FuPa Medizincheck: Die Gehirnerschütterung
Samstag 28.12.19 18:50 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis8.579
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: Marco Nägele / Collage FuPa Stuttgart

FuPa Medizincheck: Die Gehirnerschütterung

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie eine Gehirnerschütterung entsteht und diagnostiziert werden kann. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen.


Was ist die Gehirnerschütterung und wie entsteht sie?
Die Gehirnerschütterung (medizinisch: Commotio cerebri) ist die leichteste Form einer Schädel-Hirn- Verletzung und gleichzeitig eine der häufigsten Kopfverletzungen. Sie wird durch eine von außen auf den Kopf einwirkende Kraft verursacht, so zum Beispiel durch einen stumpfen Schlag oder einen Aufprall nach einem Sturz.

Dabei schlägt das von der Hirnflüssigkeit (Liquor cerebralis) umgebende Gehirn gewaltsam gegen die Schädelwand und es kommt in der Folge zu einer vorübergehenden Funktionsstörung.

Welche Symptome können bei einer Gehirnerschütterung auftreten?
Mögliche Anzeichen einer Gehirnerschütterung sind zum Beispiel eine kurzzeitige (in der Regel weniger als 15 Minuten andauernde) Bewusstlosigkeit, eine Amnesie, also Erinnerungslücken, die sowohl den Zeitraum vor als auch den Zeitraum nach dem Unfall betreffen können, Kopfschmerzen, Benommenheit, Verwirrtheit mit Beeinträchtigung der Orientierung, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Erbrechen, Sehstörungen und eine Verlangsamung des Pulses sowie ein Blutdruckabfall.

Das Ausmaß dieser Symptome, die sowohl direkt nach dem Unfallereignis auftreten können als auch mit einer mehrstündigen Verzögerung, kann dabei stark variieren. In den meisten Fällen klingt bei einer Gehirnerschütterung aber die Symptomatik innerhalb weniger Tage folgenlos ab.

Wie wird die Gehirnerschütterung diagnostiziert?
Anhand einer ausführlichen Befragung des Patienten und der Unfallzeugen sowie einer körperlichen Untersuchung des Verletzten, in der das Bewusstsein, die Motorik, verschiedene Reaktionen und der Allgemeinzustand geprüft werden, kann das Ausmaß der Schädel-Hirn-Verletzung eingeschätzt werden. Abhängig davon kann anschließend, vor allem zum sicheren Ausschluss einer höhergradigen Verletzung, eine weitere Bildgebung, zum Beispiel mittels einer Kernspintomographie (MRT) oder einer Computertomographie (CT), stattfinden.

Wie wird die Gehirnerschütterung behandelt?
In der Erstversorgung ist es wichtig den Betroffenen zu beruhigen und erstmal auf weitere Verletzungen zu untersuchen. Ist er bei Bewusstsein, weist aber deutliche Anzeichen einer Gehirnerschütterung auf, so sollte er mit leicht erhöhtem Oberkörper gelagert und unter ständiger Kontrolle der Vitalparameter (Puls und Atmung) ins nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden.

Die weitere Therapie einer Gehirnerschütterung wird dann durch ihren Ausprägungsgrad bestimmt. Es können bei Bedarf Medikamente gegen die Kopfschmerzen und gegen die Übelkeit verabreicht werden und in manchen Fällen ist eine Überwachung im Krankenhaus über mindestens 24 Stunden notwendig um mögliche Komplikationen, wie zum Beispiel das Auftreten einer Hirnblutung, rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Wann ist Sport wieder erlaubt?
Vor Wiederaufnahme des Trainings und Wiedereinstieg in den Spielbetrieb ist eine ärztliche Freigabe erforderlich. Zuvor sollte die Wiedereingliederung nach einem, im Idealfall durch den Mannschaftsarzt, überwachten definierten Stufenplan mit sukzessiver und dosierter Steigerung der körperlichen Belastung erfolgen. Vor einer zu frühen und unkontrollierten Wiederaufnahme der Wettkampfbelastung, vor allem in Kontaktsportarten wie Fußball und Handball, muss ganz klar gewarnt werden, da insbesondere ein zweites Trauma vor kompletter Ausheilung der ersten Verletzung schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

 


Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U20-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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