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Samstag 17.06.17 10:35 Uhr|Autor: Neue Osnabrücker Zeitung 779
Erinnerungsstück im Postkartenformat: Die Aufstiegsmannschaft des TuS Haste. Zum Team gehörten (erste Reihe von links) Dieter Kühn, Ferdi Bettenbrock, Theo Menkhaus, „Johnny“ Leiber, „Max“ Reimann, (zweite Reihe) „Pingo“ Schaber, Herbert Fieselmann, Ewald Gutendorf, Erhard Fieselmann.

Der größte Tag der Haster Fußball-Blüte

Vor 50 Jahren: Ein Stadtteil-Team aus Feierabendspielern steigt in die zweithöchste Klasse auf

Die Mannschaft? Eine Stadtteil-Auswahl. Der Trainer? Im Hauptberuf Wirt. Die Spieler? Feierabendfußballer, die am Abend trainierten. Aber sie lockten Tausende von Zuschauern, sie begeisterten – und sie stiegen auf in die Regionalliga Nord, die zweithöchste Klasse unter der Bundesliga. Am 18. Juni vor 50 Jahren schrieben sie das schönste Stück Geschichte des TuS Haste.






Es war ein Fußballkrimi, der an jenem brütend heißen Sonntag in der Osterhauskampfbahn fast 4000 Zuschauer mitriss. Die Haster Mannschaft führte im letzten Spiel der Aufstiegsrunde schon nach einer knappen Stunde mit 3:0 gegen den VfL Bad Oldesloe, doch das allein hätte nicht gereicht. Am längeren Hebel saß der SV St. Georg Hamburg, der mit einem Sieg gegen Eintracht Bremen den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen konnte.

„Wie steht’s in Hamburg?“ In der Schlussphase wurde Günter Grotemeyer zum wichtigsten Mann in der engen Kampfbahn. Der Osnabrücker NDR-Reporter saß neben der Haster Trainerbank und gab weiter, was er aus der Konferenz seines Senders erfuhr.

Als er aufgeregt die Bremer 2:1-Führung verkündete, verbreitete sich das wie ein Lauffeuer. Die Meldung „Schlusspfiff am Millerntor!“ löste den kollektiven Jubel aus – die Sensation war perfekt, der kleine Stadtteilverein aus Osnabrück war aufgestiegen und ab sofort ein Konkurrent des großen VfL Osnabrück. Über 10 000 Zuschauer hatten die drei Heimspiele der Aufstiegsrunde verfolgt; viel höher war der Besucherschnitt des VfL in der Regionalliga auch nicht gewesen.

Der VfL war damals nur Mittelmaß in der Regionalliga Nord, deren Topvereine FC St. Pauli, Arminia Hannover oder Göttingen 05 in jener Zeit den Aufstieg in die Bundesliga vor Augen hatten. Und nun – Haste! Manch einer dachte eher an die Kleinstadt bei Hannover als an den Osnabrücker Stadtteil.

So überraschend der Aufstieg auch war – ein Zufall war die Haster Fußballblüte nicht. „Der TuS hatte damals die größte Nachwuchsabteilung in Osnabrück; jedes Jahr kamen Talente in die erste Mannschaft. Auf Einkaufstour mussten die Haster nicht gehen“, erinnert sich der ehemalige Reporter Jürgen Bitter, der den Erfolgsweg des Clubs über Jahre begleitete.

„Wir waren eine Mannschaft, in der Kameradschaft etwas zählte“, erzählt „Pingo“ Schaber, der als trickreicher und torgefährlicher Außenstürmer ein Liebling des wachsenden Haster Publikums war. „Wir waren lange zusammen, waren sehr gut eingespielt“, sagte Torwart Dieter Hafkemeyer. „Jung und Alt haben gut harmoniert, wer aus der A-Jugend kam, wurde gut aufgenommen“, erzählt Heinz Stallkamp, das „Küken“ der Aufstiegsmannschaft. „Wir hatten einen Trainer, der uns richtig fit gemacht hat und ein Taktikfuchs war“, betont Horst Bauer. Wie die meisten seiner Spieler stammte auch Helmut Spielmeyer aus Haste. 1951 hatte der begabte Fußballer den TuS zum VfL verlassen, wo er 1955 in der Oberliga Nord – damals die höchste Spielklasse – debütierte. Als er 1963 nach 179 Ligaspielen für die Lila-Weißen keinen neuen Vertrag bekam, wollte er sich auf seine Kneipe „Ellerstübchen“ konzentrierten, die er mit seiner Frau Hanne führte.

Doch als sein Heimatverein plötzlich einen Trainernotstand hatte, sprang Spielmeyer ein – für 14 Tage, wie er betonte. Daraus wurden acht Jahre, zunächst als Spielertrainer, mit einer Mannschaft, die ihm schnell ans Herz wuchs: „Wir haben hart trainiert, aber viel gelacht und konnten richtig feiern …“

Gründe dafür hatten sie genug: 1964 Aufstieg in die neue Landesliga, 1965 Klassenerhalt, 1966 Landespokalsieger und Einzug in die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal, 1967 Aufstieg in die Regionalliga. Und das alles mit Haster Jungs, die mit ein paar Mark an den Zuschauereinnahmen beteiligt waren und kleine Prämien kassierten. Sie alle arbeiteten, als Schlosser oder Lehrer, als Friseur oder Maschinenbauer, als Kaufmann oder Lackierer.

Trainiert wurde abends, dreimal in der Woche. Wenn es zum Balltraining zu dunkel war, fuhren sie Autos an den Platz und kickten im Licht der Scheinwerfer. Wenn die Jungs, die bei kabelmetal malochten, Spätschicht hatten, setzte Spielmeyer eine Vormittagseinheit nur für sie an. Zu Auswärtsspielen wurden sie von Freunden und Gönnern in Privatwagen gefahren, um das Geld für den Bus zu sparen. An Übernachtungen bei weit entfernten Spielorten dachte keiner.

Der Mann, der sich um alles kümmerte, war Horst Schäfer. Er war mehr als nur der Obmann des Clubs: Er war ein Talentsichter, er konnte überzeugen und überreden. Wer es brauchte, bekam einen Zuschuss aus seiner Privatschatulle. Und wenn Spielmeyer wegen des Trainings im Lokal fehlte, sprang Schäfer hinter der Theke ein. Der Inhaber einer Wäscherei war immer da für seine Jungs – sie haben ihn bis heute nicht vergessen.

Zusammen mit dem Vorsitzenden Wilhelm Droit und Geschäftsführer Franz Thiemeyer entschied sich Schäfer nach dem Aufstieg gegen das Risiko und für die Bodenständigkeit. Keiner wurde Halbprofi, es gab keine Neuzugänge, alles lief weiter wie in der Landesliga. Mit nur 15 Spielern kämpften sich die Haster gegen Halbprofis durch die Saison und hatten dennoch bis zum viertletzten Spieltag die Chance auf den Klassenerhalt. Der Absteiger ging erhobenen Hauptes, stolz auf die Unentschieden (3:3, 1:1) gegen den VfL und die Sensationssiege gegen die Topteams Arminia Hannover (1:0), Göttingen 05 (1:0) und VfB Oldenburg (3:0).

Tpyisch TuS: Nach dem Abstieg ging es erst mal mit dem kompletten Team zur „Kameradschaftsfahrt“ nach Norderney.

 
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