FuPa Medizincheck: Der Kahnbeinbruch an der Hand
Donnerstag 27.09.18 09:45 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis3.825
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: FuPa Stuttgart

FuPa Medizincheck: Der Kahnbeinbruch an der Hand

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie ein Kahnbeinbruch an der Hand entsteht, diagnostiziert und behandelt werden kann. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen!


Als „Kahnbein“ werden im Deutschen zwei verschiedene Knochen im menschlichen Körper bezeichnet. Zum einen das Os scaphoideum (auch Skaphoid genannt), das sich in der Handwurzel befindet, und zum anderen das Os naviculare der Fußwurzel.
Im Folgenden soll die Scaphoidfraktur, der häufigste Bruch der Handwurzel, erläutert werden.

Entstehung
Der häufigste Unfallmechanismus einer Skaphoidfraktur ist der Sturz auf die nach hinten ausgestreckte Hand. In Sportarten wie Fußball und Handball kommen solche Verletzungen durch Stürze vor, sind bei Torhüter beim Abwehrversuch eines wuchtigen Schusses oder Wurfes mit der Hand nach Aufprall des Balles und Überstreckung des Handgelenkes aber auch möglich.

Symptome
Bei einer Skaphoidfraktur kommt es zu Schmerzen und manchmal auch zu einer Schwellung im Bereich des daumenseitigen Handgelenkes. Typisch ist zudem ein Druckschmerz im Speichengrübchen, der sogenannten Tabatière, einer dreieckigen Vertiefung, die an ihren Längsseiten durch drei Sehnen, die den Daumen strecken, gebildet wird.
In manchen Fällen ist die Beschwerdesymptomatik jedoch nicht so ausgeprägt, so dass die Verletzung nicht ausreichend ernst genommen und als Verstauchung bagatellisiert wird. In den darauf folgenden Tagen nehmen die Schmerzen weiter ab und es erfolgt daher meistens kein Arztbesuch, was aber schwerwiegende Folgen haben kann.

Diagnostik
Oft ist die Kahnbeinfraktur in der ersten Röntgendiagnostik nicht nachweisbar, so dass bei entsprechendem Verdacht eine weiterführende Bildgebung erfolgen sollte im Sinne einer Kernspintomographie (MRT) und abhängig davon dann evtl. auch einer Computertomographie (CT). Liegt ein Kahnbeinbruch vor, so kann hierdurch eine für die spätere Therapie ausschlaggebende Klassifikation und Einteilung in stabilen und instabilen Brüchen vorgenommen worden.
Von Bedeutung ist hierbei auch die Besonderheit, dass das Kahnbein rückwärts durchblutet wird, also von körperfern nach körpernah. Aufgrund der schlechteren Durchblutung ist die Heilung körpernaher Brüche somit problematischer.

Therapie
Abhängig der Art und Lage des Bruches wird eine operative oder konservative, also nicht operative, Therapie durchgeführt. Bei der Operation wird meistens über einen kleinen Schnitt eine kanülierte Schraube eingesetzt, die konservative Therapie sieht eine mehrwöchige Ruhigstellung im Gips vor.

Eine häufige Komplikation: Die Pseudarthrose
Eine der häufigsten Komplikationen der Kahnbeinfraktur ist die Pseudarthrose, also die unvollständige Knochenheilung mit Ausbildung eines Falschgelenkes, die über die Jahre zu einer Arthrose und Kollaps der gesamten Handwurzel münden kann. Bleibt eine Kahnbeinfraktur unerkannt und somit unbehandelt, ist das Risiko für eine Pseudarthrose höher.


Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U19-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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