2024-04-25T14:35:39.956Z

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Baumberg schlägt nach Velbert auch Monheim.
Baumberg schlägt nach Velbert auch Monheim. – Foto: Patrik Otte

Baris Sarikaya lässt den Monheimer Jubel verstummen

Der 1. FC Monheim gleicht in Unterzahl kurz vor dem Abpfiff zum 2:2 in Baumberg aus, doch die Sportfreunde haben in der dramatischen Schlussphase das letzte Wort und entscheiden das Derby für sich.rn

Auf den ersten Blick ließen sich die extrem unterschiedlichen Gefühlswelten der Sportfreunde Baumberg (SFB) und des 1. FC Monheim (FCM) nicht genau ablesen. Beide Teams standen nach dem Oberliga-Derby auf dem Kunstrasen an der Sandstraße, bildeten einen Kreis und lauschten den gestenreichen Ansprachen ihrer Trainer.

Doch während Dennis Ruess vor allem aufmunternde Worte wählte, waren es bei Salah El Halimi lobende bis begeisterte. Mit 3:2 (1:0) hatten sich seine Sportfreunde in einer dramatischen Schlussphase durchgesetzt – buchstäblich in letzter Sekunde. Die Revanche für das 0:3 im Hinspiel ist also geglückt.

Die Baumberger gingen früh in Führung. Baris Sarikaya erzwang einen Ballverlust von Jan Lukas Nosel und eroberte die Kugel tief in Monheims Hälfte. Einen Pass auf Robin Hömig und einen Querleger auf Louis Klotz später stand es 1:0, weil sich Letzterer aussuchen konnte, in welcher Ecke er den Ball unterbringt (6.). Die Sportfreunde hatten nun Oberwasser und kamen zu weiteren Gelegenheiten, unter anderen erneut durch Klotz, dessen harmloser Schuss aber kein Problem für Tayfun Altin im Tor der Gäste war (18.). Auch die Monheimer hatten ihre Situationen – zum Beispiel durch Dennis Ordelheide, der aus ungünstigem Winkel an SFB-Schlussmann Daniel Schwabke scheiterte (20.).

Platzverweis für Nosel

Intensiv war die Partie von Anfang an, doch es war bisweilen auch unnötige Härte dabei. Nach einem Pressschlag musste Tim Kosmala kurz neben dem Platz behandelt werden. Während der Abwesenheit des Monheimer Kapitäns ereignete sich die letztlich wohl entscheidende Szene. Nach einem starken Ball in die Spitze drohte Sarikaya plötzlich, frei Richtung Kasten des FCM durchzustarten, Nosel wusste sich nur mit einem Foul an der Strafraumgrenze zu helfen – und sah die Rote Karte. Ob es wirklich eine Notbremse war, ist schwierig zu beurteilen. Sicher ist, dass einige Spieler in etwa auf gleicher Höhe waren. Entsprechend groß war der Unmut auf der Monheimer Bank über die Entscheidung von Schiedsrichter Torsten Schwerdtfeger. Immerhin: Der fällige Freistoß blieb folgenlos (31.).

Ohnehin gab es einige strittige Szenen im Derby, denn beide Mannschaften schenkten sich nichts. Nach einem grenzwertigen Foul an Kosmala durch Klotz (37.) gab es eine kleinere Rudelbildung und die Emotionen schlugen hoch. Am bittersten war aber für die Monheimer, dass Kosmala anschließend gestützt vom Platz humpeln musste – und Klotz zu ihrem Entsetzen mit Gelb davonkam. Der FCM verteidigte fortan stark, vor allem Sebastian Spinrath war oft zur Stelle, um Räume zu schließen, die in Unterzahl naturgemäß entstehen. So blieb es bis zur Pause beim knappen Rückstand, trotz eines tückischen Distanzschusses von Sarikaya (45.+2).

Dass es nach einer knappen Stunde 2:0 stand, war das Ergebnis eines langen Passes von Hömig, der mit dem Außenrist diagonal, flach und scharf genau in die Schnittstelle der Monheimer Innenverteidigung auf Sarikaya spielte. Der war durch und nutzte die Gelegenheit (59.).

Die coole Entscheidung

Mit dem zweiten Tor begann allerdings die Phase, die dem Baumberger Coach nicht sonderlich gut gefiel. „Plötzlich hatte das Spiel einen eher plätschernden Charakter – und das war fatal“, sagte El Halimi. „Wir haben uns wohl auch wegen der Überzahl zu sicher gefühlt und es kam ein gewisser Schlendrian rein. So haben wir Monheim wiederbelebt.“ Wenn er seiner Mannschaft einen Vorwurf machen könne sei es der, nicht das 3:0 nachgelegt zu haben. So sah sein Pendant Ruess, wie der FCM nach einer Phase des Berappelns zunehmend besser in die Partie kam.

„Wir standen nach der Halbzeit zu tief und haben unseren Mut verloren, was nach der Roten Karte und dem Rückstand normal ist. Nach dem 0:2 waren wir mental allerdings erstmal weg“, erklärte der Monheimer. Die Einwechslung von Philipp Hombach war ein Schlüssel für die unerwartet spektakuläre Schussphase (71.). „Wir sind dann in ein 3-4-2 gegangen, um mehr Zugriff zu bekommen. Es hat ein paar Minuten gedauert, aber dann waren wir voll da und hatten die Ballgewinne, die wir wollten.“

Marcel Ewertz spielte nach einer dieser Eroberungen auf Hombach, der auf Dimitrios Touratzidis flankte – 1:2 (82.). Plötzlich war wieder richtig Musik im Nachbarschaftsduell. Monheim drückte auf den Ausgleich und kam durch Touratzidis zu einer Kopfball-Großchance (84.), kurz danach vergab Hombach aus spitzem Winkel (86.). Und dann passierte es doch noch: Der weit aufgerückte Torwart Tayfun Altin spielte in der 92. Minute links raus auf Spinrath. Der nahm den Ball optimal mit, nutzte den Raum vor sich und flankte erneut auf Touratzidis. Der Rest war Torjäger-Routine: Absprung, Kopfball, Tor. „Ein Wahnsinn“, kommentierte Ruess die Aufholjagd.

Der Jubel war groß bei den Gästen, doch er verstummte schnell. Denn die Sportfreunde gewannen kurz nach dem Wiederanpfiff einen zweiten Ball im Mittelfeld. Bilal Sezer bewies gutes Auge, wieder war es ein präziser Schnittstellen-Ball auf Sarikaya, der zum Erfolg führte. Was der Angreifer aus der Vorlage machte, war seinem Trainer zufolge ein „Tor des Monats“. Der Baumberger lupfte den Ball mit bemerkenswerter Lässigkeit über Altin hinweg zum Endstand ins Netz.

„Es ist schön, gewonnen zu haben und in der Tabelle weiterhin vor Monheim zu stehen“, sagte El Halimi. „Die Jungs sollen das jetzt erstmal genießen.“ Sein Kollege Ruess hätte das 2:2 in langer Unterzahl freilich gerne mitgenommen, gratulierte dem Rivalen aber fair zum Sieg. Dennoch überwog nach dem K.o. in letzter Sekunde der Frust: „Das war bitter und ob es verdient ist, weiß ich nicht. Wir können uns keinen Vorwurf machen und sind richtig gut zurückgekommen, aber nach so einem Ding ist man natürlich erstmal leer.“

Aufrufe: 015.5.2022, 23:40 Uhr
RP / Dorian AuderschAutor