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Dienstag 29.08.17 14:19 Uhr|Autor: Romina Burgheim
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Schlauer Störenfried?

Oder: Warum Fußballer sich ihren Wechsel erzwingen (dürfen)
Dortmund grüßt seit der angelaufenen Bundesligasaison mit 6 Punkten und einem besseren Torverhältnis vor Erzkonkurrent FC Bayern von der Tabellenspitze. Der neue Trainer Peter Bosz scheint also in der Vorbereitung vieles richtig gemacht zu haben. Doch in dieser herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. Der Grund: Dem 20-jährigen Shootingstar Ousmane Dembele gelang in letzter Sekunde vor Schließen des Transferfensters am 31.08.2017 ein 150-Millionendeal zu seinem absoluten Wunschverein FC Barcelona. Der Wechsel ging aber nicht, wie es eigentlich in der Regel der Fall sein sollte, geduldig und harmonisch am Verhandlungstisch über die Bühne, sondern wurde seitens Demebele mit eigenwilligen Methoden befeuert bzw. erst ermöglicht.

Am 15. Juli erschien er nicht zum Treffpunkt der Asienreise. Folgerichtig wurde er aus dem Kader gestrichen. Der Vorfall sorgte zwar auf der einen Seite für Verärgerung bei vielen Beteiligten, andererseits maß man ihm aber noch keine große Bedeutung bei, sodass dieser Vorfall öffentlichkeitswirksam  unter Verschluss gehalten wurde.  

Was zu dem Zeitpunkt nämlich kaum einer wusste: Dembeles Berater hatten schon früher Kontakt zu den Katalanen aufgenommen, als sich langsam aber sicher der Wechsel von Neymar zu Paris St. Germain abzeichnete….doch erst Anfang August spitzte sich der Transferpoker dramatisch zu. Zunächst verkündete am 06. August 2017 die französische Zeitung L´Equipe, dass es angeblich zu einer Einigung zwischen Barca und Dortmund gekommen sei. Die Rede war von 100 Millionen Euro. Dies wurde seitens des BVBs dementiert, erste Verhandlungen waren gescheitert. 

Rekordablöse oder unzufriedenen Spieler behalten? Als Reaktion auf diesen mehr als unbefriedigenden Zustand reagierte Dembele am 10. August 2017 mit einem Trainingsboykott und nahm das sicher einkalkulierte Risiko einer saftigen Geldstrafe im sechsstelligen Bereich ein. Drei Tage später wiederum verkündete BVB-Sportdirektor Zorc auf einer Pressekonferenz die Verlängerung der Suspendierung Dembeles mit der Allerweltsbegründung: "Unser Fokus liegt auf einer konzentrierten Vorbereitung der Mannschaft auf den Bundesliga-Auftakt", räumte ihm aber gönnerhaft die Möglichkeit ein, ein individuelles Training abseits der Gruppe zu absolvieren!

Die meisten BVB-Fans waren natürlich angesichts des umprofessionellen und störrischen Verhaltens ihres talentierten Flügelflitzers nicht amüsiert und sprachen sich zu fast 60 % dafür aus, ihn auf der Tribüne schmoren zu lassen. Umso interessanter und spannender, dass der BVB jetzt doch noch in allerletzter Sekunde eingelenkt hat. 

Dabei hätte der BVB gewarnt sein müssen. Schließlichzeigte sich Dembele in diesem Verhalten eher sehr konsequent, indem er seiner Verhandlungsstrategie, die an sportliche emotionale Erpressung erinnert, treu geblieben war. Denn streng genommen agierte er als Wiederholungstäter, hatte er doch schon 2015 Stade Rennes die Pistole auf die Brust gesetzt, als Red Bull ihn nach Salzburg locken wollte. 

Und überhaupt - er ist, wie es ein Blick in die Vergangenheit zeigt, nicht der einzige Sportler, der sich gezwungen sah (?), sich solch drastischer Maßnahmen bedienen zu müssen. Dies soll keinesfalls diesen ungewöhnlichen Weg entschuldigen oder huldigen, dennoch regen solche Quervergleiche zum Nachdenken an. So drohte beispielsweise der Berater von Henrikh Mkhitaryan 2016 dem BVB ebenfalls mit einem Boykott. Damals lenkte der Verein schneller ein und entließ seinen armenischen Mittelfeldstrategen für 42 Millionen Euro zu Manchester United. Auch der ehemalige Topstürmer Hoffenheims, Demba Ba, erzwang seinen Wechsel zu West Ham United, indem er 2011 den Ausflug ins Trainingslager im spanischen La Manga verweigerte. Er durfte für 7 Millionen Euro gehen…

Jetzt stellt sich ja die folgende Frage: Sind die beschriebenen Herrschaften unverbesserliche Egoisten, die unsportlich und einem dringlichen Wunsch (vermutlich durch den "kompetenten" Einfluss ihrer Berater) erlegen, sämtliche Regeln des Fußball-Showgeschäfts über Bord werfen? Dass sie sich mit einem solchen Verhalten eventuell die Startbedingungen in ihrem neuen Verein nicht gerade verbessern und kritisch bis skeptisch beäugt werden, mag auf der Hand liegen. Ob diese „Jüngelchen“ bzw. aussichtsreichen und meist ja sehr talentierten, aufstrebenden Jung-Profis lediglich Erziehungsmaßnahmen benötigen, weil ihr Elternhaus nicht in der Lage war, ihnen diese Wertvorstellungen mitzugeben, wie es Sven Staeck via SportBild-Facebookseite verlauten ließ, wage ich dennoch stark zu bezweifeln. 

Es fällt immer leicht, deviantes Verhalten abfällig zu bewerten, die demonstrierte fehlende Konformität in einem soliden System zu verurteilen. Doch wie wäre es, wenn man das Gegenteil annähme und versuchen würde, diese durchaus ungewöhnliche Reaktion zu würdigen? Ihr den entsprechenden Respekt zu zollen, den sie verdient? Denn kann man es nicht vielleicht auch so interpretieren, dass diesen Außenseitern der Versuch gelingt, bestimmt auch aus ein wenig Verzweiflung und gebotener (sportlicher) Dringlichkeit heraus, sich ein kleines, verbliebenes Refugium der Macht zu sichern? In einem System, wo der einzelne Sportler den diversen Interessen der beteiligten Instanzen hilflos ausgeliefert ist? Zu einer Marionette degradiert in einem Tauzieh-Wettbewerb, wo Berater und Vereinsbosse an ihm zerren, in dem er gefühlt selbst nicht agieren, sondern nur machtlos zusehen kann? So gesehen, kann man diese Trotzreaktion als eine starke, selbstbewusste Entscheidung (trotz all ihrer negativen Konsequenzen) eines Subjektes anerkennen, das sich gegen die Zustände eines depersonalisierten Objektes in einem Transferpoker wehrt und durch das bewusste Ab- und Ausbrechen aus diesem Glücksspiel sein Gesicht wahrt, beziehungsweise wiederherstellt. Und eine solche Eigenschaft der Selbstbehauptung und Selbstbestimmung, die Bereitschaft andere Wege zu gehen, ein entsprechendes, kalkuliertes Risiko in Kauf zu nehmen und dafür volle Verantwortung zu tragen, kann sich nur positiv auf die Leistung auf dem Platz niederschlagen - sofern man solche Charakterzüge anzunehmen und zu integrieren versteht. 

 
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