FuPa Medizincheck: Der Syndesmosenriss (Teil 1)
Donnerstag 29.11.18 12:45 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis4.285
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: FuPa Stuttgart

FuPa Medizincheck: Der Syndesmosenriss (Teil 1)

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie ein Syndesmosenriss entsteht und diagnostiziert werden kann. Im zweiten Teil, der in vier Wochen erscheint, wird auf die Therapie und die Nachbehandlung eingegangen. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen!


Was ist die Syndesmose und welche Funktion hat sie?
Bei der Syndesmose handelt es sich um eine Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein, die zusammen mit dem Innen- und Aussenband das Sprunggelenk stabilisiert indem sie die Sprunggelenksgabel zusammenhält. Sie kann in zwei Hauptanteile unterteilt werden, der vorderen und hinteren Syndesmose, zwischen den eine Bindegewebsschicht, die sogenannte Membrana interossea, zieht.

Wie kommt es zu einem Riss der Syndesmose?
Bei einem Verdrehen des Sprunggelenkes wie es zum Beispiel auch beim Umknicken passieren kann, kann es, isoliert oder begleitend zu einem Knochenbruch oder zu einer Aussen- und/oder Innenbandverletzung, auch zu einer Verletzung der Syndesmose kommen. Diese kann von einer einfachen Überdehnung, über einen partiellen oder kompletten Riss nur eines Anteils (meistens des schwächeren vorderen Anteils) bis zum Riss aller Anteile reichen.

Welche Symptome treten auf?
Die akute Symptomatik ähnelt der einer Aussenbandverletzung am Sprunggelenk, die, wie zuvor erwähnt, auch begleitend vorhanden sein kann. Das Sprunggelenk ist vor allem vorne und außen schmerzhaft und oft auch angeschwollen.

Wie wird der Syndesmosenriss diagnostiziert?
In erster Linie können sich viele Hinweise auf eine Verletzung der Syndesmose in der manuellen Untersuchung des Sprunggelenkes durch verschiedene spezielle Tests ergeben, aber auch teilweise in der Röntgenuntersuchung, wobei da die Bänder direkt, so auch die Syndesmose, nicht zu erkennen sind und die Röntgenbilder primär zum Ausschluss einer knöchernen Verletzung angefertigt werden.
Im nächsten Schritt wird eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) durchgeführt, die aus meiner Sicht die wichtigste Untersuchungsmethode in der Diagnostik darstellt und neben den Sehnen oder einem möglichen Erguss im Sprunggelenk auch eine schnelle und strahlenfreie Darstellung der Bänder, besonders des vorderen Anteils der Syndesmose, aber auch der Aussenbänder und des Innenbandes, im Seitenvergleich erlaubt. Zudem ist nur bei der Sonographie eine funktionelle Untersuchung möglich um die Stabilität der Syndesmose im dynamischen Test zu prüfen, was ein immens wichtiger Anhaltspunkt in der Diagnostik und entscheidender Faktor für die spätere Therapie ist.

Ist immer eine MRT-Untersuchung notwendig?
Ergeben sich aus der körperlichen und vor allem der sonographischen Untersuchung keine Hinweise auf eine Syndesmosenverletzung, ist eine Kernspintomographie (MRT) des Sprunggelenkes allein zur Beurteilung der Syndesmose nicht unbedingt notwendig. Besteht jedoch der Verdacht auf eine Syndesmosenruptur, ist die Kernspintomographie sinnvoll, vor allem auch um die in der Sonographie nicht gut darzustellende hintere Syndesmose und den mittleren Anteil, die Membrana interaossea, zu beurteilen.
Die MRT-Untersuchung eignet sich dabei zwar sehr gut um eine intakte Syndesmose, allein jedoch nicht um eine relevant gerissene Syndesmose sicher nachzuweisen, da es schon bei einer Einblutung durch Überzeichnung zu einem falsch positiven Ergebnis kommen kann. Eine nicht gerissene, sondern nur eingeblutete Syndesmose kann somit als gerissen fehlinterpretiert werden.
Daher sollten vor Diagnosestellung und vor allem vor der Therapieentscheidung alle Untersuchungsergebnisse aus der körperlichen Untersuchung, der Sonographie (und hier insbesondere der funktionellen, dynamischen Untersuchung mit Prüfung der Syndesmosenstabilität) sowie der Kernspintomographie bewertet und berücksichtigt werden.


Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U19-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



FuPa Hilfebereich