs wie Rot-Weiss Essen, Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf II warten auf 1860 in der kommenden Saison Aufgaben in der Regionalliga Bayern.

In der Vereinsmitteilung heißt es: „Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA wird aufgrund eines nicht fristgerecht erbrachten Liquiditätsnachweises die erforderliche Zulassung für die 3. Liga durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht erhalten. Ursächlich dafür ist eine nicht erfüllte Finanzierungszusage unseres Gesellschafters Hasan Ismaik und der mit ihm verbundenen Unternehmen.“

Präsident Gernot Mang wird darin mit den Worten zitiert: „Diese Entwicklung ist besonders enttäuschend, da sowohl die Geschäftsführung als auch die Vertreter des Muttervereins auf die Einhaltung der getroffenen Zusage vertraut haben. Wir haben uns als Vereinsvertreter immer kompromissbereit gezeigt, können uns aber nicht über satzungs- und verbandsrechtliche Vorgaben hinwegsetzen.“

Havelse rückt plötzlich wieder in den Fokus

Von dieser Entscheidung profitiert sportlich zunächst der TSV Havelse. Die Niedersachsen waren als erster sportlicher Absteiger aus der 3. Liga abgestiegen. Wenn 1860 nun aufgrund der Lizenzentscheidung ans Tabellenende gesetzt wird, reduziert sich die Zahl der sportlichen Absteiger entsprechend. Havelse könnte damit doch noch in der Liga bleiben.

In den vergangenen Tagen hatte es allerdings bereits Spekulationen gegeben, ob Havelse diese Möglichkeit überhaupt wahrnehmen könnte oder wollte. Ein Thema war vor allem die Stadionfrage. Das heimische Wilhelm-Langrehr-Stadion erfüllt die Anforderungen der 3. Liga nicht. In der abgelaufenen Saison wich Havelse ins Eilenriedestadion aus, wo allerdings ebenfalls organisatorische Fragen im Raum standen.

Nun hat der Verein selbst reagiert - und dabei deutlich gemacht, dass die Voraussetzungen für eine Drittliga-Saison vorbereitet wurden.

Havelse nennt das Eilenriedestadion

In der Erklärung des TSV Havelse heißt es: „Der TSV Havelse hat für die 3. Liga, die Regionalliga Nord sowie die U19-Nachwuchsliga alle erforderlichen Unterlagen fristgerecht und vollständig beim DFB bzw. NFV eingereicht und an den jeweiligen Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren teilgenommen. Das Ergebnis der jeweiligen Verfahren wird dem Verein nach Prüfung der eingereichten Unterlagen durch die zuständigen Verbände mitgeteilt.“

Besonders wichtig ist der nächste Satz: „Als Heimspielstätte für die 3. Liga hat der TSV Havelse, wie bereits in der abgelaufenen Saison, auch für die Spielzeit 2026/27 das Eilenriedestadion benannt. Für die vertrauensvolle und unterstützende Zusammenarbeit bedanken wir uns ausdrücklich bei den Verantwortlichen unseres Nachbarn Hannover 96.“

Damit widerspricht Havelse zumindest dem Eindruck, der Klub sei auf eine mögliche Drittliga-Rettung gar nicht vorbereitet. Der Verein hat die Unterlagen eingereicht, eine Spielstätte benannt und wartet nun auf die Prüfung der Verbände.

„Der kleinste Verein im deutschen Profifußball“

In seiner Erklärung schlägt Havelse zugleich einen bemerkenswert nachdenklichen Ton an. Geschäftsführer und Vorstand Sport Florian Riedel schreibt: „Der TSV Havelse ist der kleinste Verein im deutschen Profifußball und zugleich ein Beispiel dafür, dass sportliche Träume auch mit begrenzten finanziellen Mitteln, überwiegend ehrenamtlichen Strukturen und harter Arbeit verwirklicht werden können. Darauf sind wir stolz.“

Der Verein verweist auch auf die Leistung der Mannschaft, die sportlich zwar abgestiegen war, sich aber bis zum letzten Spieltag nicht aufgegeben habe. „Ebenso stolz sind wir auf die Entwicklung unserer Mannschaft in der abgelaufenen Saison. Das Team hat sich zu keinem Zeitpunkt aufgegeben und bis zum letzten Spieltag um jeden Punkt und die bestmögliche Platzierung gekämpft.“

Gleichzeitig vermeidet Havelse jede Triumphstimmung. Im Gegenteil: Der Klub betont, dass Entscheidungen außerhalb des Spielfelds nicht dem Ideal des Sports entsprechen. „Als Sportler glauben wir an einen Fußball, in dem Sieg und Niederlage sowie Aufstieg und Abstieg auf dem Platz entschieden werden. Durch die Leistungen der Mannschaften und nicht durch Entscheidungen außerhalb des Spielfelds.“

Warten auf den DFB

Havelse weiß also um die besondere Lage. Die mögliche Rettung wäre kein sportlicher Klassenerhalt im klassischen Sinn, sondern eine Folge der finanziellen Schieflage eines anderen Vereins. Deshalb richtet Riedel den Blick auch auf die Betroffenen: „Vor diesem Hintergrund wissen wir, dass die aktuellen Entwicklungen für viele Spieler, Trainer, Mitarbeiter und Fans anderer Vereine mit großer Enttäuschung verbunden sind. Das Zustandekommen solcher Entscheidungen entspricht nicht dem Ideal des Sports, den wir alle lieben.“

Weiter heißt es: „Diesen Menschen gilt unser Respekt für das, was sie sich auf sportlichem Weg erarbeitet haben.“

Die Botschaft ist klar: Havelse will die Lage nicht ausschlachten, aber der Verein hat sich formal auf verschiedene Szenarien vorbereitet - und wäre offenbar bereit, in der 3. Liga zu bleiben, wenn die Verbände beziehungsweise der DFB den Weg freimachen.

>>> Hier geht es zum WhatsApp-Kanal der 3. Liga