FuPa-Medizincheck: Das Wirbelgleiten (Spondylolisthese)
Donnerstag 25.07.19 11:50 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis6.566
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: FuPa Stuttgart

FuPa-Medizincheck: Das Wirbelgleiten (Spondylolisthese)

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie ein Wirbelgleiten (Spondylolisthese) entsteht und diagnostiziert werden kann. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen


Was versteht man unter einer Spondylolisthese und welche Ursachen gibt es dafür?
Unter einer echten Spondylolisthese (oder auch Spondylolisthesis vera) versteht man das Abgleiten eines Wirbelkörpers über den nächsttieferen Wirbel nach vorne, im Volksmund Wirbelgleiten oder auch Gleitwirbel genannt. Die Ursache dafür ist eine entweder angeborene (Fehlbildung) oder (zum Beispiel durch einen Ermüdungsbruch) erworbene Unterbrechung der Wirbelbögen (Spondylolyse).
Davon abzugrenzen sind die unechte Spondylolisthese (Pseudospondylolisthesis), bei der es durch degenerative Veränderungen, zum Beispiel der Bandscheiben und der Bänder, zu einem Wirbelgleiten kommt, und die Retrolisthese, die sich durch ein Gleiten des Wirbelkörpers nach hinten äußert. Bei diesen beiden Formen liegt keine Spondylolyse vor.

Wo und bei wem kommt das Wirbelgleiten am häufigsten vor?
In den meisten Fällen ist die Lendenwirbelsäule betroffen und hier insbesondere die untersten zwei Segmente, also die Segmente L5/S1 (80% der echten Spondylolisthesen an der Lendenwirbelsäule) und L4/5 (80% der degenerativen Spondylolisthesen an der Lendenwirbelsäule).
Rund 2-4% der Bevölkerung in Europa sind betroffen, Jungen etwas häufiger als Mädchen, wobei Kinder und Jugendliche in stark die Wirbelsäule belastenden Sportarten bzw. Disziplinen (wie zum Beispiel Speerwurf, Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Judo, Ringen) ein deutlich höheres Risiko aufweisen.

Welche Symptome treten auf?
In vielen Fällen und vor allem im Anfangsstadium ist die Spondylolisthese asymptomatisch und wird nur als Zufallsbefund entdeckt. Später können leichte unspezifische Kreuzschmerzen auftreten, die mit Fortschreiten der Erkrankung zunehmen oder in die Beine, manchmal auch mit begleitenden neurologischen Symptomen wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen, ausstrahlen können. Zudem wird ab und zu auch ein Instabilitätsgefühl angegeben.

Wie wird das Wirbelgleiten diagnostiziert?
Im fortgeschrittenen Stadium kann sich in der körperlichen Untersuchung charakteristischerweise ein sogenanntes Sprungschanzenphänomen zeigen, eine tastbare Stufe an der Lendenwirbelsäule. Gesichert wird die Spondylolisthese durch eine seitliche Röntgenaufnahme, auf der dann auch der Schweregrad des Gleitens bestimmt werden kann (Gradeinteilung nach Meyerding). Zusätzlich sind manchmal auch Röntgenfunktionsaufnahmen notwendig, die in maximaler Vorbeugung und maximaler Überstreckung angefertigt werden.
In Einzelfällen kann die Diagnostik durch weitere bildgebende Verfahren, beispielsweise einer Kernspintomographie (MRT), ergänzt werden.

Wie sieht die Behandlung des Wirbelgleitens aus?
Die Therapie der Spondylolisthese ist immer individuell und abhängig des Schweregrades zu gestalten und zielt primär darauf die Symptome zu reduzieren oder gar zu beseitigen sowie eine weitere Progredienz des Wirbelgleitens zu verhindern.
Es ist in erster Linie eine fachärztliche Beratung notwendig, die die alltäglichen, beruflichen und vor allem sportartspezifischen Belastungen des Betroffenen berücksichtigen sollte. Bei Übergewicht kann sich eine Gewichtsreduktion positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. In der Krankengymnastik werden spezielle Übungen erlernt und zunächst unter physiotherapeutischer Assistenz die Rücken- sowie Bauchmuskulatur gezielt gestärkt um die Wirbelsäule zu stabilisieren, was dann auch langfristig in Eigenregie stattfinden sollte. Darüber hinaus kommen manchmal Medikamente und Orthesen oder
Bandagen zum Einsatz. Die Therapie und der Verlauf sollten regelmäßig, in gewissen Abständen auch
radiologisch, kontrolliert werden.
Abhängig vom Ausmaß des Wirbelgleitens, dem Verlauf mit evtl. Fortschreiten des Gleitprozesses, den
Beschwerden sowie dem Leidensdruck des Betroffenen kann in manchen Fällen auch die Indikation zu
einer operativen Versorgung gestellt werden.




Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U20-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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