Bayerns Verbandspräsident Dr. Rainer Koch ist ein absoluter Verfechter, dass die laufende Runde - wann auch immer - zu Ende gebracht werden soll - auch in der Regionalliga Bayern. Der Vize-Präsident des DFB argumentiert stets damit, dass den Verbänden ansonsten Klagewellen drohen. Die meisten Klubs haben derzeit aber ganz andere Probleme. Nicht alle Spieler verzichten auf ihre vertraglich vereinbarten Fix-Gehälter oder lehnen Kürzungen ab. Dazu kommt die Problematik, dass einige Akteure ab dem 1. Juli schon Arbeitspapiere bei anderen Klubs unterschrieben haben. Ein weiteres, heikles Thema sind Sponsorenverträge. Denn der eine oder andere Klub befürchtet oder hat bereits Gewissheit, dass potenzielle Geldgeber zum 30. Juni aussteigen werden. Gerade die Vertragsthemen wären bei einem Saisonabbruch einfacher abzuwickeln. Arbeitsrecht wird schließlich immer vor Sportrecht stehen. Und: zahlreiche Spieler-Verträge enden eben am 30. Juni. Die Notlösung: Wie FuPa erfahren hat, ist eine Transfer-Periode in Planung, die vermutlich wie ein sogenanntes Winter-Wechselfenster aussehen soll. Das heißt, auch bei einer Saison-Fortführung würden Transfers möglich sein. Vorausgesetzt die beiden betroffenen Klubs erzielen über die Wechselmodalitäten Einigung. Allerdings wäre damit die Vertragsspieler-Problematik nicht gelöst.
Und was bedeutet das konkret für die Regionalliga Bayern? Verbandsspielleiter Josef Janker hält sich bedeckt, wie es in Bayerns Elite-Liga weitergehen soll: "Wir sind mit den Vereinen der Regionalliga Bayern in ständigem Kontakt und halten regelmäßige Video-Konferenzen ab. Wir werden und können aber keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Wir müssen abwarten, was am 25. Mai passieren wird. An diesem Termin ist der außerordentliche DFB-Bundestag, in dem auch das Thema, wie es in der dritten Liga weitergehen wird, auf der Tagesordnung steht. Es ist zu klären, ob die Drittliga-Saison abgebrochen oder fortgeführt wird. Die Regionalligen sind die Schnittstellen zu dieser Klasse und daher wird die Entscheidung natürlich auch Auswirkungen auf die Regionalliga Bayern haben." Weiterhin keine Klarheit also für die Vereine, die nicht nur finanziell sondern auch sportlich ziemlich in den Seilen hängen.
Wilde Konsequenzen einer Saison-Fortführung: Annullierung der Ergebnisse des Drittliga-Aufsteigers?
Unabhängig vom DFB-Bundestag ist Fakt, dass die Landesverbände die Liga-Hoheit haben. Sprich: der BFV hat das letzte Wort, wie es in seiner Premium-Klasse weitergehen wird. Verbands-Boss Dr. Koch hat in den letzten Wochen viel versucht, um die 18 Klubs der Regionalliga Bayern, die verständlicherweise nicht alle gleicher Meinung sind, wieder in eine gemeinsame Richtung zu bringen. Denn vor allem die SpVgg Bayreuth sorgte bereits vor ein paar Wochen für mediales Aufsehen, als die Oberfranken dem Verband damit drohten, rechtliche Maßnahmen zu ergreifen, falls die aktuelle Saison fortgesetzt wird (FuPa berichtete). Die Klubs haben sich vor Kurzem ohne Verbands-Verantwortliche in einer Video-Konferenz ausgetauscht. Mehrere Vereine plädierten unseren Informationen zufolge für einen Abbruch - jedoch nicht alle. Aber: sollte es zu einem Abbruch kommen, müssten die bayerischen Vereine - wie FuPa aus Regionalliga-Kreisen erfahren hat - eine Haftungsfreistellung gegenüber dem BFV unterzeichnen. Im Klartext heißt das, wenn es zu Klagen käme, müssten die Vereine der Regionalliga Bayern die Haftungsrisiken übernehmen.
Da es quasi ausgeschlossen ist, dass sich die Klubs auf dieses Szenario einlassen, stehen die Zeichen in der bayerischen Eliteliga klar auf Saison-Fortsetzung. Selbst wenn die Mehrheit der Vereine womöglich pro für einen Saisonabbruch votieren würde. Auch sportlich wird's diskussionswürdig, denn die Regionalliga Bayern muss - der Zeitpunkt wird wohl beim DFB-Bundestag festgelegt werden - einen Aufsteiger für die 3. Liga melden. Sollte dann ein Klub - es haben ohnehin nur Türkgücü München und der 1. FC Schweinfurt 05 die Lizenz beantragt - zwangsweise aus der zum Melde-Datum mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht zu Ende gespielten Regionalliga-Saison gerissen werden, müssten dessen bisher erzielten Ergebnisse womöglich annulliert werden. Eigentlich undenkbar, sollte man meinen. Aber genau darauf steuert der Bayerische Fußball-Verband mit seiner Devise pro Fortführung der Saison in seiner Vorzeigeliga zu...